11.08.2019 13:25 |

Frauenleiche gefunden

Angriff auf Moschee „versuchter Terroranschlag“

Beim bewaffneten Angriff auf eine Moschee in Norwegen, bei dem am Samstag ein Gläubiger verletzt wurde, der sich mutig auf den Attentäter gestürzt hatte, handelt es sich um einen „versuchten Terroranschlag“. Der mutmaßliche Täter vertrete rechtsextreme und ausländerfeindliche Ansichten, sagte am Sonntag der leitende Ermittler Rune Skjold. Der junge Mann steht zudem unter Mordverdacht, denn wenige Stunden nach der Tat wurde in seiner Wohnung die Leiche seiner 17-jährigen Stiefschwester gefunden.

Der Mann habe Sympathie für den norwegischen Nazi-Kollaborateur Vidkun Quisling (1887-1945) zum Ausdruck gebracht und sich feindselig gegen Einwanderer geäußert, berichtete die Polizei. Der schwer bewaffnete Attentäter hatte eine Moschee in Baerum, einem Vorort der Hauptstadt Oslo, angegriffen und - angesichts seiner Ausrüstung - wohl ein Blutbad anrichten wollen.

Mit Gewehr und Pistolen bewaffnet, Uniform und Weste getragen
Zum Zeitpunkt der Attacke befanden sich nur drei Menschen in der Al-Nour-Moschee in Baerum, wie der Leiter des Gotteshauses, Irfan Mushtaq, sagte. Den Angreifer beschrieb er in norwegischen Medien als „weißen Mann“, der ein Gewehr und mehrere Pistolen bei sich gehabt habe. Er habe einen Helm, eine kugelsichere Weste und eine Uniform getragen und eine Scheibe eingeschlagen, bevor er um sich geschossen habe, sagte Mushaq.

65-Jähriger stürzte sich auf den Angreifer
Diese Umstände legen nahe, dass der Täter ein größeres Blutvergießen anrichten wollte und wohl damit gerechnet hatte, in der Moschee mehr Opfer anzutreffen. Stattdessen habe sich einer der Anwesenden, ein 65-Jähriger, sofort auf den Angreifer gestürzt und ihn überwältigt. Dabei wurden beide Männer verletzt.

Als der Moschee-Leiter am Tatort eingetroffen sei, habe er Patronenhülsen und Blut auf dem Teppich des Gotteshauses gesehen, wie er schilderte. „Und dann sehe ich eines unserer Gemeindemitglieder auf dem Angreifer sitzen, blutbeschmiert.“ Der Held sei ein Gläubiger, der offenbar nach dem Gebet noch zur Koranlektüre geblieben sei, sagte Mushtaq. Die Moschee habe vor dem Angriff keinerlei Drohungen erhalten. Der Sender NRK berichtete, die Polizei habe mehrere Waffen im Inneren der Moschee gefunden.

Polizei spricht von „versuchtem Terroranschlag“
Nach Angaben der Polizei handelt es sich bei dem Angreifer um einen Norweger im Alter von etwas über den 20 Jahren, der in der Nähe der Moschee gewohnt hat. Bei dem bewaffneten Angriff handelt es sich demnach um einen „versuchten Terroranschlag“. Der mutmaßliche Täter vertrete offenbar rechtsextreme und ausländerfeindliche Ansichten, sagte der leitende Ermittler Rune Skjold am Sonntag vor Journalisten in Oslo.

Der junge Mann sei der Polizei bekannt gewesen, habe jedoch keinen bekannten kriminellen Hintergrund, heißt es. Laut Medienberichten hatte der Verdächtige sich vor der Tat lobend über den Terroranschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch geäußert. Die Internet-Aktivitäten des Festgenommenen würden aber noch überprüft, hieß es.

Ermittlungen wegen Mordes nach Leichenfund
Bei der jungen Frau, deren Leiche kurz nach dem Moschee-Angriff gefunden wurde, handelt es sich um die 17-jährige Stiefschwester des Verhafteten. Die Polizei leitete Ermittlungen wegen Mordes ein. 

„Besuch von Moscheen sollte sicher sein“
Regierungschefin Erna Solberg verurteilte den Zwischenfall nahe Oslo. „Der Besuch von Moscheen, Kirchen und anderen Gotteshäusern sollte sicher sein“, schrieb sie in einer am Abend veröffentlichten Erklärung. Solberg wollte sich nicht zum Tatmotiv äußern.

Die Polizei in Oslo kündigte an, am Sonntag vor Moscheen erhöhte Präsenz mit bewaffneten Kräften zu zeigen. An diesem Tag beginnt für mehr als eine Milliarde Muslime weltweit das Opferfest Eid al-Adha - das wichtigste Fest überhaupt im Islam.

Einen der schwersten rechtsextremen Anschläge verübte Brevik
In Norwegen hatte sich im Juli 2011 einer der schwersten rechtsextremen Anschläge überhaupt ereignet. Anders Behring Breivik tötete damals bei einem Bombenanschlag in Oslo acht Menschen. Weitere 69 Menschen erschoss er auf der Insel Utöya, die meisten Jugendliche.

Im vergangenen März erschoss dann ein Rechtsextremer bei Anschlägen auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch 51 Menschen. Eine der angegriffenen Moscheen trägt den selben Namen wie die Al-Nour-Moschee in Baerum. Der mutmaßliche Täter von Christchurch veröffentlichte vor seiner Tat ein Manifest, wonach er unter anderem von Breivik inspiriert war.

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