17.12.2019 19:54 |

Nach Armenier-Votum

Erdogan wirft USA Völkermord an Ureinwohnern vor

Jede Anerkennung des Massakers an den Hunderttausenden Armeniern während des Ersten Weltkrieges im Osmanischen Reich als Völkermord ruft Entrüstung und scharfe Kritik in der Türkei hervor. So geschehen auch im Fall der USA, wo vor wenigen Tagen nach dem Repräsentantenhaus nun auch der Senat eine entsprechende Resolution verabschiedet hatte. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach von einer politischen Entscheidung und drohte mit der Schließung der US-Luftwaffenbasis Incirlik. Nun hat Erdogan in einem TV-Interview nachgelegt und den USA Völkermord an den indianischen Ureinwohnern vorgeworfen.

„Unser Parlament kann auch den Genozid an den US-Ureinwohnern anerkennen. Können wir über die USA ohne die indigenen Völker sprechen? Das ist die beschämende Geschichte Amerikas“, erklärte Erdogan gegenüber dem Fernsehsender A Haber.

Ankara bedauert Massaker, weist Völkermord aber strikt zurück
Während des Ersten Weltkriegs waren Armenier systematisch verfolgt und unter anderem auf Todesmärsche in die syrische Wüste geschickt worden. Historiker sprechen von Hunderttausenden bis zu 1,5 Millionen Opfern. Die Türkei als Nachfolgerin des Osmanischen Reiches gesteht den Tod von 300.000 bis 500.000 Armeniern während des Ersten Weltkrieges ein und bedauert die Massaker - eine Einstufung als Völkermord weist sie jedoch strikt zurück.

Weißes Haus widerspricht Kongress
Im Gegensatz zum Kongress ist das Weiße Haus in der Causa etwas vorsichtiger. Denn die Regierung von Präsident Donald Trump hält weiterhin an der Auffassung fest, dass es sich bei den Massakern an den Armeniern nicht um Völkermord handelt. „Die Position der Regierung hat sich nicht geändert“, erklärte Außenamtssprecherin Morgan Ortagus am Dienstag und verwies auf eine Erklärung Trumps vom April zum Jahrestag der Massaker, in der er nicht von Völkermord gesprochen hatte.

Trump ist offenbar bemüht, die Beziehungen zu Erdogan zu verbessern. Erdogan hatte den Beschluss des Repräsentantenhauses als „wertlos“ und den Vorwurf des Völkermords als „die größte Beleidigung unseres Volkes“ bezeichnet.

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