04.09.2019 15:13 |

Gewerkschaft empört

Angestellte wegen Plan für Betriebsrat gekündigt?

Tiefe Abgründe hinter einer schönen Fassade: Erneut fällt ein großes Einzelhandelsunternehmen mit mutmaßlichen unschönen Praktiken auf. So verspricht die Parfümeriekette Douglas ihren Kundinnen zwar schönes Aussehen, alles andere als schön scheinen jedoch die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten zu sein. Taschenkontrollen und eine verhinderte Betriebsratsgründung stellen dem Management kein schönes Zeugnis aus. Vier Mitarbeiterinnen, die offenbar vom Unternehmen als Drahtzieherinnen einer Wahl ausgemacht wurden, wurden Ende August gekündigt und sofort freigestellt. Die Gewerkschaft (GPA) ist empört, das Unternehmen selbst dementiert jeglichen Zusammenhang.

Im heimischen Einzelhandel gibt es einige große Firmen ohne Betriebsrat. Eine davon ist die Österreich-Niederlassung der deutschen Parfümeriekette Douglas mit mehr als 400 Beschäftigten.

In einer Pressekonferenz zusammen mit der Gewerkschaft in Wien prangerten am Mittwoch zwei betroffene Mitarbeiterinnen - Sabrina E. und Emilija S. - „bedenkliche Zustände“ bei Douglas Österreich an. Sie sprachen von spontanen Taschenkontrollen, Spindkontrollen in Abwesenheit der Mitarbeiter (mit Zentralschlüssel), einer hohen Anzahl von Kündigungen und einer überhaupt von Angst geprägten Stimmung, auch Kranksein oder Pausenzeiten würden ignoriert.

Im Juni wurde die GPA-djp kontaktiert, um Vorbereitungen für eine Betriebsratswahl zu treffen, die Führungsebene wurde informiert. Kandidatinnen hätte man schon genug bei der Hand gehabt. Darauf seien „Motivationsgespräche“ mit vielen Kolleginnen angesetzt worden, von den zwei Gekündigten Sabrina E. und Emilija S. als „Aushorchen“ erachtet. Dabei sei es offenbar nur darum gegangen, Gründe für eine mögliche Kündigung der „Unruhestifterinnen“ zu finden.

Dass die aktuellen Kündigungen mit einem jüngst verkündeten Sparprogramm des Douglas-Konzerns zu tun haben, glauben die betroffenen Angestellten nicht. Von den von der Zentrale in Deutschland angekündigten Filialschließungen wäre vor allem Südeuropa betroffen, nicht aber die Ketten in Deutschland und Österreich. „Wir wurden ja auch nachbesetzt“, sagte Sabrina E.

Unternehmen kontert: Kündigungen nicht wegen Betriebsratskündigung
Die GPA hat die Rechtsvertretung von Betroffenen übernommen und Anfang der Woche am Arbeitsgericht Klage gegen die Kündigungen wegen „verpönten Motivs“ eingebracht. Gefordert wird die Rücknahme der Rausschmisse und die Wiedereinstellung von drei der vier Angestellten - eine gekündigte Mitarbeiterin will offenbar nicht zurück.

Vonseiten des Unternehmens wurde am Mittwoch ein Zusammenhang der Kündigungen mit einer Betriebsratsgründung in Abrede gestellt. Die Anschuldigungen der Gewerkschaft, dass diese Kündigungen im Zuge einer Betriebsratsgründung ausgesprochen wurden, würden nicht den Tatsachen entsprechen. Stichprobenartige Taschen- und Spindkontrollen seien in Österreich gesetzlich zulässig, reagierte die Douglas-Pressesprecherin indessen auf die weiteren Vorwürfe. Selbstverständlich fänden solche Kontrollen stets nur im Beisein der Mitarbeiterinnen statt.

In Deutschland gibt es bei Douglas seit 2017 einen Gesamtbetriebsrat. In Österreich hat Douglas 46 Filialen. Für die hierzulande Beschäftigten hatte es vor Jahren bereits einmal einen Anlauf zur Gründung eines Betriebsrats gegeben, das Vorhaben hatte sich dann aber im Sand verlaufen, weil nicht alle an Bord blieben, hieß es am Mittwoch aus der Gewerkschaft. GPA-Bundeschefin Barbara Teiber appellierte an das Unternehmen, die Kündigungen zurückzunehmen. Für Douglas-Beschäftigte wurde eine Hotline (0676/817 111 011) eingerichtet. Bei Douglas stehe man „den angekündigten nächsten Schritten der GPA-djp offen gegenüber“, so die Sprecherin der Parfümeriekette.

Schwere Vorwürfe auch schon gegen Müller Österreich
Schwere Vorwürfe (Taschenkontrollen, Spindkontrollen etc.) hatte es in Österreich vor mehr als zwei Jahren auch bei einem anderen Drogeriekonzern gegeben: bei Müller Österreich. Die Gewerkschaft hatte damals auch im Fall Müller den Vorwurf erhoben, eine Wiener Verkäuferin sei wegen ihres Engagements für die Gründung eines Betriebsrats gekündigt worden. Dieser Fall wurde mittlerweile außergerichtlich beigelegt. An der Gründung eines bundesweiten Betriebsrats ist man bei Müller Österreich indes noch immer dran.

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