08.09.2019 16:53 |

„USA werden leiden“

Gesprächsabbruch: Taliban drohen mit Vergeltung

Nachdem US-Präsident Donald Trump die Friedensgespräche mit den radikalislamischen Taliban überraschend abgebrochen hat, droht die Terrorgruppe mit Vergeltung: Dieser Schritt werde zu weiteren Verlusten von Menschenleben auf US-Seite führen, kündigte sie an. Der Gesprächsstopp beschädige die Glaubwürdigkeit der USA und zeige der Welt, dass die USA gegen Frieden seien, so die Taliban am Sonntag in einer Mitteilung.

„Die Amerikaner werden mehr als alle anderen unter dem Abbruch der Gespräche leiden“, drohten die Taliban. Sie hatten zuvor zugegeben, für einen Angriff in der afghanischen Hauptstadt Kabul verantwortlich zu sein, bei dem ein US-Soldat und elf weitere Menschen getötet wurden. Wegen des tödlichen Anschlags erklärte US-Präsident Trump am Samstagabend (Ortszeit) überraschend, dass er die Verhandlungen mit den Taliban abgebrochen habe.

Trump schrieb auf Twitter, er habe zudem ursprünglich für Sonntag in Camp David geplante geheime Treffen mit den Taliban und - getrennt davon - mit dem afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani abgesagt. Ob dies das endgültige Aus für die Verhandlungen ist, ist derzeit unklar.

Ghani betonte nach der Absage Trumps, Frieden werde nur möglich, wenn sich die Taliban zu einer Feuerpause bereit erklärten. Er strebt bei dem Ende des Monats anstehenden Urnengang seine Wiederwahl an. Die Taliban wollen den Wahltermin aber durchkreuzen. Sie verlangen die Absage der Wahl als Voraussetzung für den Abschluss eines Friedensabkommens mit den Amerikanern. Ghani beharrt jedoch auf den Termin.

US-Außenminister schließt Wiederaufnahme von Dialog nicht aus
Die Verhandlungen seien „bis auf Weiteres tot“, sagte US-Außenminister Mike Pompeo am Sonntag. Die USA würden ihren Afghanistan-Sonderbeauftragten zurückbeordern, „um über die weiteren Schritte zu beraten“. Sollten die Taliban „ihre Haltung ändern“, könnten die Verhandlungen wiederaufgenommen werden, so Pompeo.

In jedem Fall werde die US-Regierung alles tun, um die Amerikaner und US-Interessen zu schützen, betonte Pompeo. Die USA würden auch nur dann Soldaten aus Afghanistan abziehen, wenn die Bedingungen dafür angemessen seien. Trump habe diesbezüglich noch keine Entscheidung getroffen.

Taliban: „Wir ziehen Dialog dem Kampf vor“
In der Taliban-Erklärung hieß es weiter, man habe mit dem US-Verhandlungsteam ein Abkommen erzielt, mit dem auch die US-Seite zufrieden gewesen sei. Beide Seiten seien damit beschäftigt gewesen, sich auf die Unterzeichnung des Abkommens vorzubereiten. Innerafghanische Gespräche - zwischen den Taliban und Vertretern der Regierung in Kabul sowie der Zivilgesellschaft - hätten am 23. September beginnen sollen.
Die Taliban seien bereit, die Gespräche weiterzuführen. „Obwohl uns der Krieg aufgezwungen wird, ziehen wir die Option, ihn über Dialog zu lösen, dem Kampf vor“, hieß es weiter.

Die USA und die Taliban sprachen seit Juli 2018 über eine politische Lösung des bald 18 Jahre dauernden Konflikts in Afghanistan. Beide Seiten zeigten sich bis zuletzt zuversichtlich, bald ein Abkommen zu unterzeichnen. Die Taliban hatten ungeachtet dessen vergangene Woche eine massive Angriffswelle gestartet, aber auch die Regierungskräfte und ihre US-Verbündeten setzten Luftangriffe und Offensiven fort.

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