22.01.2020 18:59 |

VdB in Jerusalem

Auschwitz-Befreiung: „Österreicher Opfer & Täter“

Österreichs Teilnahme am internationalen Holocaust-Gedenken in Israel ist nach Auffassung von Bundespräsident Alexander Van der Bellen wegen dessen „ambivalenten Geschichtsverhältnis“ wichtig. Österreicher gehörten „zu den Opfern der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie“, aber „Österreicher gehörten auch zu den Tätern“, so Van der Bellen am Mittwoch nach seiner Ankunft in Jerusalem.

Der Bundespräsident traf am Nachmittag in Israel ein, wo er am Donnerstag zusammen mit rund 50 weiteren Staatsgästen aus aller Welt an einer internationalen Gedenkveranstaltung zur Befreiung des nationalsozialistischen Vernichtungslager Auschwitz vor 75 Jahren in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem teilnehmen wird.

„Natürlich ging das Ganze von Hitler-Deutschland aus“
Dafür, dass der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Donnerstag in Yad Vashem neben Israels Präsident und der Vertretern der vier Alliierten des Zweiten Weltkriegs eine Rede halten wird, aber Österreich nicht, hat Van der Bellen Verständnis. „Ich denke, die Entscheidung des World Holocaust Forum ist richtig, denn natürlich ging das Ganze von Hitler-Deutschland aus, wir gehörte auch zu den Tätern, aber ebenso auch Franzosen, Italiener oder auch etwa Litauer, es war fast in jeder Region jemand, der kollaboriert mit den Nazis kollaboriert hat.“ Daher sei es schwierig, eine Grenze zu ziehen, so der Bundespräsident, denn die Redezeit sei schließlich begrenzt.

Höchste Sicherheitsvorkehrungen
Am Mittwochabend nahm Van der Bellen bereits an einem Abendessen für die Dutzenden angereisten Staatsüberhäupter auf Einladung des israelischen Präsidenten Reuven Rivlin teil. Angesichts der zahlreichen hochrangigen Staatsgäste, die am Mittwoch der Reihe nach am Flughafen in Tel Aviv eintrafen, gelten höchste Sicherheitsvorkehrungen in Israel. Tausende Sicherheitskräfte sind rund um das beispiellose Großereignis im Einsatz. Ganze Straßenzüge waren abgesperrt, immer wieder waren Sirenen zu hören oder Hubschrauber kreisten über der Stadt.

Laut Medienberichten handelt es sich um die größte internationale Zusammenkunft in der Geschichte Israels. Unter anderem Russlands Präsident Wladimir Putin, US-Vizepräsident Mike Pence, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sowie der britische Thronfolger Prinz Charles kommen zu der Gedenkveranstaltung.

Soldaten der Roten Armee befreiten das Lager am 27. Jänner 1945 und fanden dort unter den Häftlingen noch etwa 7000 Überlebende. Die Nazis und ihre Helfershelfer ermordeten während des Holocaust insgesamt rund sechs Millionen Juden - darunter mehr als 65.000 Juden aus Österreich.

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