Wasserrohrbruch

Grauguss wieder als Schuldiger an Chaos in Wien ausgemacht

Wien
14.06.2010 11:09
Der Bruch eines Versorgungsrohres am Alsergrund, der am Sonntag Teile des Bezirks für einige Stunden in ein stehendes Gewässer verwandelte, ist nur eines von vielen spektakulären Rohrgebrechen der jüngsten Zeit in der Bundeshauptstadt gewesen. Als Übeltäter identifiziert: der Grauguss. Diese Eisenlegierung wird heute zwar nicht mehr verwendet, jedoch bestehen noch zahlreiche ältere Rohre aus dem Material, das bei Belastung leichter bricht als moderne Nachfolger.

So war auch der Zwischenfall am Alsergrund, bei dem ab 14 Uhr rund 5.000 Kubikmeter Wasser die Kolingasse zum See machten, auf ein gebrochenes Graugusselement zurückzuführen. Mehrere Straßen im Umkreis wurden gesperrt, die Straßenbahnlinie D stundenlang kurzgeführt - 30 Häuser mussten für knapp 45 Minuten ohne Wasser auskommen. Derzeit erfolgt bereits die Straßeninstandsetzung, die bis Montagnacht abgeschlossen sein soll.

Rohrnetz besteht noch zu 19 Prozent aus Grauguss
Auch das Rohrgebrechen vom vergangenen Herbst, bei dem die Westeinfahrt lahmgelegt worden war und ein weiteres in der Porzellangasse vom Jänner waren auf kaputte Graugusselemente zurückzuführen. Rund 30 Kilometer der alten Rohre werden jährlich sukzessive erneuert, weit über 300 Kilometer dieser bis zur Mitte der 1960er-Jahre verlegten Leitungen sind so bereits ersetzt worden. Das Wiener Rohrnetz besteht zu 19 Prozent aus Grauguss, dem vor allem starke Verkehrsbelastungen auf darüberliegenden Straßen zu schaffen machen.

Jüngeren Datums sind Leitungen aus Sphäroguss, die fast 60 Prozent des Netzes ausmachen und über bessere Zugfestigkeit verfügen. Allerdings nagt auch an diesen der Zahn der Zeit, was das Kontrollamt im März zu der düsteren Prognose veranlasste, dass eine schnell steigende Zahl an Rohrgebrechen nicht auszuschließen sei. Die Wasserwerke hätten zwar bereits in der Vergangenheit notwendige Schritte gesetzt, "sie waren aber mit Blick in die Zukunft nicht hinreichend, und es zeichnet sich ab, dass der Erneuerung des städtischen Wasserleitungsnetzes eine noch höhere Priorität einzuräumen sein wird.

Wasserwerke: Liegen im internationalen Vergleich gut
Das Durchschnittsalter des 3.281 Kilometer langen Wiener Rohrnetzes beträgt jedenfalls rund 45 Jahre. Durch die intensive Erneuerung ist es laut Rathausangaben dennoch gelungen, die Verluste im Rohrnetz von rund 24 Prozent in den 1970er-Jahren auf unter zehn Prozent echte Verluste zu senken. Mit einer Schadensrate von elf Gebrechen pro 100 Kilometer und Jahr liege man im internationalen Vergleich jetzt bereits gut. Man verstärke aber die Bemühungen um eine Sanierung.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Wien
14.06.2010 11:09
Loading

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt