Coronavirus in OÖ

Die Krise wird viele zahlungsunfähig machen

Die Coronakrise stellt auch die private finanzielle Situation vieler Menschen auf den Kopf. „Viele, die jetzt schon knapp dran sind, werden unausweichlich in die Überschuldung schlittern“, sagt Thomas Berghuber, Geschäftsführung der Schuldnerberatung Oberösterreich. Er wünscht sich eine längere Perspektive bei Maßnahmen, um krasse Folgen zu dämpfen.

„Krone“:Wenden sich mehr Anrufer als sonst an die Schuldnerberatung?
Thomas Berghuber: Nein, es ist konstant. Aber es geht hauptsächlich um zwei Themen: Die Anrufer sind nervös, weil sie in absehbarer Zeit in Kurzarbeit gehen oder den Job verlieren. Sie haben aber keine großen Rücklagen am Konto.

„Krone“:Die zweite Anrufergruppe?
Berghuber: Die haben bereits Schulden, müssen Raten zurückzahlen und wissen nicht, wie sie das mit geringerem Lohn oder Lohnausfall bewerkstelligen sollen.

„Krone“:Das Girokonto kann schnell ausgeschöpft sein.
Berghuber: Ja, üblicherweise wird es dann gesperrt. Mietrückstand und vieles mehr sind Folgen.

„Krone“:Jetzt gibt es ja Delogierungsschutz bis Ende des Jahres. Nützt der was?
Berghuber: Definitiv. Spannend wird die Reaktion der Vermieter und die Situation im nächsten Jahr.

„Krone“:Es droht auch keine Stromabschaltung bei Säumigkeit. Gibt es dazu eine Frist?
Berghuber: Auf der Website des Ministeriums findet sich keine konkrete Frist - sollte also halten, so lange es durch Coronafolgen bedingte Zahlungsprobleme gibt.

„Krone“:Und die Kreditstundung bei Banken ist ja jetzt auch gegeben. Was ist die Gefahr aus Ihrer Sicht?
Berghuber: Es fehlen die gesetzlichen Regelungen dazu. Derzeit sind Schuldner vom Goodwill der Kreditinstitute abhängig - und deren legaler Spielraum ist eng. Weitere Gefahr: Hohe Zinsen laufen weiter, durch verzögerte Rückzahlungen wird der Schuldenstand erst recht wachsen. Wir fordern daher eine Grenze beim gesetzlichen Zinssatz von 4 Prozent.

„Krone“:Was sagen Sie zu den neuen Entwicklungen?
Berghuber: Niemand kann sagen, wie lange die wirtschaftliche Krise noch anhalten wird oder wie schlimm sie noch wird. Jedenfalls werden zehntausende Menschen in die Zahlungsunfähigkeit rutschen. Für diese bauchen wir rasche und unkomplizierte Schuldenregulierungen. Dafür muss der Nationalrat die Insolvenzordnung wesentlich ändern, die Ressourcen der Schuldenberatungen müssen spürbar aufgestockt werden.

 „Krone“:Birgt auch der private Onlineshop-Konsum derzeit gefahren?
Berghuber: Ja, der Onlineshop-Konsum ist ebenso verführerisch wie gefährlich. Bei sinkenden Einnahmen sollte so wenig Geld wie nur möglich ausgegeben werden.

Elisabeth Rathenböck
Elisabeth Rathenböck
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Sonntag, 31. Mai 2020
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