10.01.2020 13:18 |

Absturz mit 176 Toten

Iran: Bringen Blackboxen die Wahrheit ans Licht?

Auch wenn die Beweislage erdrückend zu sein scheint, beharrt die iranische Regierung darauf, dass der Absturz eines ukrainischen Passagierflugzeugs nahe Teheran mit 176 Toten von einem technischen Defekt verursacht wurde. Dass die Maschine von einer iranischen Abwehrrakete abgeschossen worden sei, wird von den iranischen Ermittlern als „technisch und wissenschaftlich absurd“ bezeichnet. Mittlerweile wurden die geborgenen Blackboxen der Boeing 737-800 geöffnet (siehe Video oben). Mit ihrer Hilfe sollen die entscheidenden Minuten vor dem Absturz rekonstruiert werden. Dies könnte sich allerdings schwieriger gestalten als erwartet.

Die beiden Flugschreiber sind nämlich laut Auskunft der iranischen Luftfahrtbehörde schwer beschädigt. Wohl auch aus diesem Grund dämpft Behördenchef Ali Abedsadeh die Hoffnungen auf eine rasche Klärung. Die Ermittlungen könnten ein bis zwei Jahre dauern, sagte er. Im Internet kursierende Videos, die zeigen sollen, dass das Flugzeug von einer Rakete getroffen worden sei, bezeichnete der iranische Vize-Verkehrsminister als nicht verifizierbar.

Iran: „Bei Bedarf Software und Geräte aus dem Ausland besorgen“
Laut Abedsadeh hat der Iran die technischen Möglichkeiten, die Informationen aus den Flugschreibern auszuwerten. Doch sei mit der ukrainischen Seite vereinbart worden, bei Bedarf weitere Software und Geräte aus dem Ausland zu besorgen. Auch sollte die Option nicht ausgeschlossen werden, die Flugschreiber im Ausland auszuwerten. US-Präsident Donald Trump hatte die Erwartung geäußert, dass die Flugschreiber früher oder später entweder an den Hersteller Boeing oder an „Frankreich oder ein anderes Land“ übergeben werden. Am Donnerstag waren 50 ukrainische Experten in Teheran eingetroffen.

Bei dem Absturz Mittwochfrüh waren alle Insassen der Boeing 737 ums Leben gekommen. An Bord waren unter anderem 63 Kanadier und elf Ukrainer sowie auch Afghanen, Briten und Schweden. Vier der toten Passagiere sollen in Deutschland gelebt haben. Neben Experten des US-Flugzeugherstellers Boeing werden sich auch Experten aus Frankreich und Kanada an den Ermittlungen beteiligen. In Frankreich befindet sich der Sitz des Unternehmens, das die Triebwerke der Boeing 737-800 von Ukrainian International Airlines hergestellt hat.

Die Ukraine hat nach eigenen Angaben von den USA wichtige Daten zum Absturz erhalten. Außenminister Wadym Prystaiko schrieb auf Twitter, er selbst und Präsident Wolodymyr Selenskyj hätten die Informationen von US-Vertretern bekommen. Die Daten würden nun von Experten ausgewertet. Details nannte Prystaiko nicht. Im Laufe des Tages wolle Selenskyj mit US-Außenminister Mike Pompeo telefonieren, hieß es weiter. Die Ukraine hat sich bisher nicht der Einschätzung westlicher Staaten angeschlossen, wonach es Hinweise auf einen versehentlichen Abschuss des Jets durch eine Rakete gebe.

Augenzeugen: Trümmerteile werden bereits weggeräumt
Unterdessen mehren sich Meldungen von Augenzeugen, die ein großes Aufräumkommando der iranischen Behörden am Absturzort gesichtet haben wollen. So sollen Trümmerteile mithilfe von Baggern „zusammengekehrt“ worden sein. Das ist zu einem derart frühen Zeitpunkt der Ermittlungen eher unüblich.

 krone.at
krone.at
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).