Westspange Steyr:

Ringen um Grenzwert in Verkehrsprognose bleibt

Eines der umstrittensten Straßenbauprojekte ist die vier Kilometer lange Westspange Steyr. Die Trasse durch Grünland steht seit vier Jahren fest, laut Landesbescheid sei keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) notwendig. Im Beschwerdeverfahren der Anrainer kam nun ein Stein ins Rollen.

Für Jürgen Hutsteiner (46), Landwirt, ist die Westspange ein Horror: „Die Trasse führt mitten über mein Agrarland“, sagt er zur „Krone“. Alle Felder würden zerschnitten. Zudem sei die Straße nicht „zeitgemäß“: „Als die B309 zwischen Steyr und der Autobahn eröffnet wurde, verlagerten Firmen ihre Transporte von der Schiene auf die Straße“, erinnert er sich. Gleiches befürchten nun 35 Betroffene: „Der Lkw-Verkehr wird sich drastisch erhöhen.“ Obwohl durch Grünland geführt, sei für die Westspange laut Landesbescheid keine (!) UVP notwendig. Das brachte das Fass zum Überlaufen. Die künftigen Trassenanrainer brachten beim Bundesverwaltungsgericht in Wien Beschwerde ein.

Entscheidung in den nächsten Monaten
Das Feststellungsverfahren ist nun abgeschlossen. Der letzte Gutachter, von mehreren, den die Richterin konsultierte, stellte sich als befangen heraus. Es geht um den Grenzwert der Verkehrseinschätzung: Ab 15.000 Fahrzeugen pro Tag wäre eine UVP zwingend. Schätzungen der Sachverständigen lagen darunter: „Die angenommenen Verkehrsmodelle stimmen nicht“, sagt Hubert Niedermayr, einer der Anwälte der Anrainer. Nun liegt der Ball bei der Richterin. Sie muss entscheiden, wie es weitergeht. Gerald Hackl, Steyrer Bürgermeister, geht davon aus, dass es beim Nein zur UVP bleibt. „Dann legen wir Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof ein“, stellt Niedermayr in Aussicht. Hackl beharrt: „Laut Sachverständigengutachten ist keine UVP notwendig. Aus meiner Sicht ist das Projekt auf Schiene. Ich rechne mit dem Spatenstich im Herbst 2021.“

Elisabeth Rathenböck, Kronen Zeitung

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