21.02.2020 17:39 |

Neues Gutachten zeigt:

Plastik-Recycling aus Restmüll nicht EU-konform

Zur EU-Richtlinie zum Sammeln und Recyceln von Getränkeflaschen aus Kunststoff hat die Brüsseler Plattform für Kreislaufwirtschaft (reloop) ein Rechtsgutachten präsentiert. Hauptaussage: Eine Nachsortierung von Restmüll entspricht nicht der EU-Abfallrahmenrichtlinie. In Österreich fallen jährlich rund 1,6 Milliarden derartiger Einwegflaschen an. Plänen, dass man alternativ Plastikflaschen aus dem Restmüll aussortiert, damit die geplante Sammelquote erfüllt wird, werden mit dem reloop-Gutachten wohl eine klare Absage erteilt.

Bis 2029 müssen laut einer EU-Richtlinie mindestens 90 Prozent der in Österreich verkauften Kunststoff-Getränkeflaschen getrennt gesammelt und recycelt werden. Eine Studie, die im Vorjahr noch von Ex-Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) in Auftrag gegeben und Ende Jänner veröffentlicht wurde, spricht sich für die Einführung eines Pfandsystems auf Einwegflaschen aus. Dies sei die kostengünstigste Variante, nur so könne die Sammelquote erreicht werden und dem Littering (dem achtlosen Wegwerfen) effektiv entgegengewirkt werden, heißt es. 

Ministerium kündigte Runden Tisch an
Ende Jänner hat das Ministerium zudem einen Runden Tisch angekündigt, denn bis 2025 müssen zumindest 77 Prozent und bis 2029 dann 90 Prozent getrennt gesammelt und recycelt werden - aktuell beträgt die Sammelquote nur 70 Prozent. Die Wirtschaftskammer (WKÖ) sprach sich damals per Aussendung gegen ein Pfand auf Einweg-Getränkeflaschen aus Kunststoff aus, ein solches könnte „vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu einem besonderen Wettbewerbsnachteil für unser Land“ werden, fürchtete WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf (Bild oben).

Greenpeace: An Pfandsystem führt kein Weg vorbei
„Das Rechtsgutachten zeigt, dass Österreich an einem Pfandsystem nicht vorbei kommt. Die Forderung der Wirtschaft, Plastikflaschen aus dem Müll auszusortieren und so die vorgegebenen Sammelquoten zu erreichen, ist damit vom Tisch“, stellte Herwig Schuster, Konsumsprecher von Greenpeace in Österreich, am Freitag fest.

Das von reloop am Donnerstag in Brüssel präsentierte Rechtsgutachten zur „Implementierung des Artikel 9 der Single Use Plastics Directive (SUP)“ ist für den Geschäftsführer von der ÖPG Pfandsystemgesellschaft mbH (ÖPG), Christian Abl, ein Grund zur Freude: „Das ist besonders in Österreich ein wichtiger Meilenstein“, zeigte er sich am Freitag höchst erfreut. Die ÖPG wurde erst im Jänner 2020 mit dem Ziel gegründet, um laut eigener Angaben „internationale Erfahrungen in die Diskussion um die Gestaltung, die Umsetzung und den Betrieb eines zukünftigen österreichischen Pfandsystems einfließen zu lassen“.

Global 2000 sieht „einen eindeutigen Auftrag“
Lena Steger, Nachhaltigkeits- und Ressourcen-Expertin bei Global 2000, sieht in der Einweg-Plastik-Richtlinie der EU „einen eindeutigen Auftrag“, die Auswirkungen von Einweg-Plastik auf die Umwelt deutlich zu reduzieren und umweltschonende Mehrwegsysteme zu fördern: „Die Richtlinie zielt darauf ab, Gebrauchsgewohnheiten zu ändern - ein Pfandsystem für Einweg-Getränkeverpackungen ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“

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