11.03.2020 06:00 |

Neuer Pop-Stern

Lou Asril: Österreichs internationale Trumpfkarte

Innerhalb nur eines Jahres hat sich der erst 20-jährige Lou Asril vom absoluten No Name zu einem der interessantesten Nachwuchskünstler des Landes entwickelt. Dieser Tage erscheint nicht nur seine Mini-LP „louasril“, er spielt auch einige Konzerte in Österreich. Wir haben uns mit dem talentierten R&B/Pop-Sänger über seinen Zugang zur Musik, sein Aufwachsen und die Dringlichkeit, Erlebtes in Metaphern zu verwerten, unterhalten.

Mit sanften R&B-Klängen tut man sich in Österreich prinzipiell etwas schwer. Beyoncé, Janelle Monae, Solange und wie sie alle heißen mögen, haben natürlich ihre Anhängerschaft, für das Livekonzerte buchen derartiger Großkaliber fühlt sich aber keiner zuständig. Dass es in den heimischen Charts neben Austropop-Weltschmerz, dickhosigen Asi-Rap und zur Schau gestellter Kunstbeflissenheit auch noch Platz für internationale Klangwelten gibt, dass wissen wir seit ziemlich genau einem Jahr. Im März 2019 veröffentlichte ein gewisser Lou Asril seine erste Single „Divine Goldmine“ und platzierte Österreich damit schlagartig auf der internationalen Landkarte. Naja, zumindest klanglich, denn der fein produzierte Song mäandert sanft zwischen R&B, Pop, Soul und einer kräftigen Portion künstlerischem Selbstbewusstsein. „Für mich geht es beim Songwriting weniger um Genres, sondern mehr um die Gefühle, die transportiert werden“, erzählt er der „Krone“ im Interview, „der Pop beinhaltet viele Emotionen, die mich berühren. Als ich 14 war, gab es das für mich im Pop-, Soul- und R&B-Bereich, jetzt höre ich mehr Hip-Hop, Techno und Elektronisches.“

Sanfte Zeitdokumente
Von Busta Rhymes, Missy Elliott und Lil‘ Kim zu seiner ganz eigenen Klanglandschaft, die in Form eines selbstbetitelten Mini-Albums (die Bezeichnung EP verachtet er mit Inbrunst) nun dieser Tage auf die breite Masse losgelassen wird. Sechs Songs mit unheimlich viel Wärme, Selbstreferenziellem und dichter Ästhetik. Metaphernreich verpackt der junge Niederösterreicher aus dem beschaulichen Seitenstetten persönliche Geschichten und Erlebnisse, ohne aber allzu viel von sich preiszugeben. „Die ältesten Songs sind jetzt etwa drei Jahre alt, meine allerersten habe ich ungefähr mit elf geschrieben“, erinnert er sich zurück, „natürlich sind Songs Zeitdokumente, aber auch wenn ich mich heute vielleicht anders fühle, weiß ich immer noch, wie es mir damals ging, als ich diesen oder jenen Song schrieb.“ Die alte These, dass man die besten Songs immer dann schreibt, wenn es einem gerade nicht perfekt geht, kann Asril im Großen und Ganzen so unterschreiben.

„Man kann es nicht pauschalieren, aber da ist auf jeden Fall was dran. Mein zweiter Song, ,Soothing Moving‘, entstand auf jeden Fall aus einer sehr melancholischen Stimmung. Auch wenn sich der Inhalt um eher positiv belegte Themen wie Motivation und Weitermachen dreht.“ Asril ist schüchtern und introvertiert, verpackt die persönlichen Inhalte daher lieber in seinen Liedern. Etwa im eingängigen „Friek“, wo er sich fragend dem Thema Sex stellte. „Der Song ist eine Art ,Fuck You‘. Ich war mir in vielen Bereichen unsicher. Ist es okay, dass ich harten Sex mag? Dass ich mit Männern schlafen darf? Natürlich ist das alles okay! Ich habe in diesem Song mich selbst und meine eigene Freiheit gefunden. Ich muss mich für niemanden verändern und habe darin sehr viel aufgegraben, was in mir schlummerte.“ „Safe And Complete“ kann dann wie eine Fortführung zu den Themen Freiheit und Selbstliebe gesehen werden. „Da die Songs mein Leben widerspiegeln, hängen sie auch ohne Konzept automatisch zusammen. All diese Lieder sind quasi meine Biografie und es fällt mir leichter darüber zu singen, als hier darüber zu sprechen.“

Liebe zur Musik
Asril kommt aus einer musikalischen Familie. Die Mutter ist klassische Sängerin, der Vater changiert zwischen Klassik und Volksmusik. Im Pop-Borg in Linz sammelte er erste Eindrücke und lernte essenzielle Dinge. „Etwa die Tatsache, dass es nicht nur Pop und Balladen gibt“, wie er lachend zurückdenkt. Das Borg gab ihm auch die nötige Freiheit, zu experimentieren und sich selbst zu finden. „Die Vorgaben im Songwriting waren nur auf die Sprache bezogen. Wir mussten Lieder in unserer Muttersprache verfassen und das war auch das einzige Mal, dass ich das so gemacht habe.“ Auf Englisch findet Asril den nötigen Schutz, um sich inhaltlich öffnen zu können. Als Asril den „Joe Zawinul Award“ gewinnt, gibt es als Preis mit einher ein zweiwöchiges Songwritingaufbauprogamm in Los Angeles. 2017 ist er dort und verliebt sich endgültig unsterblich in die Musik. „Ich habe viele Ratschläge von Tony Zawinul bekommen, habe in Hollywood am ,Musician’s Institute‘ studiert, nahm Gesangsstunden und habe mit Musikern wie Scott Bradlee’s Postmodern Jukebox gejammt. Die Szene ist dort unglaublich und hat mich nachhaltig geprägt.“

Einen Plan B hat der ambitionierte Vollblutmusiker nicht. „Mir war immer klar, dass ich einmal Musik machen werde, aber wenn die eigenen Eltern Musiker sind, ist die Toleranz dafür natürlich auch eine andere. Wären alle Fäden gerissen, wäre ich vielleicht Kindergärtner geworden, aber ich bin natürlich glücklich, dass nun alles so gelaufen ist.“ Das Fernziel Internationalität sieht er realistisch. Trotz der tollen Erfahrungen erwägt er derzeit keinen fixen Umzug nach Amerika. „Interessant wäre es, Ende dieses Jahres oder im nächsten nach Berlin zu ziehen. Woanders ist ja überall. Mit der Mini-LP habe ich jetzt ein Kapitel meiner Karriere abgeschlossen und möchte ein neues eröffnen.“ Was Asril vom Rest der florierenden heimischen Musikszene heraushebt - er klingt ganz und gar nicht nach Österreich. „Warum das so ist, weiß ich nicht, aber ich bin froh darüber. Ich arbeite gerne mit verschiedenen Leuten verschiedene Methoden heraus, weil mir die Abwechslung Spaß macht.“

Live-Konzerte
Live sieht man Lou Asril am 19. März im Grazer Orpheum und am 17. Mai in der Villa Gugging. Infos und Karten gibt es unter www.oeticket.com.

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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