09.10.2019 11:50 |

„Muss sich lohnen!“

Leser kritisieren unterbezahlte Pflege

Statistisch gesehen wird die Menschheit alle zwei Jahre um drei Monate älter. Dies hat einen Anstieg der Über-65-jährigen zur Folge. Dazu kommt die anstehende Pensionierungswelle der Babyboomer-Generation. Vor allem der Pflegebereich bekommt die derzeitige Situation stark zu spüren. Was unsere Leser zum Pflegekräftemangel sagen, lesen Sie hier. Teilen Sie uns gerne auch Ihre Meinung unten in den Storypostings mit!

Allein in Wien müssen 5077 Personen im Langzeitpflegebereich nachbesetzt werden, bis 2030 müssen 9121 Mitarbeiter - vom diplomierten Krankenpfleger bis zur Heimhelferin - gefunden werden. Das wohl größte Problem, das unsere Leser hier sehen, ist die Bezahlung der Fachkräfte. Werwennnichtwir fasst die Meinung vieler Leser schön zusammen: „Bezahlt die Leute endlich ordentlich. Es muss sich auch lohnen, diese schwere und seelisch belastende Arbeit auf sich zu nehmen. Es ist sicher nicht jedermanns Sache, alte, demente Menschen zu pflegen, aber wenn man das möchte, dann sollte man wenigstens gut davon leben können.“

Sakul-Schkoj möchte mit seinem Kommentar die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche lenken: „Und wieder wird nach Krankenpflegepersonal gerufen, obwohl es genug gäbe. Aber es geht ums Geld, denn wer nicht zahlt, hat ein Problem, und diese Non-Profit-Geschichte ist nur mehr ein Schmäh. Es wird gerade der neue Kollektivvertrag in Wien eingeführt, und da dürfen die Altgedienen nicht umsteigen, da würden sie aber mehr verdienen, das ist nicht gewünscht. So, und jetzt kann sich jeder ausrechnen, was wirklich läuft, altes Personal raus, neues Personal rein, um das geht es in Wirklichkeit, ums Geld, nicht um den Mangel.“ Leser Lowryder sieht, abgesehen von einer besseren Bezahlung für das Personal und für Lehrlinge, noch eine weitere Möglichkeit, dem Pflegekräftemangel entgegenzuwirken: „Wehrpflicht für Jungs und Mädels. Ersatzweise Zivildienst als Pflegekraft. Problem gelöst.“

Doch das mangelnde Gehalt ist nicht das einzige Problem an der Sache. Viele Leser bekritteln auch die harten Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte. Ichbinichdubistdu schreibt dazu: „Das Pflegepersonal muss Überstunden ohne Ende machen, die Abteilungshelfer müssen fast täglich aushelfen gehen und doppelt arbeiten, Ausbeutung vom Feinsten.“ Um das Personal zumindest teilweise entlasten zu können und gleichzeitig der hohen Arbeitslosenrate entgegenzuwirken, schlägt Leser Gulaschsuppe vor: „Die vielen Arbeitslosen könnte man auch ohne Ausbildung in den Pflegeheimen gut gebrauchen. Es fallen ja auch dort gewisse Arbeiten an wie z.B. Essen servieren, Tische decken, Betten machen, Wäsche holen und bringen uvm. Sozusagen Hausarbeiten, die jetzt das Pflegepersonal zusätzlich machen muss, und daher sehr überfordert wird. Das Diplom-Personal macht die Aufgabe wieder zusätzlich von der Pflege. Jeder arbeitet doppelt für ein Babygehalt. Daher könnte man dort ansetzen, was jede Hausfrau schafft.

Als Plan B gegen den Pflegekräftemangel kann sich Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) auch vorstellen, im Ausland „gezielt Personal zu rekrutieren“. Für einige Leser, unter ihnen 10000, scheint dies allerdings nicht die ideale Lösung zu sein. Er kommentiert: „Dieser (Pflege-)Beruf ist nicht ein Beruf wie jeder andere! Für diese Aufgabe gehört jede Menge Idealismus, Mitgefühl und ,Nächstenliebe‘ dazu. Ein pflegebedürftiger Mensch ist kein ,zu bearbeitender Gegenstand‘, sondern ein ,beseeltes Wesen‘. In unserer zunehmenden ,Ellbogengesellschaft‘ wird es nicht leicht sein, dafür gutes Personal zu finden. Dazu kommt noch, dass die Bezahlung schlecht ist. In einer kapitalistisch orientierten Gesellschaft werden nur Jobs gut bezahlt, welche die Gewinnmaximierung steigern. Berufe, welche zwar elementar wichtig sind, aber der Wirtschaft keinen Gewinn bringen, werden nur sehr spärlich entlohnt. Aus dem Ausland? - Wer wird dann ,dort‘ diese Aufgaben übernehmen? Die Industrieländer werden in naher Zukunft viele Probleme bekommen, denn Geld, Karriere, Produktion, Konsum ... ist eben nicht alles ...“

Was ist Ihre Meinung zu diesem Thema? Haben Sie oder Angehörige den Mangel an Pflegekräften bereits selbst zu spüren bekommen? Oder haben Sie vielleicht sogar Lösungsvorschläge für die Zukunft? Wir freuen uns auf jede Meinung und persönliche Geschichte unten in den Storypostings!

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