19.11.2019 06:00 |

Wetterchaos im Land

Adria-Stürme: „Klimawandel spielt größere Rolle“

Eine ungewöhnliche Zyklonen-Serie sorgt in Österreich für einen Ausnahmezustand (siehe Video oben). Die tagelangen Regen- und Schneefälle forderten am Montag ihr erstes Todesopfer. Was sind die weitere Folgen? Laut Ubimet-Experte Nikolas Zimmermann wirken sich die Wetterextreme immer massiver aus, der Klimawandel sei immer heftiger zu spüren.

„Krone“: Herr Zimmermann, Tiefs in Serie. Hat es so etwas schon einmal gegeben?
Nikolas Zimmermann: Was uns jetzt mit sechs Italien-Tiefs voll getroffen hat, ist ziemlich einzigartig. Die Tiefs heißen übrigens Arne, Carletto, Detlef, Heiner, Günther und Ingmar.

Von den Namen her klingt das ja harmlos …
Ist es ganz sicher nicht!

Stecken wir mit diesen festgefahrenen Wetterlagen jetzt also schon im ganz großen Klimawandel?
Von Einzelereignissen lässt sich nicht auf das Gesamte schließen. Aber der Klimawandel spielt definitiv eine immer größere Rolle.

Die lokale Erderwärmung ist also im vollen Gange?
In diesem Fall die Wassererwärmung. Denn das Mittelmeer wird immer weniger kühl. Daher nimmt die Luft immer mehr Feuchtigkeit auf, und die fällt dann bei uns als Flut oder eben dramatischer Schneefall.

Hört das denn jemals auf?
Wir werden uns an Wetterextreme gewöhnen müssen. Heuer steht uns ein sehr feuchter Winter ins Haus.

Die unmittelbare Prognose schaut aber auch nicht viel besser aus?
Heute greift ein weiteres Italien-Tief namens Keke mit Schnee auf den Süden über.

Überhaupt keine Hoffnung auf Besserung in Sicht?
Mitte der Woche können wir vorerst aufatmen.

Erstes Todesopfer zu beklagen
Teile des Landes versinken im Schnee, Flüsse treten über die Ufer, ganze Landstriche sind verwüstet. In Kärnten forderte die ungezähmte Naturgewalt am Montag sogar ein Todesopfer, nachdem eine Mure auf ein Haus gedonnert war: Pensionist Heinz B. (80) wurde unter den Erdmassen begraben.

„Serie an Mittelmeertiefs“
Grund für das Wetterchaos ist „eine Serie an Mittelmeertiefs, die feuchte und milde Luft an die Alpen bringt“, erklärt Klimaforscher und Sturmjäger Georg Pistotnik. Und die „Fünf-b-Zyklone“ sorgen für immer extremere Starkregenereignisse, wie Forscher des Wegener Centers für Klima und Globalen Wandel der Uni Graz bei einer Studie herausgefunden haben. Als Folge der Klimaerwärmung nimmt zwar die Zahl der Stürme nicht zu, „die Intensität der Regenfälle steigt aber“, weiß Studienautor Douglas Maraun.

In unserer Wetterküche brodelt es gewaltig: Weil die Temperatur des Mittelmeeres steigt (plus 1,5 Grad seit 1990), verdunstet mehr Wasser - eine gewaltige Energiequelle für Tiefdruckgebiete, die uns enorme Regenmengen und damit Fluten, Muren und Co. beschert. Das ist der Fluch jahrzehntelanger Umweltsünden (Klimagase) und Vorgeschmack auf das, was uns noch erwartet.

Klimaforscher warnen
Bekommen wir den Temperaturanstieg nicht endlich in den Griff, steigt die Regen-Intensität der Adria-Stürme noch einmal um bis zu 56 Prozent (bis Ende des Jahrhunderts bei einem Temperaturplus von vier Grad), warnen die rot-weiß-roten Klimaforscher. Folgen für Leib, Leben und Volkswirtschaft sind nicht auszudenken. Vorsichtige Prognosen sprechen von Schäden in Österreich in einer Höhe von vier bis 8,8 Milliarden Euro (im Jahr 2050), sollten wir nicht gegensteuern.

Thomas Leitner und Mark Perry, Kronen Zeitung

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