20.11.2019 07:00 |

Live in der Simm City

Zwei Sepultura-Legenden auf dem Weg zurück

Mit den beiden Alben „Beneath The Remains“ und „Arise“ schrieben die Brasilianer Sepultura vor rund 30 Jahren Metalgeschichte. Die beiden einstigen Bandleader, Max und Iggor Cavalera, sind zwar schon lange von ihrer Ursprungsband emanzipiert, tragen das Vermächtnis dieser aber immer wieder gerne in die Gegenwart. Etwa in wenigen Tagen, wenn sie Songs der beiden Kultalben in der Wiener Simm City zum Besten geben werden.

Mit der Historie der beiden Cavalera-Brüder Max und Iggor könnte man eine ganze Netflix-Soap-Opera mit mehreren Staffeln Material füllen. Noch als Teenager setzten sie ab Mitte der 80er-Jahre Brasilien auf die Metal-Landkarte. Während der Thrash Metal in Wohlfahrtsstaaten wie Deutschland oder den USA florierte, mussten sich Sepultura ihren Ruf erst mühsam erkämpfen. Armut und Korruption bewegten den Staat schon damals, wodurch die Musik nach ersten Ausflügen in provokant-satanische Gefilde schnell sozialkritische Ausmaße annahm. Bereits auf „Schizophrenia“ (1987), spätestens aber mit dem dritten Studioalbum „Beneath The Remains“ (1989) prangerte das Brüderpaar in Songs wie „Mass Hypnosis“, „Inner Self“ oder „Primitive Future“ ganz klar die Unzulänglichkeiten des Systems an. Hier paarte sich die wilde Aggression einiger vom System zurückgelassener junger Männer mit der Lust an gitarrenlastigem Lärm und der stillen Hoffnung, mit durchdachten Texten und wilden Liveshows die Welt auf ihre Probleme aufmerksam machen zu können.

Trennung/Wiedervereinigung
Über die Jahre hinweg waren Sepultura an der absoluten Spitze des Thrash Metal, bis sich Max und seine Frau, die Managerin Gloria, 1996 mit Bruder Iggor und dem Rest der Band überwarfen. Jahrelange Funkstille war die Folge und gegen die hasserfüllten Animositäten der beiden sind die Probleme der Oasis-Brüder Gallagher minimale Meinungsverschiedenheiten. 2006 verließ schlussendlich auch Iggor das sinkende Schiff Sepultura, das heute mit einer biederen C-Besetzung und meist lieblos zusammengeschusterten Alben nur mehr die treuesten der Treuen vor den Ofen holen vermag. Während Max anfangs mit seinem Projekt Soulfly durchaus große Erfolge feierte, konzentrierte sich Iggor mehr auf seine unbändige Liebe zur elektronischen Musik und war im Zuge dessen etwa auch auf dem Grazer Elevate Festival zu Gast. Mehr als zehn Jahre nach dem vieldiskutierten Auseinanderdriften fanden die beiden 2006 als Cavalera Conspiracy dann doch wieder zusammen. Blut ist am Ende eben doch dicker als Wein.

Die längst in Großbritannien und den USA wohnhaften Brüder haben seither vier mehr oder wenige passable Studioalben rausgebracht, die im Fahrwasser des Thrash Metal auch mit Death- und Groove-Elementen spielen. An die großen Erfolge der Sepultura-Frühzeiten kamen sie damit aber nie heran, weshalb vor zwei Jahren erstmals die Idee geboren wurde, die Glanztaten von damals in der Gegenwart auf die Bühne zu bringen. Das gleichsam legendäre als auch experimentelle 1996er-Werk „Roots“ wurde 2017 quer durch Europa betourt und u.a. auch im Wiener Gasometer aufgeführt. Während Iggor präzise wie immer das Schlagzeug bediente, zeigte sich vor allem der mittlerweile 50 gewordene Max konditionell und stimmlich ausbaufähig. Dass gerade die „Roots“-Phase damals das Ende der „echten“ Sepultura bedeutete, war aufgrund der Harmonie auf dieser Tour nicht mehr zu erahnen.

Alte Besen
Befeuert von den Erfolgen daraus, haben sich die Cavaleras nun ein weiteres Mal in die Vergangenheit begeben und sind derzeit mit den beiden Kultalben „Beneath The Remains“ und „Arise“ (1991) unterwegs. Ersteres hat mit dem Titelsong und der Groove-Walze „Inner Self“ Sepultura weltweit ins Rampenlicht gestoßen, der famose Nachfolger war zwei Jahre später gleichzeitig Höhepunkt als auch Ende einer musikalischen Ära. Mit dem 1993er-Werk „Chaos A.D.“ nahmen die Cavaleras erstmals richtig Tempo aus ihrem Thrash Metal und läuteten damit die massentauglichste und auch kommerziell erfolgreichste Bandphase ihrer Karriere ein. Doch besonders die beiden Alben, die Max und Iggor am 25. November Österreich-exklusiv in der Wiener Simm City präsentieren, gehören bis auf alle Zeiten hinweg zur wichtigsten Standardausrüstung eines jeden geschmacklichen Thrash-Fans und Musikliebhaber. Die alten Besen kehren eben immer noch am besten.

Karten für das Konzerthighlight gibt es noch unter www.oeticket.com.

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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