09.02.2020 12:30 |

Interview

Der Traum vom Baum als Klimaretter Nummer 1

Felix Finkbeiner hat mit neun Jahren seinen ersten Baum gepflanzt. Mittlerweile ist seine Organisation „Plant for the Planet“ für zig Millionen neue Bäume auf dem Globus verantwortlich. Und es sollen mehr werden.

Bei der Zukunftskonferenz „My Future - Who cares?“ im Vorarlberger Landestheater war der Deutsche Finkbeiner (22) einer der Keynote-Speaker. Bereits im Kindesalter war er ein Medienstar. Als Erwachsener dreht sich bei ihm immer noch alles um Bäume.

Du hast bei der Zukunftskonferenz in Bregenz vor hunderten Jugendlichen gesprochen. Wie war das Echo?

Super. Ich habe mit einem neuen, zwölfjährigen Plant-for-the-Planet-Botschafter, der ein beeindruckender Redner ist, zusammen einen Vortrag gehalten.

Was war Eure Botschaft?

Bei Plant for the Planet geht es nicht nur um Klimaschutz, sondern auch darum, Kindern und Jugendlichen zu zeigen, dass sie sich einmischen können. Auch ein Neunjähriger kann etwas erreichen. Deswegen organisieren wir unsere Akademien, das sind Ein-Tages-Workshops, bei denen Kinder von Kindern ausgebildet werden. Dort wird vermittelt, wie man Bäume pflanzen und fesselnde Vorträge halten kann. Die Botschaft lautet also: „Ich kann jetzt schon etwas tun, nicht erst, wenn ich groß bin“. Ich werde mittlerweile fast schon zu alt, um diese Botschaft rüberzubringen.

Apropos Alter: Muss wirklich die Jugend das Klima retten?

Nein, sie kann es auch nicht retten. Ich glaube, jedem bei Fridays for Future und bei Plant for the Planet ist klar, dass die Klimakrise ein zu großes Thema ist, um es alleine zu lösen. Deswegen appellieren wir auch an Unternehmen und Regierungen, ihre Verantwortung ernst zu nehmen. Es sollte die Jugend nicht brauchen, unsere demokratischen Prozesse sollten das Problem eigentlich von alleine lösen.

In den vergangenen Jahrzehnten war der Klimaschutz kaum Thema. Jetzt hat die Sache neuen Schwung bekommen. Aus welcher Ecke wird der nächste Schub kommen? Aus der Politik oder aus der Wirtschaft?

Aus beiden Bereichen hoffentlich. Wir versuchen, Druck sowohl auf die Wirtschaft als auch auf die Politik auszuüben. Mit dem Pariser Klimaabkommen haben die Regierungen ja schon klare Klimaziele verabschiedet. Wir fordern die Politik auf, diese Versprechen auch umzusetzen. Auf Unternehmer alleine kann man sicher nicht setzen.

Als Du neun Jahre alt warst, ist etwas passiert. Was?

Ich sollte eigentlich nur ein Referat in der Klasse halten. In der Vorbereitung darauf habe ich von einer fantastischen Frau erfahren, Wangari Maathai, die mit anderen Frauen zusammen 30 Millionen Bäume gepflanzt hat. Ich habe damals verstanden, dass Bäume dem Klima guttun und hatte dann die unvernünftige Idee, in jedem Land der Welt eine Millionen Bäume pflanzen zu wollen. Als erster Schritt wurde ein Baum im Schulhof gepflanzt. Weil zwei Lokaljournalisten darüber berichtet haben, haben auch andere Schulen davon erfahren und ebenfalls Bäume eingesetzt- bald wollte dann die eine die andere Schule übertrumpfen. Anfang 2008 konnten wir verkünden, dass wir die ersten 50.000 Bäume gepflanzt hatten - auf einer Pressekonferenz. Plötzlich hatten wir 500 Medienergebnisse und waren von einen auf den anderen Tag in ganz Deutschland bekannt.

Mittlerweile agiert Plant for the Planet aber bereits weltweit...

Das Wichtigste waren die Akademien. So konnten wir auf der ganzen Welt Kinder zu unseren Botschaftern machen, die Bäume pflanzen und Vorträge halten.

Wie viele Botschafter gibt es?

88.000 Botschafter in 74 Ländern. Wir haben uns aber auch in unserer Baumpflanz-Aktivität weiterentwickelt. Anfangs waren es nur Kinder und Jugendliche, die lokal Bäume gepflanzt haben. Dann wurde das professionalisiert, hauptsächlich auf der Yukatan-Halbinsel in Mexiko. Dort haben wir hundert Mitarbeiter, die im Schnitt alle 15 Sekunden einen Baum pflanzen.

Was ist das aktuelle Ziel Deiner Organisation?

Wir versuchen, die Welt zu überzeugen, 1000 Milliarden Bäume zu pflanzen. Zwei große Fragen gab es da zu beantworten. Wie viele Bäume gibt es auf der Welt und wie viele kann man noch pflanzen? Ein tolles Forscherteam in Yale und an der ETH Zürich hat dazu Studien verfasst: Weltweit gibt es 3000 Milliarden Bäume. Und Platz gibt es noch für 1000 Milliarden zusätzlicher Bäume. Zu beachten gilt, dass es auch Flächen für Siedlungsbau und Landwirtschaft braucht. So viele Bäume wären ein unheimlich großer CO2-Speicher. Und Ökosysteme und Artenschutz lassen sich damit auch stärken. Selbst ohne Klimakrise müsste man diese Bäume pflanzen.

Wie viele Bäume wurden denn nun tatsächlich von Plant for the Planet gepflanzt? Es gab da ja ein paar unglückliche Zahlendarstellungen in der Vergangenheit.

Mit Spendengeldern hat unsere Organisation etwa acht Millionen Bäume gepflanzt. Wir haben aber auch einen Weltbaumzähler erstellt, bei dem jede Regierung oder Organisation neu gepflanzte Bäume einträgt. Wir wurden dafür kritisiert, weil wir drei Falscheinträge eingegeben hatten, was uns riesig peinlich war. Einer davon war ein Testeintrag unseres IT-Experten - das hat zu Verfälschungen geführt. Die Kritik an uns war etwas unfair, aber ja, die Falscheinträge waren natürlich doof.

Wie groß ist das Engagement in Österreich?

In Österreich haben wir zwar viele tolle Jugendliche, die sich engagieren, aber wir pflanzen hier nicht im großen Stil, weil Österreich sowieso eines der besten Forstsysteme der Welt hat. Die Notwendigkeit im globalen Süden ist eine größere.

Auch Donald Trump hat nun über das Trillion Tree Concept gesprochen...

Ja, bei seiner „State of the Union“-Rede. Das ist spannend, obwohl wir nicht sicher sind, was das wirklich bedeutet. Wir wissen: Bäume pflanzen alleine löst die Klimakrise nicht, es braucht auch eine deutliche Emissionenreduktion. Trump spricht über das Trillion Trees Concept und steigt gleichzeitig aus dem Pariser Abkommen aus. Vielleicht ist das Konzept aber eine Chance für die republikanische Partei, aus ihrem Klimaleugnen rauszukommen - nach 20 Jahren.

Angelika Drnek
Angelika Drnek
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