31.08.2019 06:00 |

„Krone“-Besuch

Reinhold Messner: „Lasst die Gletscher in Ruhe!“

Bald feiert er seinen 75. Geburtstag. Doch an Ruhe denkt Extrembergsteiger Reinhold Messner noch immer nicht. Neben seiner Liebe für die Berge beschäftigt ihn auch der Umgang der Menschheit mit Hochgebirgen und Gletschern. Er warnt: In zehn Jahren werden alle kleineren Gletscher der Alpen verschwunden sein.

Majestätisch thront das Schloss Sigmundskron über den Dächern von Bozen. An seiner Festungsmauer steht beim Besuch der „Krone“ ein nachdenklicher Reinhold Messner.

„Die Alpen sind durchlässig geworden“, sinniert er und deutet auf den unterhalb der Burg vorbeirauschenden Autoverkehr. Die Autos kommen wie aus dem Nichts und verschwinden ins Nichts. Die Alpen seien früher noch ein Hindernis gewesen, heute werde aber immer mehr erschlossen und präpariert. Ein Sinnbild für den Extrembergsteiger.

Menschenstau am Everest, Gletscher für tot erklärt
Nicht nur die Verkehrssituation, auch die Bergwelt an sich beschäftigt den bald 75-Jährigen. Und ihre Zukunft. Die Alpen sind immer hier gewesen, doch irgendwann kam der Mensch und besiedelte und kultivierte sie. Laut Messner sei das an sich noch nicht das Problem, dieses werde aber aktuell in den höheren Bergregionen ersichtlich. Die Bilder dazu sind uns allen in Erinnerung: der Menschenstau, der sich am höchsten Gipfel der Erde, dem Mount Everest, bildete, ebenso wie der erst kürzlich in Island zu Grabe getragene und offiziell für tot erklärte Gletscher.

Massenalpinismus- und Tourismus
„Die Gletscher sind leider ein großes Problem“, erklärt Messner, sein Blick verfinstert sich. Er glaube, dass die kleineren Eisgebilde in zehn Jahren verschwunden sein werden. Nur große Gletscher würden noch ein paar Hundert Jahre leben. Dabei solle man sie und die höheren Regionen einfach in Ruhe lassen. Eine große Rolle spielen Massenalpinismus- und Tourismus. Früher, so die Berglegende, habe man aus Angst vor Abstürzen Gebirge und Gletscher nicht betreten. Heute habe man den Bergen mit präparierten Steigen, Pisten und sogar Hubschrauberlandeplätzen hingegen Kraft und Größe genommen ...

Stefan Steinkogler, Kronen Zeitung

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