31.03.2020 01:21 |

Bereits Todesfälle

Behörde warnt vor Nebenwirkungen neuer Therapien

Frankreichs Arzneimittelbehörde ANSM hat mögliche gefährliche Nebenwirkungen bis hin zu Todesfällen bei neuen Methoden zur Behandlung der Lungenkrankheit Covid-19 festgestellt. Bei Corona-Patienten, die mit Plaquenil oder anderen Medikamenten wie Kaletra behandelt wurden, seien rund 30 verschiedene unerwünschte schwere Nebenwirkungen aufgetreten, sagte ANSM-Direktor Dominique Martin Montag der AFP. So habe es auch drei Todesfälle gegeben.

Die Nebenwirkungen wurden aus Krankenhäusern gemeldet. Ob sie auf die genannten experimentellen Methoden zur Behandlung der Lungenkrankheit Covid-19 zurückzuführen sind, muss laut Martin noch untersucht werden. Erste Ergebnisse lägen hoffentlich bis Ende der Woche vor. Er mahnte in jedem Fall, solche Medikamente „in keinem Fall“ eigenmächtig einzunehmen.

Plaquenil enthält den Wirkstoff Hydroxychloroquin, der in der Malaria-Prophylaxe Anwendung findet. Kaletra enthält eine Kombination aus den Wirkstoffen Lopinavir und Ritonavir, die üblicherweise zur Behandlung von HIV-Patienten eingesetzt werden.

Kombination führt zu Herzrhythmusstörungen
Martin sagte, angesichts der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus sei es „ganz normal“, dass auch experimentelle Behandlungsmethoden zur Anwendung kämen. Diese müssten aber von Experten überwacht werden. Dies gelte insbesondere für die Kombination aus Hydroxychloroquin und dem Antibiotikum Azithromycin. Die gleichzeitige Gabe dieser Mittel „potenziert das Risiko“ für Herzrhythmusstörungen, die zu einem Herzanfall führen könnten, warnte der Behördenchef. Dies gelte umso mehr für Patienten, die an Covid-19 erkrankt seien.

Durch das neuartige Coronavirus sind weltweit schon mehr als 37.000 Menschen (Stand 1 Uhr Montagfrüh) ums Leben gekommen. In mehr als 180 Ländern und Gebieten weltweit wurden insgesamt rund 777.000 Infektionen registriert - in Österreich werden es bald 10.000 sein. Bislang gibt es kein passgenaues Medikament und keinen Impfstoff gegen den neuartigen Erreger.

Trump spricht vom „Geschenk Gottes“, Experten zweifeln
US-Präsident Donald Trump hatte das noch nicht zum Einsatz gegen das Coronavirus zugelassene Malaria-Medikament Chloroquin vor einer Woche als mögliches „Geschenk Gottes“ im Kampf gegen Covid-19 bezeichnet. „Hydroxychloroquin und Z-Pak, ich denke, diese Kombination sieht wahrscheinlich sehr, sehr gut aus“, sagte Trump. Doch Experten widersprachen ihm, und auch der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte davor, Medikamente gegen das neuartige Coronavirus einzusetzen, deren Wirksamkeit bisher nicht nachgewiesen ist.

Der Top-Virologe Norbert Bischofberger, der Medikamente gegen Grippe, HIV und Hepatitis C entwickelt hat, ist ebenfalls skeptisch: „Von Hydroxychloroquin bin ich nicht so überzeugt, erspare dir aber meine Gründe“, sagte er im großen Interview, das seine Schwester, „Krone“-Journalistin Conny Bischofberger, kürzlich mit ihm führte.

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