"Super-GAU" im Golf
Biologe: Anrainer-Staaten sind mit schuld an Ölpest
Die US-Staaten an der Südostküste - nämlich Louisiana, Alabama und Texas; Mississippi und Florida liegen zwar in der Golfregion, fördern aber kein Erdöl vor ihren Küsten - würden Milliarden an Einnahmen über Lizenzvergaben für Ölbohrungen verbuchen und hätten für den Fall der Fälle vorsorgen müssen. Stattdessen herrsche aber "Inkompetenz und Blindheit" vor, kritisiert Stachowitsch.
Die Gouverneure der jeweiligen Regionen haben bislang vor allem BP die Schuld zugewiesen und werfen der Regierung von Barack Obama ein zu spätes Erkennen der Ausmaße der Katastrophe vor. An ein baldiges Ende der Katastrophe glaubt Stachowitsch nicht: "Als im Jahr 1980 der Unfall mit der Ölplattform Xtoc passierte, flossen über einen Zeitraum von neun Monaten rund 500.000 Tonnen Öl ins Meer", erinnerte sich der Meeresbiologe.
Eine Katastrophe, der man kaum Herr werden kann
Einmal an der Oberfläche angelangt, gibt es mehrere Möglichkeiten, den Ölteppich halbwegs in den Griff zu bekommen. Unproblematisch sind diese Methoden jedoch alle nicht. Die schonendsten Verfahren seien noch das Einfangen des Öls mittels mechanischer Sperren bzw. das Aufsaugen mittels Gewebebändern, was aber derzeit aufgrund der unruhigen See nicht zu funktionieren scheint.
Angesicht der Dimension des Ölteppichs sei der Einsatz von Chemie nicht zu vermeiden. Dabei gebe es zwei unterschiedliche Methoden: Bei der einen wird das Rohöl durch Zugabe von Chemikalien "koaguliert", das heißt es klebt zu Klumpen zusammen und kann dann abgesammelt werden. Eine andere Möglichkeit sei die Zerlegung des Öls mittels seifenartiger Substanzen in kleine Tröpfchen, die sich dann leichter auflösen und abbauen. Die Chemikalien seien zwar mittlerweile bezüglich des zu erwartenden Schadens für die Biologie verbessert worden, aber immer noch giftig, so Stachowitsch.
Prinzipiell wird Erdöl als natürlich vorkommende Substanz von Mikroorganismen auch abgebaut, es ist nur eine Frage der Zeit. So sind die am schwersten flüchtigen Anteile des Öls noch Jahre und Jahrzehnte später an den von einer Ölkatastrophe betroffenen Küsten oder auch in den Meeren selbst als Klumpen oder Teerbälle zu finden. Meeresschildkröten fressen nicht selten solche Klumpen und vergiften sich damit. Katastrophale Auswirkungen für die Wasserschildkröten erwartet sich Stachowitsch aber auch von der Küstenverschmutzung durch das Öl. So laufe in den kommenden Wochen die Paarungszeit der Tiere im Golf von Mexiko an.
Erste Ausläufer an Küste angekommen
Die US-Bundesstaaten Louisiana, Florida, Alabama und Mississippi haben am Sonntag den Notstand ausgerufen. Bis zum Abend waren erste dünne Ausläufer des Ölteppichs in die Kanäle zwischen den kleinen Inseln vor der Küste Louisianas geschwappt, Umweltschützer berichten von etlichen angeschwemmten toten Fischen und Meeresschildkröten, bei denen die Todesursache allerdings noch geklärt werden müsse. In einigen Küstengebieten wurden erste verschmutzte Vögel gefunden.
Die ersten schweren Ölklumpen könnten am schon am Dienstag die Küsten erreichen. "Dieses Ereignis ist so groß und es dehnt sich so schnell aus, dass der Mensch eigentlich keine effektiven Antworten darauf geben kann", sagte Richard Charter von den "Defenders of Wildlife" dem US-Nachrichtensender CNN. Die Ölkatastrophe werde jahrzehntelange Folgen haben.
Obamas Innenminister Ken Salazar sagte, es könnte bis zu drei Monate dauern, bis Entlastungsbohrungen die Lecks zum Versiegen bringen. Aus der Quelle schießen jeden Tag etwa 800.000 Liter Öl. Sollte das Leck nicht gestopft werden, würde die Verschmutzung in einigen Wochen das Ausmaß der bisher schwersten Ölkatastrophe in den USA übertreffen: die Havarie der "Exxon Valdez" 1989. Bei diesem Unglück vor Alaska traten etwa 41 Millionen Liter Öl aus und verschmutzten die Küste auf einer Länge von 2.000 Kilometern.
Fischfangverbot erlassen
Die US-Meeresschutzbehörde NOAA erließ indes am Montag ein weitreichendes Fischfangverbot für das betroffene Gebiet. Vom Mississippi-Delta bei New Orleans bis zur Pensacola-Bucht in Florida darf ab sofort kein Fisch oder andere Meeresfrüchte mehr gefangen werden, das 17.500 Quadratkilometer Seegebiet wurde für mindestens zehn Tage für die Fischerei gesperrt.
Wissenschafter sollen prüfen, ob der Verzehr von Fischen und Meeresfrüchten noch sicher ist. Die Fischer im Golf von Mexiko haben dennoch alle Hände voll zu tun: Sie bemühen sich, die wichtigsten Fischgründe mit aufblasbaren Barrieren vor Öl zu schützen.







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