Langzeitstudie

Zu viel Fernsehen schadet Kindern nachhaltig

Wissenschaft
04.05.2010 11:18
Wer aktive Kinder ohne Übergewicht und Schulprobleme großziehen will, sollte sie vor allem in den ersten Lebensjahren vom Fernseher fernhalten. Eine Langzeitstudie in Kanada zeigt, dass zu viel TV-Konsum in jungen Jahren nachhaltige Spuren hinterlässt. Kinder, die mehr als zwei Stunden pro Tag vor der Glotze sitzen durften, neigten auch als Zehnjährige noch zu weniger Bewegung, waren passiver im Unterricht, hatten speziell mit Mathe zu kämpfen und waren dicker.

"Die frühe Kindheit ist eine entscheidende Zeit für die Entwicklung des Gehirns und die Entstehung von Verhalten", erläuterte Linda S. Pagani, die federführende Autorin der im US-Fachblatt "Archives of Pediatric & Adolescent Medicine" veröffentlichten Studie.

Werdegang von 1.314 Kindern analysiert
Gemeinsam mit Kollegen vom Forschungszentrum des Sainte-Justine-Uniklinikums sowie der amerikanischen Universität von Michigan verfolgte Pagani, Professorin an der Universität Montreal, den Werdegang von 1.314 Kindern, die an der Quebecer Langzeituntersuchung teilnahmen. Dazu ließen sie die Eltern Tagebuch über den TV-Konsum ihrer Kleinen im Alter von 29 bis 53 Monaten (rund zweieinhalb bis viereinhalb Jahren) führen.

Jahre später baten die Forscher die Lehrer ihrer inzwischen zehnjährigen Probanden, um einen ausführlichen Bericht über deren Verhalten und Leistungen in der Schule. Daraus ergab sich, dass die Schüler, die als Zwei- bis Vierjährige mehr als zwei Stunden am Tag ferngesehen hatten, sich durchschnittlich sieben Prozent weniger in der Klasse meldeten und ihren Mitschülern in Mathe hinterherhinkten.

Häufiger gehänselt, zurückgewiesen, angegriffen
Besonders auffällig war, dass die Vielschauer mehr Probleme mit ihren Klassenkameraden hatten und häufiger gehänselt, zurückgewiesen oder auch angegriffen wurden. Darüber hinaus waren sie am Wochenende zu 13 Prozent weniger aktiv und betätigten sich insgesamt zu neun Prozent weniger sportlich. Sie naschten zehn Prozent mehr zwischen den Mahlzeiten und wogen schon als Zehnjährige fünf  Prozent mehr.

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