01.11.2019 07:00 |

Mehr Prävention

„Mobbing kann jeden von uns treffen“

Die Angst und die Gemeinheiten im Alltag vieler Jugendlicher enden nicht an der Schultür. Jedes fünfte Kind in Österreich ist von Mobbing betroffen. Auf einer Tagung in Salzburg diskutierten Experten über Prävention.

Ein gemeiner Witz, Hänseleien wegen der alten Schultasche oder ein Shitstorm auf Instagram: Mobbing verfolgt viele Jugendliche seit Beginn ihrer Schulzeit. Oft auch weit darüber hinaus. Jedes fünfte Kind in Österreich ist laut der letzten OECD-Studie betroffen.

„Es gibt nie nur eine einzige Ursache“

„Die genaue Zahl der ’Mobbing-Opfer’ im Raum Salzburg ist nicht bekannt. Bei der Jugend-Beratungsstelle kija gab es im Vorjahr rund 560 Fälle“, berichtet Kinder- und Jugendanwältin Andrea Holz-Dahrenstaedt. Die Motive hinter Mobbing sind vielfältig: „Man kann so ein komplexes Phänomen nie an einer einzigen Ursache festmachen. Es geht immer auch um die Rahmenbedingen“, betont Professorin Mechthild Schäfer auf der Fachtagung zu Cybermobbing am 22. Oktober. Es gebe in einer Klasse nicht nur Opfer und Täter.

„Die Gruppendynamik ist in jeder Klasse anders. Die Rollen sind meistens aber gleich: Es gibt den oder die Täter, die Verstärker, die dessen Verhalten nachahmen. Die Assistenten sind quasi Mitläufer. Und natürlich die Außenstehenden“, erklärt die Professorin.

Mobbing: Gruppe stellt sich gegen Außenseiter

Von richtigem Mobbing ist erst dann die Rede, wenn das Verhalten gezielt auf eine Person gerichtet ist und körperlich oder verbal aggressives Verhalten über längere Zeit passiert. Meistens geht eine ganze Gruppe auf Einzelne los. „Es geht dabei vor allem um den sozialen Status. Jugendliche ab 12 Jahren entwickeln dann oft antisoziales Verhaltes, um ihre Dominanz gegenüber anderen zu demonstrieren“, so Schäfer.

Was tun gegen die Schikane der Schüler?

Wichtig ist nun: Sich jemandem anvertrauen und die Probleme der Betroffenen unbedingt ernstnehmen. „Die Mobber müssen so früh wie möglich gestoppt werden. Sonst kommen sie mit diesem Verhalten in die Arbeitswelt“, betont Sonja Messner, Beraterin bei der Jugendanlaufstelle akzente Salzburg. 

Situation in Salzburg ausbaufähig

„Es gibt in der Stadt Salzburg viele engagierte Projekte, leider sind die meisten nur punktuell und kostenpflichtig. Auch Schulsozialarbeit ist nicht flächendeckend. Es braucht eine Anlaufstelle für betroffene Schüler, Eltern und Lehrer“, fordert Kinder- und Jugendanwältin Andrea Holz-Dahrenstaedt.

Die Schulen seien außerdem verpflichtet, bei Mobbing-Fällen einzugreifen: „Es gibt eine Fürsorgepflicht für Lehrer, dass sich alle in der Schule sicher fühlen. Ausgeschlossen werden, nicht dazugehören ist eine lebensbedrohliche Situation. Daher braucht es für Schulen gute Rahmenbedingungen und ausreichende Unterstützung“, so die Anwältin.

Stephanie Angerer
Stephanie Angerer
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