20.08.2019 10:01 |

Akzeptanz für Tattoos

Image des Tattoos hat sich gewandelt

Im Sommer zeigt Österreich wieder viel Haut. Dabei kommen auch Tätowierungen wieder zur Geltung. Was früher als Symbol für Außenseiter gehandelt wurde, ist inzwischen zur Körperkunst avanciert. Tattoos sind weitgehend gesellschaftsfähig geworden und erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Farbenfroh und üppig blitzen sie nicht mehr nur dezent unter dem Saum hervor. Österreich bekennt Farbe, und das in jeder Lebenslage.

Knastbrüder, Seefahrer oder Mitglieder in Bikergangs, das waren ursprünglich Kandidaten, die eine Tätowierung trugen. Böse Buben eben, Außenseiter der Gesellschaft. Bei Frauen waren es fast ausschließlich Prostituierte.

Tattoos konnten eine Geschichte vom Gefängnisalltag, vom rauen Leben auf der Straße erzählen oder einen eindeutigen Symbolcharakter in der Welt des organisierten Verbrechens haben. Einen guten Ruf hatten die damals meist noch in schwarz-weiß gehaltenen Bilder, Schriftzeichen oder Symbole lange Zeit nicht.

Heute sind Tätowierungen alltäglichen geworden und zum Ausdruck von Lebensgefühl und Körperkunst avanciert. Zumindest im normalen Alltag. In manchen Bereichen sind Tattoos allerdings nach wie vor nicht gerne gesehen. So musste jüngst die mehrfache „Miss Tattoo“ ihren Berufswunsch zur Polizistin aufgeben. Der Grund: Auch sichtbare Körperbereiche sind bei ihr mit „Peckerln“ bedeckt. Dies ist für die Beamten im Polizeidienst tabu.

Professionelle Tätowierer bieten heute ihre Dienste nicht mehr in schlecht beleuchteten Hinterzimmern an, sondern empfangen ihre Kunden aus nahezu jeder Altersklasse und jeder Gesellschaftsschicht in gut eingerichteten Studios, in denen es neben einer großen Auswahl an Motiven und Stilrichtungen auch eine umfangreiche künstlerische und medizinische Beratung vom Fachmann gibt, oder natürlich von der Fachfrau.

Zahl der Tätowierten nimmt stetig zu

Laut einer Studie des IMAS-Institutes ist heute allein jeder vierte Österreicher tätowiert. 21 Prozent der Befragten, die bisher noch kein Tattoo tragen, denken ernsthaft darüber nach, sich das eine oder andere Motiv stechen zu lassen. Im Schnitt liegt das Alter der Besucher im Tattoostudio zwischen 20 und 60 Jahren. Besonders stark ist die Körperkunst aber bei den unter 35-Jährigen anzutreffen. Etwa zwei Fünftel dieser Altersgruppe sind heute tätowiert.

Motivwahl unterscheidet sich bei Männern und Frauen

Der Wunsch, den eigenen Körper durch ein professionell gestochenes Tattoo zu verschönern oder eine Botschaft zu verewigen, ist bei Männern und Frauen gleichermaßen stark ausgeprägt. Welche Körperstellen dabei für ein Tattoo ausgewählt werden, ist geschlechterspezifisch sehr unterschiedlich:

  • Frauen finden vor allem filigrane Motive am Fuß oder am Fußknöchel ästhetisch ansprechend. Auf Platz Zwei liegen Tattoos auf Schultern oder Rücken.
  • Die Herren lassen sich besonders gerne ihre muskulösen Oberarme durch ein Tattoo verzieren. Auch bei ihnen sind Schultern und Rücken auf Platz Zwei der Rangliste zu finden.

Vielfältige Beweggründe für den dauerhaften Körperschmuck

Die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppierung oder gesellschaftlichen Strömung steht bei der Entscheidung für ein Tattoo sehr weit oben. Sind Tätowierungen oder andere Formen des Körperschmucks in einer sozialen Gruppierung häufig anzutreffen oder sogar Ausdruck eines speziellen Lebensgefühls oder einer Grundeinstellung, kann der Druck wachsen, sich selbst ein Tattoo stechen zu lassen.

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass sich Menschen mit einem niedrigeren Bildungsabschluss deutlich häufiger für eine Tätowierung entscheiden als Akademiker. Als Argument gegen den Eingriff wird noch immer hauptsächlich die Sorge vor gesellschaftlichen Vorurteilen angeführt, aber auch die Tatsache, dass Tätowierungen ohne aufwendige Behandlung ein Leben lang bleiben. Immerhin 35 Prozent der noch nicht Tätowierten schreckt diese Vorstellung ab.

Eine Entscheidung fürs Leben? Moderne Lasertechnik macht vieles möglich

Mit der Akzeptanz von und der Begeisterung für die kreative Körperkunst entwickeln sich auch die technischen Möglichkeiten im Bereich des Tätowierens. Das gilt allerdings nicht nur für das Aufbringen der Hautbilder. Auch bei der Entfernung der Tattoos sind die medizinisch-technischen Möglichkeiten inzwischen ausgezeichnet.

Die Möglichkeiten der plastischen, ästhetischen und rekonstruktiven Chirurgie sind so weit entwickelt, dass ungeliebte Tattoos meist schmerzarm und vor allem narbenfrei entfernt werden können. Mit hochwertigen Technologien wie einem Rubinlaser oder der neuen PICO-Lasertechnik müssen jetzt auch farbige Tätowierungen nicht mehr ein Leben lang auf der Haut bleiben.

Auch Teilentfernungen oder Korrekturen sind dadurch im farbigen Bereich möglich geworden, wie Dr. Andreas Hillisch erklärt. Der Experte für die medizinische Entfernung von Tattoos behandelt in seiner Praxis seit Jahren Patienten, die Tätowierungen korrigieren oder ganz oder teilweise entfernen lassen möchten.

So lassen sich nicht nur farbige Tattoos spurlos und vor allem narbenfrei entfernen, der gewünschte Erfolg lässt sich auch nach kürzeren Behandlungszeiten und deutlich schmerzärmer erreichen. Dank modernster Lasertechnik kann der Körperschmuck meist so rückstandslos entfernt werden, dass mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen ist, wo einmal ein Tattoo gewesen ist.

Eine gute Nachricht für alle Freunde der Körperkunst, denn tatsächlich wächst in der Gesellschaft nicht nur der Wunsch nach Körperschmuck, ein nicht geringer Anteil der Tätowierten hat sich irgendwann auch satt gesehen an den gewählten Motiven und wünscht sich eine Entfernung. Der Grund dafür ist individuell und nicht mehr schwerpunktmäßig von der gesellschaftlichen Meinung geprägt. Für rund 70 Prozent der Österreicher ist der IMAS-Studie zufolge eine Tätowierung nämlich reine Privatsache. Nur knapp 30 Prozent lehnen Tattoos nach wie vor komplett ab.

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