29.09.2019 21:34 |

Wahltag auf krone.at

Die Gewinner und Verlierer der Wahl im Überblick

Sebastian Kurz hat die von der Ibiza-Affäre ausgelöste Neuwahl triumphal gewonnen: 6,4 Millionen Österreicher waren bei herrlichem Herbstwetter am Sonntag aufgerufen gewesen, den Nationalrat neu zu wählen. Alle Entwicklungen und Reaktionen des Wahltags lesen Sie hier in unserem Überblick. Natürlich finden Sie auch diesmal wieder sämtliche Ergebnisse aus alle Gemeinden und Bezirken Österreichs übersichtlich in unseren interaktiven Ergebnis-Grafiken im Wahlcenter! Das vorläufige Endergebnis wurde kurz nach 21 Uhr verkündet, ein überaus spannender Wahlsonntag ging damit zu Ende.

Die ÖVP von Sebastian Kurz kommt laut vorläufigem Endergebnis inklusive Wahlkarten-Prognose mit 37,1 Prozent klar auf Platz eins. Deutlich dahinter landet die SPÖ mit 21,7 Prozent. Die zuletzt in Turbulenzen geratene FPÖ stürzt ab und kommt auf 16,1 Prozent - vor zwei Jahren waren es noch 26,0 Prozent gewesen. Dahinter stürmen die wiedererstarkten Grünen auf Platz vier, sie erreichen 14,0 Prozent. Die NEOS legen auf 7,8 Prozent zu, die Liste JETZT verpasst mit 2,0 Prozent den Wiedereinzug in den Nationalrat.

Philippa Strache verpasst Einzug in den Nationalrat? Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache wollte offenbar am Sonntagabend in der Hofburg auftreten, sagte jedoch in letzter Sekunde ein Interview mit „Servus TV“ ab, wie der „Kurier“ berichtete. Seine Frau Philippa könnte wegen des schlechten Wahlergebnisses der Freiheitlichen in Wien außerdem nicht ins Parlament einziehen, hieß es. Eigentlich hätte sie nach dem Fall ihres Gatten das geschrumpfte Familieneinkommen wieder aufpeppen sollen.

Der Alt- und Wohl-bald-wieder-Bundeskanzler Sebastian Kurz hat die Neuwahl triumphal gewonnen, doch der ÖVP gehen die potenziellen Koalitionspartner aus. Insidern zufolge ist ein türkis-grüner Pakt am wahrscheinlichsten, wie „Krone“-Innenpolitik-Journalist Klaus Knittelfelder schreibt.

Das war‘s! Die Nationalratswahl ist beendet. Aber wie zufrieden ist man über den Wahlausgang? War das Ergebnis absehbar? krone.at hat nachgefragt:

Bundespräsident Alexander Van der Bellen bedankt sich in einer TV-Ansprache bei allen Wählerinnen und Wählern und spricht allen, die kandidiert haben, seinen Respekt aus (siehe auch Video unten). „Insbesondere gratuliere ich Sebastian Kurz zu seinem Wahlerfolg“, hofft Van der Bellen, dass „nach einer kurzen Abkühlphase das Wohlergehen Österreichs vor parteitaktische Interessen gestellt wird“.

Die ÖVP hat bei der Nationalratswahl vor allem bei den Frauen und den Pensionisten gepunktet. Die FPÖ war hingegen bei den Arbeitern die stärkste Partei. Das zeigt eine Umfrage von Meinungsforscher Peter Hajek für ATV. Die Grünen waren vor allem bei den Unter-30-Jährigen und den Maturanten stark. Die NEOS konnten bei den Selbstständigen punkten.

ÖVP-Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka lässt sich in Sachen eines künftigen Koalitionspartners für die Volkspartei noch nicht in die Karten schauen. Über das ÖVP-Wahlergebnis zeigte er sich im Gespräch mit Gerhard Koller begeistert:

Für die Grüne Ex-und bald Wieder-Abgeordnete Sigrid Maurer müsste es für eine mögliche türkis-grüne Koalition inhaltlich schon eine „komplette Wende“ geben. Derzeit gebe es zwischen den beiden Parteien in vielen Bereichen jedenfalls „keine Schnittmenge“, so Maurer am Sonntagabend. Die Chance für eine türkis-grüne Koalition wollte sie aber nicht bewerten. Für die Grünen sei es jetzt vorrangig, sich wieder im Nationalrat einzuarbeiten und Ressourcen aufzubauen. Das grüne Ergebnis sei jedenfalls „ein Wahnsinn“, es handle sich um eine „Sensationswahl“.

Über den Wahlerfolg der Grünen sprach Gerhard Koller am Wahlabend auch mit der Listenzweiten der Partei, Leonore Gewessler:

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig hat personelle Konsequenzen an der Parteispitze nach dem SPÖ-Wahldebakel ausgeschlossen. Bei den Gremiensitzungen am Montag werde es seiner Ansicht nach „keinerlei personelle Diskussionen“ geben, sagte er am Abend. Spitzenkandidatin Pamela Rendi-Wagner habe im Wahlkampf „Außerordentliches geleistet“, fand er lobende Worte für seine Parteichefin.

Ex-Ministerin und Listenzweite der ÖVP-Bundesliste, Elisabeth Köstinger, sprach mit Gerhard Koller am Wahlabend über den sensationellen Wahlsieg der Türkisen:

Hofer sieht FPÖ schon in Opposition: FPÖ-Chef Norbert Hofer geht - wie zuvor schon Herbert Kickl, Harald Vilimsky, Dominik Nepp und weitere Parteivertreter - davon aus, dass seine Partei nach der Wahlniederlage in Opposition gehen wird. „Das heißt, wir bereiten uns auf Opposition vor“, so Hofer, der vom Wahlergebnis „nicht begeistert“ ist.

Der FPÖ-Obmann sprach sich jedenfalls für eine Neuaufstellung der Partei aus. Die freiheitliche Doppelspitze mit ihm und Ex-Innenminister Herbert Kickl im Amt werde bleiben, stellte Hofer zugleich klar.

Pilz wird Journalist: Langzeitpolitiker Peter Pilz findet mit seiner Liste Jetzt keinen Eingang mehr ins Hohe Haus. „Ich bin natürlich enttäuscht“, sagte Pilz am Sonntagabend angesichts des enttäuschenden Ergebnissen für seine Partei. Ob das Ergebnis auch das generelle Aus für die Liste Jetzt bedeutet, wollte er nicht beantworten. Der Steirer kündigte an, nunmehr die Seiten zu wechseln und Journalist zu werden.

NEOS weiter für Dreierkoalition zu haben: Die NEOS haben trotz einer alleinigen Mehrheit von ÖVP und Grünen eine Dreierkoalition mit ihnen noch nicht aufgegeben. Vizeklubchef Nikolaus Scherak sagte am Abend auf „Puls 4“, mit einer größeren Mehrheit wären die großen Fragen besser zu lösen. Mit einer so knappen Mehrheit, wie Türkis-Grün sie habe, wäre das schwierig.

Wiener Grünen-Chefin für Sondierung mit ÖVP: In der Frage nach einer möglichen türkis-grünen Koalition sieht die Wiener Grünen-Chefin Birgit Hebein nun ÖVP-Chef Sebastian Kurz am Zug: „Jetzt liegt es an Herrn Kurz zu entscheiden“, Sie sei in Hinblick auf eine mögliche Regierungszusammenarbeit mit der ÖVP einer Meinung mit dem grünen Spitzenkandidaten Werner Kogler: Es sollten ernsthafte Sondierungsgespräche geführt werden.

Bierlein gratuliert Kurz: Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein hat dem Wahlsieger, ÖVP-Chef Sebastian Kurz, am Sonntagabend gratuliert. Außerdem sagte Bierlein zu, die Amtsgeschäfte bis zur Angelobung einer neuen Bundesregierung nach bestem Wissen und Gewissen weiterführen zu wollen und eine „alle notwendigen Vorbereitungen für eine professionelle Übergabe der Amtsgeschäfte“ zu treffen.

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner will trotz der schweren Wahlniederlage weitermachen.„Heute ist eine Zwischenstation, der Weg geht weiter“, sagte sie in einer ersten Reaktion im SPÖ-Festzelt in der Löwelstraße. „Es ist der Weg der Menschlichkeit, den wir gemeinsam weitergehen werden.“ Die SPÖ habe im Wahlkampf die richtigen Themen gesetzt, befand Rendi-Wagner: „Die Richtung stimmt, wir gehen weiter.“

FPÖ soll in die Opposition: In der FPÖ mehren sich die Stimmen, die die Partei angesichts des schwachen Ergebnisses der Nationalratswahl künftig in der Opposition sehen. Neben Herbert Kickl und Harald Vilimsky zählt auch der Wiener Landesparteiobmann Dominik Nepp dazu: „Ich sehe diese 16 Prozent jetzt nicht als Regierungsauftrag.“ „Ich sehe die FPÖ in der Opposition“, unterstrich Nepp klar. Und ebenso wie Generalsekretär Vilimsky plädierte er für einen „Neustart“ der Partei - konkret in organisatorischer und struktureller Hinsicht.

Gerhard Koller im Gespräch mit FPÖ-Urgestein Andreas Mölzer:

In Fernseh-Interviews kündigte ÖVP-Obmann Sebastian Kurz an, dass er nun mit allem im Parlament vertretenen Parteien Gespräche führen werde. Er wolle eine möglichst respektvolle Zusammenarbeit mit allen Parteien. Vor seinen Anhänger hatte er zuvor erklärt, seine Bundesregierung sei vor vier Monaten im Nationalrat abgewählt worden, „heute hat uns die Bevölkerung zurückgewählt“. Kurz sprach von einem historischen Tag für die ÖVP, die noch nie mit einem so großen Vorsprung eine Wahl gewonnen habe.

Heldenempfang für Werner Kogler: Mit frenetischem Jubel ist Werner Kogler in der Wahlzentrale der Grünen im Wiener „Metropol“ empfangen worden (siehe auch Video unten). Kogler sprach von einem „Sunday for Future“, in Richtung ÖVP, dem zweiten Sieger der Wahl, zeigte er sich nicht versöhnlich, ganz im Gegenteil: Er höhnte über die „Sektenmitglieder des Kanzlerdarstellers“. Man nehme den Auftrag der Wähler - „egal an welcher Stelle“ - jedenfalls an, so Kogler. Die Devise laute „immer schön am Boden bleiben“.

Der geschäftsführende FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl sieht keinen Regierungsauftrag für seine Partei. In einer Koalition mit der ÖVP müsse man etwas dagegen halten können, sagte er , was mit annähernd 16 Prozent jedoch schwer möglich sei. Das Votum sei „natürlich enttäuschend, aber wir sind nicht wirklich überrascht“. Beim Wahlsieger und voraussichtlichen künftigen Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) müsse man nun schauen, ob dieser seine Versprechen nun wirklich einlöst, so Kickl.

ÖVP-Spitzenkandidat und Altkanzler Sebastian Kurz hat sich am Sonntag vom Ergebnis der Nationalratswahl „überwältigt“ gezeigt. „Mir fehlen die Worte und ich bin selten sprachlos“, erklärte Kurz vor seinen Anhängern. Er habe „definitiv“ nicht mit einem Ausgang in dieser Höhe gerechnet, sagte er in der ÖVP-Wahlzentrale im Kursalon Hübner. Er sei „unendlich dankbar“ und nehme das „Vertrauen mit Demut“ an.

Der Chef der Tiroler Sozialdemokraten, Georg Dornauer, hat eine „Kurskorrektur“ gefordert, „in der SPÖ muss sich was ändern“. Trotz guter Arbeit im Nationalrat, habe man kein besseres Ergebnis erzielen können. Auch junge Wähler zu gewinnen und der FPÖ „nach dieser skandalträchtigen Zeit“ Wähler abzuwerben sei nicht gelungen. „Die SPÖ hat die Wahl verloren“, so Dornauer, der trotz der Stimmeneinbußen will, dass die SPÖ künftig mitregiert.

Der steirische SPÖ-Chef und Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Schickhofer sprach von „keinem guten Tag für die Sozialdemokratie, da gibt es nichts herumzureden. Die Österreicher haben in Sebastian Kurz eine höhere Kompetenz gesehen, die großen Zukunftsaufgaben unserer Zeit anzupacken.“

Die ÖVP ist der SPÖ mit dieser Wahl so weit davongezogen wie nie zuvor: Erstmals ist der Abstand zwischen den beiden Traditionsparteien zweistellig, und das mehr als deutlich: Um 15 Prozentpunkte liegt die ÖVP laut den Hochrechnungen vor der SPÖ. Der bisher größte Abstand waren 5,79 Prozentpunkte im Jahr 2002, als die ÖVP erstmals seit 1966 wieder Erste geworden war.

In der FPÖ mehren sich die Stimmen für einen Gang in die Opposition. „Der Auftrag ist klar und dieser heißt Opposition“, sagte Nationalratsabgeordnete Dagmar Belakowitsch.

Elisabeth Köstinger und Gernot Blümel, Ex-Minister und ÖVP-Listenzweite bzw. ÖVP-Listendritter der Bundesliste, haben am Sonntag nicht über Koalitionsvarianten spekulieren wollen. „Jetzt ist einmal der Bundespräsident (Alexander Van der Bellen, Anm.) am Wort“, sagte Blümel. Ähnlich Köstinger: Mit wem gesprochen werden soll, „werden die nächsten Tage zeigen“.

Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) sieht die Koalitionsfrage für die Bundes-ÖVP nach der Nationalratswahl vom Sonntag „völlig offen“. Bei FPÖ und SPÖ bleibe möglicherweise „kein Stein auf dem anderen“, diesbezüglich müsse man noch „ein vollständiges Bild“ abwarten, so der Landeshauptmann. Es würden am Ende mehrere Varianten auf dem Tisch liegen, die es auszuloten gelte.

FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker geht davon aus, dass die FPÖ in Opposition gehen wird. „Wir haben heute definitiv keinen Regierungsauftrag erhalten“, sagte er am Sonntag. Nun gehe es darum, das Ergebnis in den Gremien aufzuarbeiten. Die FPÖ sei eine Woche vor der Wahl mit einer Affäre konfrontiert worden, die nicht bewiesen ist, machte er die Spesendebatte für das schlechte Abschneiden verantwortlich.

NEOS-Spitzekandidatin Beate Meinl-Reisinger hat sich vor ihren Anhängern im Wiener Volksgarten über den Wahlerfolg gefreut. „Eines ist klar: es ist in der Geschichte Österreichs das beste Ergebnis für eine liberale Partei“. „Eine Fortsetzung von Türkis-Blau darf es nicht geben“, so Meinl-Reisinger unter tosendem Applaus ihrer Anhänger.

Dass die Pinken dazugewonnen haben trotz des starken Ergebnisses der Grünen und der ÖVP zeige, so Meinl-Reisinger, dass wir die Meinungsforscher Lügen gestraft haben. „Wir bedeuten Österreich etwas und das wird auch in Zukunft so bleiben.“

Gerhard Koller im Gespräch mit NEOS-Generalsekretär Nick Donig und Polit-Experten Christoph Haselmayer:

Enttäuschung herrschte bei der Liste Jetzt nach dem Bekanntwerden der ersten Ergebnisse. Parteichefin Maria Stern hat den Nicht-Einzug ihrer Partei in den Nationalrat „bedauert“. Trotzdem wolle man weitermachen, so Bundesgeschäftsführerin Herta Emmer, in welcher Form, werde man bei Gremiensitzungen am Montag entscheiden.

Locker hat Kurz sein Wahlziel geschafft, dass es keine Koalition gegen die ÖVP gibt. Der jüngste Altkanzler (33) kann seine jäh unterbrochene Karriere fortsetzen - und sich aussuchen, ob er mit der FPÖ, den Grünen oder der SPÖ zusammengeht. Denn nach aktuellem Hochrechnungsstand dürfte es nicht einmal nötig sein, die NEOS zu Türkis-Grün dazuzunehmen.

Auch heuer kommt Kurz aber nicht einmal in die Nähe des Rekords des vorigen ÖVP-Kanzlers Wolfgang Schüssel, der 2002 mit plus 15,4 auf 42,30 Prozent der Volkspartei erstmals seit 1966 den ersten Platz verschafft hatte. Aber anders als Schüssel ist es Kurz gelungen, den 2017 eroberten ersten Platz zu halten. 2006 fiel die ÖVP wieder hinter die SPÖ zurück - während Kurz jetzt den Abstand zwischen ÖVP und SPÖ (die Stimmenanteil einbüßte) nochmals vergrößern konnte.

„Neustart“-Forderungen aus der FPÖ: Der Chef der Tiroler FPÖ, Markus Abwerzger, hat sich nach der ersten Hochrechnung der Nationalratswahl klar dafür ausgesprochen, in Opposition zu gehen. Das Ergebnis zeige einen „klaren Wählerwillen“, so Abwerzger. Parteichef Norbert Hofer sitze fest im Sattel, eine Debatte müsse man dagegen über den ehemaligen Obmann, Heinz-Christian Strache, führen, sagte er. Für einen „Neustart“ der FPÖ hat sich am frühen Sonntagabend auch Udo Landbauer, der Landesobmann der niederösterreichischen Freiheitlichen ausgesprochen. Die Wähler hätten der Partei „die gelbe Karte gezeigt“.

Sebastian Kurz war wie schon 2017 erneut das wichtigste Wahlmotiv für ÖVP-Wähler. Pamela Rendi-Wagner spielte - im Gegensatz zu ihrem Vorgänger Christian Kern - bei der Wahlentscheidung der SPÖ-Wähler hingegen nur eine sehr geringe Rolle. Das geht aus einer Wahltagsbefragung des Meinungsforschers Peter Hajek für ATV hervor. Die Ibiza-Affäre hatte laut Umfrage kaum Einfluss auf das Wahlergebnis.

Katia Wagner präsentiert die ersten Ergebnisse:

Die NEOS werden wohl bei den Koalitionsverhandlung keine Rolle spielen. Davon geht NEOS-Mandatar Sepp Schellhorn aus. Nach der ersten Hochrechnung zeige sich eine türkis-grüne Mehrheit und „wir werden da keine Rolle mehr spielen“. Schellhorn geht davon aus, dass die NEOS als „beste Oppositionspartei“ ihre Arbeit fortsetzen wird. Auch der NEOS-Quereinsteiger, Ex-Kurier-Herausgeber, Helmut Brandstätter, erwartet, dass ÖVP-Chef Sebastian Kurz mit den Grünen regieren werde. „Mit der SPÖ will er nicht“ und für Kurz sei die „zerfallende FPÖ“ ein zu großes Risiko, schätzt Brandstätter.

FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky sieht die Zukunft der FPÖ angesichts des schwachen Wahlergebnisses in der Opposition. „Aus meiner Sicht ist das kein klarer Auftrag, die Koalition fortzusetzen“, sagte Vilimsky im ORF. Dafür habe der Wähler die FPÖ zu wenig gestärkt. Auch der langjährige FP-Politiker Andreas Mölzer empfahl der Partei den Gang in die Opposition. Verhaltener ist der Applaus in der FPÖ-Zentrale beim Bekanntwerden einer Hochrechnung jedenfalls selten ausgefallen: Durchwegs zermürbte Gesichter machten jene Funktionäre, die zumindest erschienen waren, auf der kleinen Bühne im ebenso überschaubar großen Medienzentrum der Freiheitlichen.

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda hat ÖVP und Grünen am Sonntag zum Wahlerfolg gratuliert.Personelle Konsequenzen bei der SPÖ werde es nicht geben, glaubt der rote Parteimanager. „Wir haben uns ein besseres Ergebnis erwartet“, gestand Drozda ein. Man müsse aber noch die Auszählung der großen Städte abwarten. Er erkenne zwei große Trends, nämlich einerseits, dass die Leute die Grünen wieder im Parlament haben wollen und andererseits, dass einander FPÖ und ÖVP schon so ähnlich seien, dass viele offenbar von den Blauen zur Volkspartei gewechselt sind, so Drozda.

Ob die SPÖ in Regierungsverhandlungen eintreten will, sagte Drozda nicht. „Der heutige Abend ist der Wahlabend und das ist kein Abend der Koalitions- oder Sondierungsgespräche.“ Drozda geht aber davon aus, dass ÖVP-Chef Sebastian Kurz den Auftrag zur Regierungsbildung erhält.

NEOS-Generalsekretär Nick Donig sieht für seine Partei „ein erfreuliches Ergebnis“ bei der Nationalratswahl. Das Ziel sei es gewesen, in Richtung 8 Prozent zu kommen, diesen Pfad hätten die NEOS eigeschlagen, sagte Donig. Er sprach vom „besten Ergebnis einer liberalen Partei in Österreich“. Im Vergleich zur Wahl vor zwei Jahren hätten die NEOS fast um 50 Prozent an Stimmen zugelegt. Dieses Wachstum ist für Donig „sehr erfreulich“.

Die ÖVP bejubelt den sich abzeichnenden Wahlerfolg. „Heute ist ein historischer Tag für die Volkspartei“, sagte Generalsekretär Karl Nehammer vor jubelnden Fans in der Parteizentrale. Auf Koalitionsvarianten wollte er sich nicht festlegen. Er strich insbesondere den historischen Vorsprung auf die zweitplatzierte SPÖ heraus. „Heute ist einmal der Tag von Sebastian Kurz und der Volkspartei, dann ist der Bundespräsident am Zug und dann werden Gespräche stattfinden. Dann werden wir sehen, mit wem man am besten eine Regierung bilden kann“, sagte Nehammer, von lauten „Kanzler Kurz“-Sprechchören übertönt.

In Österreichs kleinster Gemeinde Gramais im Tiroler Außerfern haben 95,83 Prozent (2017: 70,83) der 32 Wahlberechtigten die ÖVP gewählt. Sie verzeichnete damit ein Plus von 25 Prozentpunkten. FPÖ (2017: 12,50 Prozent) und SPÖ (2017: 4,17 Prozent) konnten in Gramais keine einzige Stimme holen. Die Wahlbeteiligung lag bei 75 Prozent (2017: 72,73 Prozent). Die Grünen wählte in Gramais ein Wahlberechtigter, das entspricht 4,17 Prozent (2017: 8,33 Prozent). Alle anderen antretenden Parteien gingen in der kleinen Gemeinde leer aus. Gramais liegt 1382 Meter hoch, das Gemeindegebiet erstreckt sich auf über 32 Quadratkilometer.

Die Stimmung bei der Volkspartei war wenig überraschend hervorragend. Noch bevor offizielle Ergebnisse bekannt waren, meldeten sich die Fans in der Parteizentrale schon mit Rufen „Kanzler Kurz“ zu Wort. Bei der SPÖ versuchte man trotz allem Partystimmung zu erzeugen. Grünen-Wahlkampfleiter Thimo Fiesel jubelte über das größte Comeback in der Zweiten Republik. „Man werde nun ausgiebig feiern, alles weitere werde sich in dem kommenden Wochen erst zeigen.“

FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky will angesichts der ersten Hochrechnungen einen Neustart für seine Partei. „Es enttäuscht mich auf der einen Seite“, kommentierte Vilimsky die Verluste für die Freiheitlichen. Allerdings zeige es auch, dass die „rot-weiß-rote Wählerburg uneinnehmbar“ sei.

Die erste Hochrechnung ist da: Die ÖVP von Ex-Kanzler Sebastian Kurz kommt in der ersten ARGE-Hochrechnung auf 37,1 Prozent und belegt klar Platz eins. Deutlich dahinter landet die SPÖ auf Platz zwei, die Partei von Spitzenkandidatin Pamela Rendi-Wagner kommt auf 22,5 Prozent. Die zuletzt in Turbulenzen geratene FPÖ stürzt ab und kommt auf 16,7 Prozent - vor zwei Jahren waren es noch 26,0 Prozent gewesen. Dahinter stürmen die wiedererstarkten Grünen auf Platz vier, sie erreichen 13,1 Prozent. Die NEOS legen auf 7,8 Prozent zu, für die Liste JETZT schaut es mit 1,8 Prozent mit einem Wiedereinzug in den Nationalrat düster aus.

Gerhard Koller aus der Hofburg zu den ersten Hochrechnungen:

Die letzten Wahllokale des Landes haben um 17 Uhr geschlossen. Die Spannung vor den ersten Ergebnissen steigt und steigt. Die fünfjährige Legislaturperiode wurde diesmal nicht einmal zu zwei Fünftel ausgeschöpft, die Wahl wurde - nach dem Ibiza-Skandal von Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache - deutlich vorverlegt. Die vorige Wahl fand am 15. Oktober 2017 statt.

Der frühere ÖVP-Klubobmann und Nationalratspräsident Andreas Khol hat eine schwarz-grüne Koalition nach der Wahl als glaubwürdige Möglichkeit bezeichnet. Aber auch eine türkis-rote bzw. eine türkis-blaue Koalition wollte Khol am Sonntagnachmittag nicht ausschließen. Der Ex-Klubobmann rechnete zudem mit einem ÖVP-Ergebnis an die „40 Prozent“. Sobald die Wiener Stimmen ausgezählt seien, halte er ein solches Ergebnis für möglich, so Khol.

Kurz vor der Verkündung der ersten Ergebnisse hat Gerhard Koller in der Hofburg mit Polit-Experten Christoph Haselmayer gesprochen.

Die NEOS geben sich vor der ersten Hochrechnung optimistisch, am Wahlabend zu den Gewinnern zu zählen. „Ich bin überzeugt, dass wir ein besseres Ergebnis haben werden“, sagte NEOS-Kandidat Nikolaus Scherak in der Säulenhalle des Wiener Volksgartens, wo die Pinken ihre Wahlparty abhalten. NEOS-Spitzenkandidatin Beate Meinl-Reisinger als nächste Kanzlerin werde „sich aber knapp nicht ausgegangen sein“, blieb Scherak realistisch. Der der letzten Nationalratswahl 2017 erhielten die NEOS 5,3 Prozent der Stimmen, bei der EU-Wahl im Juni 2019 waren es 8,4 Prozent.

Die Wahlzentrale der ÖVP im Kursalon Hübner hat sich am Sonntag ab 16 Uhr begonnen zu füllen. Nach und nach trafen Sympathisanten sichtlich gut gestimmt ein. Bei einer ORF-Live-Zuschaltung kurz vor 16.30 Uhr ertönten „Kanzler Kurz“-Rufe. Die Farbe der Wahl war nicht nur im Kursalon, sondern auch modetechnisch freilich auch diesmal wieder Türkis. Verköstigt wurden die Feiernden mit Frankfurter. Pünktlich begann das Programm, die Moderation übernahm Peter L. Eppinger.

Die SPÖ war am Sonntagnachmittag kurz vor der ersten Hochrechnung zur Nationalratswahl bemüht, gute Stimmung zu verbreiten. Spitzenkandidatin Pamela Rendi-Wagner verschwand in ihrem Büro, auch sonst zeigte sich wenig Polit-Prominenz. Einzig SPÖ-Klubvize Jörg Leichtfried äußerte sich - wenn auch sehr zurückhaltend. „Warten wir mal die Hochrechnungen ab, im Moment lässt sich noch nicht viel sagen“, sagte er. Die Stimmung in den letzten Tagen sei aber gut gewesen, merkte er auf seinem Weg Richtung Wahlzentrale in der Hofburg an.

In der Wahlzentrale der Grünen im „Metropol“ in Wien-Hernals herrschte Sonntagnachmittag vor Bekanntgabe der ersten Hochrechnung angespannte Vorfreude. Ab 16 Uhr begannen sich die Reihen zu füllen. Dass man erneut an der Vier-Prozent-Hürde scheitern könnte, schien niemand anzunehmen. „Ich habe das gute Gefühl, dass wir wieder reinkommen“, meinte etwa der Wiener Spitzenkandidat Lukas Hammer. „Vom Rest lasse ich mich überraschen.“

Ausschließlich Medienvertreter haben sich im Medienzentrum der Freiheitlichen am Wahlnachmittag eingefunden. Blaue Prominenz ist zumindest eine halbe Stunde vor der Hochrechnung völlig ausgeblieben. Eine erste Reaktion vor den Journalisten soll kurz nach der ersten Hochrechnung zumindest Generalsekretär Harald Vilimsky abliefern.

Die Spannung steigt: Gerhard Koller ist für krone.tv in der Hofburg und berichtet über die Wahl und den Wahlausgang. Im Pressezentrum in der Nationalbibliothek herrschte am Sonntagnachmittag bereits geschäftiges Treiben. Politiker ließen sich vorerst keine blicken, sie dürften erst am Abend zu den Live-Einstiegen der diversen Fernsehstationen eintreffen. Innenminister Wolfgang Peschorn wird am Abend in der Nationalbibliothek das vorläufige Ergebnis bekanntgeben.

Schlangen und andere Kuriositäten im Wahllokal: Wenn gewählt wird, schlägt die Stunde der Wahlbeisitzer. Sie werden von den Parteien entsandt und achten in den Wahllokalen darauf, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Dass es dabei zu skurrilen Begebenheiten kommt, versteht sich von selbst. Auf Twitter tauschten sich die Beisitzer unter dem Schlagwort #beifunk aus - und zeigen uns die seltsamen Seiten der Wahl.

Eigentlich heute unvorstellbar: Lange Zeit war es verboten, am Wahltag und teilweise sogar am Tag davor Alkohol auszuschenken - der Konsum war hingegen immer erlaubt. In der Monarchie war ein solches Verbot noch kein Thema, erst nach der Gründung der Ersten Republik. Auch in der Zweiten Republik existierte eine solche Regelung, der Ausschank „alkoholischer Getränke“ war am Tag vor der Wahl ab 20 Uhr und am Wahltag demnach bis 20 Uhr verboten. Als Strafrahmen waren bis zu 1000 Schilling vorgesehen. Das Verbot galt bis ins Jahr 1979.

Während es für Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache in Bezug auf die Spesenaffäre wirklich eng werden könnte, er darf laut einem Medienbericht „das Land nicht verlassen“, hofft Strache-Gattin Philippa - die sich zuletzt noch via Facebook in der Spendenaffäre zu Wort gemeldet hatte - auf ein blaues Nationalratsmandat. Der politik-erfahrene bzw. -gebeutelte Ehemann unterstützt sie dabei auch am Wahltag tatkräftig, etwa mit Social-Media-Postings an seine zahlreichen Follower.

Der Spitzenkandidat der Grünen, Werner Kogler, hat einen intensiven Wahlkampf hinter sich, er hofft auf den Wiedereinzug der Ökopartei in den Nationalrat. Nach der Stimmabgabe in Wien-Wieden war Kogler am Sonntag zum Scherzen aufgelegt, er fand beim Wählen doch glatt seinen „Doppelgänger“, wie er in einem Posting auf Instagram verriet.

Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein ist Sonntagnachmittag in einer Volksschule in Wien-Neubau zur Wahl geschritten. „Das ist ein wichtiger Tag für Österreich“, sagte sie nach dem Urnengang knapp.

Am Dienstag wird die Regierung unter Bierleins Führung zum Bundespräsidenten gehen und dem Staatsoberhaupt der Tradition entsprechend die Demissionierung anbieten. Van der Bellen wird die Regierung dann mit der Fortführung der Geschäfte betrauen, bis die Koalitionsverhandlungen abgeschlossen sind.

Vorarlberger sind schon fertig: In Vorarlberg ist der Urnengang zur Wahl des Nationalrats bereits beendet. Wie im westlichsten Bundesland üblich, schlossen die letzten Wahllokale um 13 Uhr. Bei, wie auch in Wien, herrlichem Herbstwetter scheinen in Vorarlberg viele Personen wählen gegangen zu sein, die Parteien wagten dennoch vorerst keine Einschätzung der Wahlbeteiligung.

Wahltag bei strahlendem Sonnenschein: Rund 6,4 Millionen Österreicher sind am Sonntag aufgerufen, den Nationalrat neu zu wählen - bei herrlichem Herbstwetter samt strahlendem Sonnenschein. Gegen Mittag schritt auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen mit Gattin Doris Schmidauer und First Dog „Juli“ zur Urne.

Spitzenkandidaten entspannt am Wahlsonntag: Die Spitzenkandidaten gingen den Wahlsonntag entspannt an, nach der Stimmabgabe verbringen ihn die meisten im Kreis ihrer Familie. Am frühen Abend geht es dann in die Wahlzentralen bzw. zum Interviewmarathon ins Medienzentrum in der Hofburg. Je nach Wahlergebnis gefeiert oder getrauert wird am Abend im Kursalon Hübner (ÖVP), in der Prater Alm (FPÖ), im Zelt vor der Parteizentrale (SPÖ), im Volksgarten (NEOS), im „Metropol“ (Grüne) oder im „Aux Gazelles“ (JETZT). Alles Infos und aktuelle Videos zum Urnengang der Spitzenkandidaten finden Sie hier und sehen Sie im Video unten:

krone.tv mit Live-Sondersendung: Besonders großes Augenmerk legt krone.at heute auf die TV-Berichterstattung: Unsere Reporter beleuchten den Wahltag zum einen von mehreren verschiedenen Standorten aus, krone.tv berichtet live in einer Sondersendung (Video oben) - auch diese ist direkt auf der Startseite abrufbar. Moderator Gerhard Koller und OGM-Experte Christoph Haselmayer berichten live von unserer Außenstelle in der Wiener Hofburg, Damita Pressl und Katia Wagner aus unseren Studios, wo wir jede Menge Gäste erwarten. Mit interessanten Live-Grafiken wird man bei uns bis in die Nachtstunden topinformiert sein!

Sebastian Kurz Samstagabend im letzten krone.tv-Interview vor der Wahl:

Last-Minute-Analyse: Was nach der Wahl passiert: Selten war es in Österreich vor einer Wahl so spannend: Die große Frage ist, wie sehr sich „Ibiza-Skandal“ und auch die mutmaßliche „Spesen-Affäre“ rund um Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache auf das Wahlergebnis auswirken. Wenn am Abend die Stimmen ausgezählt werden und sich das Endergebnis abzeichnet, wird es wohl auch in den Parteien brodeln. Wer koaliert mit wem? Welche Parteichefs stehen vor der Ablöse? Der Gründer und Geschäftsführer des renommierten Markt- und Meinungsforschungs-Instituts OGM, Wolfgang Bachmayer, hat für krone.at den Blick in die Zukunft gewagt - hier geht‘s zu „Last-Minute-Analyse“.

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