25.02.2020 06:00 |

Vater klagt an

„Ex“ erschossen: Hätte man Tat verhindern können?

In der Oststeiermark herrscht Entsetzen nach dem Tod einer jungen Mutter. Während der Tatverdächtige eisern schweigt, erhebt die Familie des Mordopfers schwere Vorwürfe. Der Vater schildert die letzten verzweifelten Minuten seiner Tochter.

„Meine Tochter hat meinem Sohn eine Nachricht geschickt, dass sie um Hilfe bittet. Ihr Ex-Freund sei ins Haus eingebrochen“, schildert der Vater des Opfers, einer 34-jährigen Mutter aus dem kleinen Maierhofen bei Fürstenfeld, erschüttert. Als der Sohn kam, sei der mutmaßliche Täter in ein Zimmer gegangen, „wo er vermutlich die Waffe versteckt hatte - und ist damit herausgekommen! Er hat zuerst auf meinen Sohn geschossen, ihn aber verfehlt, die Kugel steckt jetzt im Herd. Und dann auf meine Tochter. Auch als sie schon auf dem Boden lag.“

Inzwischen sei, wie der Burgenländer aus den Schilderungen seiner Söhne weiß, auch der zweite Sohn eingetroffen, „er hat beide mit der Waffe in Schach gehalten, sie meiner Tochter nicht helfen lassen. Geschossen hat er nur deswegen nicht mehr, weil seine Pistole Ladehemmung hatte.“ Sonst hätte es vielleicht noch mehr Tote gegeben.

Für die Tochter kam jede Hilfe zu spät, die Notärzte konnten später nur noch ihren Tod feststellen.

„Wir alle mochten sie sehr“
Maierhofen, Schauplatz der grauenhaften Tat, ist seither im Schockzustand. Auch im nahen Fürstenfeld, wo die Mutter (34) ein Kosmetikinstitut betrieb und sehr bekannt war, ist man fassungslos. Den Abend zuvor hatte sie noch im Trendlokal „Beim Borckenstein“ verbracht. „Sie war oft bei uns, sehr geschätzt, wir alle mochten sie sehr und sind tief erschüttert“, so Chef Georg Borckenstein.

Tagesthema war das Drama überall - in einer Konditorei las Theresia Tuttner etwa die „Krone“. „Ich bin über diese Bluttat wirklich erschüttert“, so die Oststeirerin. „Man versteht einfach nicht, wie so etwas bei uns passieren kann. Hätte da niemand helfen können?“

Niemand hat geholfen
Diese Frage wirft auch der Vater des Opfers auf: „Meine Tochter hat sich so vor dem Mann gefürchtet, das hat sie mehrmals der Polizei gemeldet, auch um Personenschutz gebeten. Aber niemand hat geholfen!“ Dem widerspricht Polizeisprecher Markus Lamb „bei allem Verständnis für die Betroffenheit der Familie": „Soweit bisher bekannt, gab es keine Anzeige.“ Nichts Konkretes habe auf eine Gefährlichkeit hingewiesen. „Vielleicht hat sie der Familie mehr gesagt als uns.“

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Gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen ist Aufgabe des Gesetzgebers. Die Polizei kann nur im Bereich ihrer Möglichkeiten arbeiten. In diesem Fall ist keine Anzeige eingegangen, die auf eine Gefährlichkeit des Mannes schließen ließ.

Markus Lamb, Polizeisprecher

Verdächtiger Jurist schweigt
„Der Verdächtige ist nach wie vor in Polizeigewahrsam“, erklärt Christian Kroschl, Sprecher der Staatsanwaltschaft Graz, am Montag. „Und er soll erneut zum Tathergang befragt werden.“ Bisher schweigt der arbeitslose Jurist ja eisern. Er will sich gegenüber den Mordermittlern des Landeskriminalamtes nicht zu den Vorwürfen äußern.

Inzwischen hat die Anklage den Schusssachverständigen mit der genauen Rekonstruktion der Schussabgaben beauftragt, und die Leiche des jungen Mordopfers wird obduziert werden. Bekannt wurde auch, dass der Tatverdächtige seine Waffe, die er legal besessen haben soll, im Vorfeld als gestohlen gemeldet hatte. Vielleicht, damit die Behörde gegen ihn (wegen der Drohungen gegen seine „Ex") kein Waffenverbot aussprechen und ihm die Pistole wegnehmen kann.

Christa Blümel, Eva Stockner und Christian Schulter, Kronen Zeitung

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