06.12.2019 08:06 |

Pfusch in Prager Hotel

Von Poolpumpe angesaugt: Mädchen (12) tot

Ein Kind ertrinkt im Schwimmbad: Es ist der Albtraum vieler Eltern, für eine Familie aus Deutschland wurde er schreckliche Realität. Die zwölfjährige Ana war vor zwei Jahren beim Schwimmen in einem Pool eines Prager Hotels von einem Absaugrohr unter Wasser gehalten worden. Acht Männer versuchten 20 Minuten lang, das Mädchen vor den Augen ihrer fassungslosen Mutter und der Zwillingsschwester zu befreien - vergeblich. Das Mädchen starb sechs Tage später im Krankenhaus. Jetzt ist der Bauleiter der Anlage wegen fahrlässiger Tötung zu drei Jahren unbedingter Haft verurteilt worden.

Bei der Installation der Pumpe im Schwimmbad des Prager Kurhotels war gepfuscht worden, berichtete der MDR von dem tragischen Fall. EU-Richtlinien seien nicht eingehalten worden, vor den Ansaugrohren gab es kein Gitter, ein Vakuumbrecher, der zu starken Unterdruck verhindert, war nicht montiert. Damit noch nicht schlimm genug, hatte die Anlage keinen Notaus-Knopf - und die Hotelangestellten hatten keinen blassen Schimmer, wie sie die Pumpe abstellen sollten - die noch dazu viel zu stark eingestellt war, wie die Ermittlungen nach Anas tragischem Tod ergeben sollten.

All diese aufgedeckten Pfuschereien machen deutlich: Die Zwölfjährige hatte im Sommer 2017 keine Chance. Sie war mit ihrer Mutter in einem Prager Kurhotel auf Urlaub. Kurz vor der Abreise wollte das Mädchen noch einmal mit seiner Zwillingsschwester Mimi baden gehen. Beide Mädchen seien gute Schwimmerinnen gewesen, wie die Mutter später betonte.

„Ich dachte, zu dritt schaffen sie das“
Doch beim Schwimmen tauchte Ana und kam nicht mehr hoch. Ihre Zwillingsschwester bemerkte zwar, dass Ana unter Wasser gefangen - sie war mit dem Po an einem Rohr angesaugt - war, doch es gelang Mimi nicht, Ana alleine zu befreien. Das Mädchen alarmierte umgehend die Mitarbeiter des Hotels, drei Angestellte kamen sofort angelaufen. „Ich dachte, zu dritt schaffen sie das“, erinnert sich Anas Mutter Andrea Dahl Villegas gegenüber dem MDR an jenen Tag in dem Prager Hotel. „Dann kamen Feuerwehrmänner, fünf Männer. Alle gehen in den Pool - und sagen: ,Es geht nicht. Wir können sie nicht freibekommen.‘“

Erst als nach 20 Minuten endlich der Strom abschaltet wurde, konnte Ana aus dem Wasser geholt werden. Das Mädchen wurde am Beckenrand wiederbelebt, doch da waren die Schäden an seinem Gehirn nach der langen Zeit ohne Sauerstoff schon zu groß, die Zwölfjährige fiel ins Koma. Sechs Tage später wurden in der Klinik die lebenserhaltenden Maßnahmen abgestellt.

Zwei Jahre nach dem furchtbaren Tod des Kindes stand jetzt der 46 Jahre alte Bauleiter der Anlage vor Gericht, wo er wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen wurde. Urteil: drei Jahre unbedingte Haft, das Urteil ist nicht rechtskräftig. Außerdem sprach das Gericht in Prag ein fünfjähriges Berufsverbot gegen den Mann aus.

„Ich möchte, dass kein Kind mehr so stirbt“
Für die Eltern war das Urteil eine Herzensangelegenheit. Seit dem Tod ihrer Tochter engagieren sie sich im Verein „Sicherheit in Hotelpools“, der über versteckte Gefahren in Schwimmbädern aufklären will. „Ich möchte, dass kein Kind mehr so stirbt“, so Andrea Dahl Villegas. „Man kann solche Fälle verhindern. Und ich möchte, dass keine Mama, kein Papa, keine Schwester und kein Bruder so etwas erleben muss.“

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