07.10.2019 10:32 |

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„FIFA 20“: Gerät der Fußball-Goliath ins Wanken?

Piemonte Calcio - noch nie davon gehört? Kein Wunder, heißt der Verein in Wahrheit doch Juventus Turin. Das undenkbare ist also passiert! Der „große“ Publisher EA Sports hat eine Lizenz an den Konkurrenten Konami verloren. Ist das erst der Anfang? Gerät der Goliath „FIFA“ mit seiner aktuellen Ausgabe gar ins Wanken?

Die Entwickler rücken gleich zu Beginn den neuen „Volta“-Modus in den Mittelpunkt. Hierzulande würde man grob von Käfig-Kick sprechen. Wobei es genaugenommen eine Rückkehr der „FIFA Street“-Reihe zum Hauptprodukt ist. Ganz so abgefahren präsentiert sich der „Volta“-Modus allerdings nicht. Vielmehr handelt es sich um eine gesetztere Art von Straßenfußball, die nicht minder arcadelastig und flott die Kugel über die verschiedensten Untergründe rollen lässt. Getrickst wird unter anderem in Tokio, Amsterdam oder London.

Speziell die Finten und Kunststücke mit dem Ball erfordern einiges an Übung. Schade! Ein kleinere Einstiegshürde wäre wünschenswert gewesen. Nichtsdestotrotz spielt sich „Volta“ dynamisch und kurzweilig. Die Macken, etwa das von der Bande abprallende Bälle fast immer beim Gegner landen, werden hoffentlich noch gepatcht.

Der integrierte Story-Modus löst den der beiden letzten Titel ab. Das Ganze ist nett gemacht aber nicht so gut gelungen wie die Geschichte um Alex Hunter. Den Hauptzweck, den Spieler bei Laune zu halten, erfüllt sie immerhin. Mit steigenden Fähigkeiten die - wenig überraschend - durch Siege erhöht werden, dürfen auch bessere Mitspieler in die Mannschaft aufgenommen werden. Zusätzlich können Kleidungstücke erspielt oder mittels Münzen gekauft werden. Bemerkenswert, dies läuft komplett ohne Mikrotransaktionen ab!

Ganz im Gegensatz zum „FIFA Ultimate Team“-Part. Hier sind sie nach wie vor ein wesentlicher Bestandteil und werden so schnell auch nicht wieder verschwinden - verdient EA Sports doch einen Batzen Geld damit. Wenigstens werden sie nicht so penetrant beworben wie es zum Teil die Konkurrenz schon praktiziert. Die Änderungen bei „Ultimate Team“ halten sich dessen ungeachtet in Grenzen. Evolution statt Revolution ist angesagt. EA Sports wäre auch schlecht beraten, den beliebtesten Teil der Serie unmotiviert auf den Kopf zu stellen.

„FIFA 20“ tritt auf die Bremse
Über die spielerischen Qualitäten von „FIFA“ scheiden sich die Geister. Auch Profi-Gamer, in einem Interview bei Pro7 Maxx, waren geteilter Meinung. Zudem wäre es nicht zum ersten Mal, dass ein Patch die Mechanik entscheidend verändert. Man denke nur an „FIFA 19“. Fakt ist, die Spielgeschwindigkeit wurde abermals reduziert. „FIFA 20“ läuft allerdings weiterhin flotter und tendiert mehr in Richtung Arcade als Konamis „Pro Evolution Soccer“.

Die Offensive, sprich die Qualitäten der KI in diesem Bereich, wurden gestärkt - zulasten der Defensive. Während die Stürmer sich gut in die Räume bewegen und vermehrt Chancen kreiert werden, reicht in der Defensive meist ein kleiner Schlenker zum falschen Zeitpunkt und der Gegner läuft allein aufs Tor zu. Hier gehört noch etwas am Balancing nachgebessert. Zudem würde es dem Spiel, der Abwechslung, guttun, wenn KI gesteuerte Gegner nicht fast alle durchwegs auf Ballbesitz-Fußball setzen würden.

Die Flanken und die damit einhergehend zu leicht zu erzielenden Tore waren Thema in „FIFA 19“. Die Entwickler haben nachgebessert. So hat der Torhüter „erkannt“, dass man die Dinger, die durch den Fünfer fliegen, auch fangen kann. Dribblings lassen sich, wegen der geringen Spielgeschwindigkeit, etwas einfacher durchführen. Dazu tragen die weiter verbesserten Animationen bei. Dennoch trüben weiter ein paar Unzulänglichkeiten etwas das Gesamtbild.

Ansprechende Präsentation
Präsentationstechnisch bewegt sich „FIFA 20“ auf gewohnt hohem Niveau. Das Fehlen der Lizenzen für den Vereinsnamen Juventus Turin und ein paar Stadien ist verschmerzbar, ein wenig ungewohnt ist es allerdings schon. Die Grafik der Spielergesichter schwankt weiterhin sehr stark. Ein paar mehr detaillierter dargestellte Spieler dürften es mit jeder neuen Version ruhig sein.

Fazit: „FIFA 20“ hinterlässt einen guten Eindruck, schwächelt aber etwas an entscheidenden Stellen. Der „Volta“-Modus darf als kleines Highlight bezeichnet werden. Der Rest fällt unter Updates und Kosmetik. Zwiespältig fällt das Fazit zum Spielgefühl aus. Während das verringerte Tempo dem Spiel zugute kommt, fühlt sich das Balancing zwischen Offensive und Defensive nicht ganz richtig austariert an. Spaß macht „FIFA 20“ trotzdem.

Plattform: PS4 (getestet), Xbox One, PC
Publisher: EA Sports
krone.at-Wertung: 8/10

Harald Kaplan
Harald Kaplan
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