12.02.2020 13:26 |

Keine Lockerung

Nach Wirbel: Papst Franziskus hält an Zölibat fest

Groß war zuletzt die Aufregung rund um das umstrittene Thema Zölibat. Krempelt Papst Franziskus die katholische Kirche um, wie es zuletzt von manchen erhofft, von anderen befürchtet wurde? Eindeutig nein. Ein am Mittwoch im Vatikan veröffentlichtes Schreiben des Papstes enthält keine Lockerung in Sachen Priesterzölibat. Es wird, wie aus dem Abschlussdokument der Amazonas-Synode mit dem Titel „Querida Amazonia“ ("Geliebtes Amazonien") herauszulesen ist, unter Franziskus „keine schwarz-weiß Entscheidungen“ zum Zölibat geben, wie Kardinal Christoph Schönborn in einer ersten Reaktion betonte. Die Türe habe der Papst aber „offensichtlich nicht geschlossen“, so Schönborn.

Die Spekulationen über eine möglicherweise geplante Lockerung der im Kern zwar auf die frühe Kirche zurückgehende, jedoch erst seit dem 11. Jahrhundert allgemein verbindliche Ehelosigkeit für Geistliche waren im Jänner durch die Vorabveröffentlichung eines vom konservativen Kardinal Robert Sarah herausgegebenen umstrittenen Buches angeheizt worden, als dessen Mitautor zunächst auch der frühere Papst Benedikt XVI. angegeben worden war.

Die Autoren des Buches warnten Franziskus vor einer Aufweichung des Zölibats. Kurz nach der Vorabveröffentlichung distanzierte sich Benedikt jedoch von einer Mitautorenschaft. Er habe lediglich einen Beitrag für den Band verfasst. Für einen Paukenschlag sorgte dann die Beurlaubung des Präfekten des Päpstlichen Hauses, Erzbischof Georg Gänswein, durch Franziskus. Insider sahen in der Maßnahme eine „Strafversetzung“ Gänsweins wegen zu konservativer Ansichten, auch zum Zölibat.

Bisherige Regelungen bleiben bestehen
Wie geht es weiter mit dem Zölibat, also der Pflicht zur Ehelosigkeit für katholische Priester? Zunächst bleiben die bisherigen Regelungen bestehen: In der römisch-katholischen Kirche des westlichen Ritus können nur unverheiratete Männer zu Priestern geweiht werden, in den katholischen Ostkirchen auch verheiratete. Auch können anglikanische und evangelische verheiratete Geistliche, die konvertieren, katholische Priester werden.

Für die römische Kirche hält der Papst die Diskussion offen, aber gegen den Priestermangel in entlegenen Gebieten empfiehlt er erst einmal andere Maßnahmen, konkret will Franziskus die Präsenz von Laien-Gemeindeleitern fördern. Auch wenn die Öffentlichkeit stark darauf schaut, spielte das Thema Zölibat auf der Synode selbst wie im aktuellen Papstschreiben nur eine Nebenrolle.

Schönborn: „Keine schwarz-weiß Entscheidungen“
„Im Blick auf mögliche Ausweitungen der Ausnahmeregelungen zum Zölibat hat die Amazonien-Synode eine Tür geöffnet, der Papst hat sie offensichtlich nicht wieder geschlossen“, betonte Kardinal Christoph Schönborn in einer ersten Reaktion. Franziskus biete jedenfalls in seinem Schreiben keine simplen Lösungen an, so der Kardinal. Die Erfahrung der Synode hat freilich auch ihm - Schönborn - gezeigt, „wie richtig es ist, wenn der Papst nicht Schwarz-Weiß-Entscheidungen trifft“. Darüber würden manche wohl enttäuscht sein, die sich klares Ja oder Nein zu Ausnahmeregelungen erwartet hätten, räumte der Kardinal ein.

Der Papst spreche nicht ausdrücklich über Ausnahmen vom Zölibat, sondern er hebe die Frage auf eine höhere Ebene und erinnere an einige Eckpunkte, die bisher zu wenig im Blick waren: Erstens die scheinbar fehlende lateinamerikanische Solidarität mit den Bedürfnissen Amazoniens bei der Entsendung von Priestern, zweitens die nicht vorhandenen Ständigen Diakone und drittens den fehlenden indigenen Klerus in Amazonien.

Keine päpstliche Empfehlung für weibliches Diakonat
Franziskus nahm im postsynodalen Schreiben auch zur umstrittenen Frauenfrage Stellung. Ein Weiheamt für Frauen, etwa ein weibliches Diakonat, empfiehlt der Papst darin nicht. Er will aber, dass die Kirche vor Ort spezifisch weibliche, institutionalisierte und öffentlich anerkannte Dienste und Aufgaben entwickelt, zu denen Frauen eigens beauftragt werden. Damit sollen sie auch Leitungsverantwortung erhalten und mitentscheiden.

Was bedeutet das Schreiben also letztlich für aktuelle kirchliche Reformprozesse? Das Priesteramt bleibt unersetzlich, soll aber auf seinen rein religiösen Wesenskern konzentriert werden. Für mehr Mitverantwortung von Frauen und anderen Nichtklerikern in Diözesen und Gemeinden sollten neue Formen gesucht werden. Die Kultur und Lebenswelt der Menschen soll überzeugend mit der christlichen Botschaft in Verbindung gebracht werden.

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