Verfahren eingestellt

Migräne-Todesdrama nach vier Gutachten ohne Folgen

Für den trauernden Witwer ist es wie ein Schlag ins Gesicht. Drei Jahre nach dem Tod einer 36-jährigen zweifachen Mutter aus Bad Zell und nach insgesamt vier Gutachten hat die Linzer Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen eine Spitalsärztin, die statt einer Gehirnblutung eine Migräne diagnostiziert hatte, eingestellt.

Rückblende zum 18. November 2016: Sabine W. (36) aus Bad Zell wurde mit starken Kopfschmerzen von der Rettung in die Notfallambulanz der Barmherzigen Brüder in Linz gebracht, dort von einer Ärztin in Ausbildung untersucht und mit der Falschdiagnose Migräne heimgeschickt. Zwei Tage später war die zweifache Mutter tot - gestorben an den Folgen eines Aneurysma-Risses, also einer Gehirnblutung.

Vernichtendes Urteil
Am 29. November 2016 kam es zur Anzeige, am 29. Mai 2017 langte das erste Gutachten ein, in dem der Experte ein vernichtendes Urteil abgab.

Staatsanwaltschaft zog Anklage zurück
Am 18. Jänner 2018 wurde ein zweiter Gutachter bestellt, am 11. Mai 2018 erhob die Linzer Staatsanwaltschaft nach einem Ergänzungsgutachten schlussendlich Anklage gegen die Assistenzärztin wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Weil sich die Expertisen teilweise widersprachen, bestellte das Gericht einen Obergutachter, der nun die beschuldigte Medizinerin quasi freisprach: Sie habe nach den Regeln der ärztlichen Kunst gearbeitet, ihr könne kein Fehlverhalten unterstellt werden.

Selbst wenn Sabine W. stationär aufgenommen worden wäre, hätte die Behandlung bei einer derart massiven Gehirnblutung auch nicht mehr geholfen. Am 8. November zog die Staatsanwaltschaft deshalb die Anklage zurück.

Christoph Gantner, Kronen Zeitung

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