Rapids Finanzchef:

„Sonst ist Fußball bald nicht mehr Nummer eins“

Rapids Finanzchef Raphael Landthaler kämpft für Österreich bei der UEFA um eine Europacup-Reform. Sein Ziel: Ab 2024 drei Bewerbe mit 128 Teams in den Gruppenphasen. Superreich werden die Klubs nur durch die TV-Gelder.

„Ronaldo wurde ja nicht bei Real geboren.“ Logisch - und dennoch machen diese Worte von Raphael Landthaler Sinn. Denn er ist nicht nur der „Herr der Finanzen“ bei Rapid, sondern auch ein Vertreter in der European Club Association (ECA). Sogar in gehobener Position, im Vorstand der zweiten Division, gleich unter den Top-5-Ligen, also Deutschland, England, Italien, Spanien und Frankreich. Und die gilt es zu überzeugen.

Klar, es geht um die Zukunft des Fußballs. Die Drohung einer Superleague war einst durchaus ernsthaft. Real, Barcelona, Paris, Bayern und natürlich die Engländer wollen mehr Geld. Legitim. Sieht auch Landthaler so: „Das große Geld kommt ja auch von diesen Klubs.“ Doch Landthaler hält dagegen: „Die Top-5-Ligen müssen froh sein, dass noch überall in Europa professionell gespielt wird. Sonst ist Fußball bald nicht mehr die Nummer eins der Welt. Jedes Land braucht seine Zugpferde.“ Siehe Portugal und Ronaldo.

Mehr Startplätze
Daher der Plan von Landthaler und der ECA: Mehr Geld, aber für mehr Klubs. Das geht nur über Europacup-Reformen: „Seit 2009 haben 597 Klubs an der Quali teilgenommen, 377 Klubs waren nie in der Gruppenphase dabei.“ Das sind beachtliche 63 Prozent.

Daher gibt es ab 2021 einen dritten Europacup-Bewerb, können 16 Klubs mehr (insgesamt 96) mitnaschen. Das hilft vor allem den “Kleinen„ wie Österreich, da die Top-Ligen nicht mehr Startplätze bekommen. Und für 2024 gibt es die Vision, mit 64 Teams die Europa League 2 zu spielen. Dann wäre insgesamt 128 Teams in den Gruppenphasen dabei. Wobei die Champions League in vier Achter-Gruppen geplant wäre, macht 14 Spieltage. Auch da klingelt’s in der Kassa.

Das Geld soll über die TV-Verträge kommen: „Die Sender brauchen Inhalte, um sich gegen Netflix und Co. durchzusetzen“, glaubt Landthaler und räumt mit dem Gerücht auf, dass Real, Barça, Bayern oder die Engländer erst durch die Königsklasse superreich wurden. „Die Top-5-Ligen machen 6,6 Milliarden aus den TV-Erlösen. Die 50 anderen Ligen Europas lukrieren zusammen nur 864 Millionen Euro. Und wenn der Absteiger in England mehr an TV-Geldern verdient als der Champions-League-Sieger an Prämien kassiert, dann sagt das viel aus.“

Große brauchen Kleine
Soll heißen: Die Großen brauchen die Kleinen, um noch größer zu werden. Da bringen Solidaritätszahlungen nichts. Weil der größte Einzahler auch das meiste herausnimmt. Daher soll der Europacup noch breiter aufgestellt werden. Im Herbst wird darüber mit der UEFA in Nyon verhandelt. Dafür wird Landthaler kämpfen.

Rainer Bortenschlager, Kronen Zeitung

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