03.08.2019 06:00 |

Initiativen gestartet

700.000 Nichtschwimmer: Offensive gegen Ertrinken

700.000 Österreicher sind Nichtschwimmer, nur mehr jedes zweite Kind kann gut schwimmen. Eine Fehlentwicklung, die jetzt auch die Bundesländer auf den Plan ruft. Erste Initiativen sind vielversprechend.

Viele Jahre wurde weggeschaut, doch langsam tut sich was. Höchste Zeit! Denn wie die „Krone“ berichtete, ist Österreich auf dem Weg, ein Land der Nichtschwimmer zu werden. Immer weniger Kinder lernen die sichere Fortbewegung im Wasser. Mit dramatischen Folgen: Ertrinken ist die zweithäufigste Unfall-Todesursache bei Minderjährigen.

Zwei Bundesländer mit Gratis-Kinderkursen
Was nunmehr fast alle Bundesländer auf den Plan ruft! Die mit teils vielversprechenden Initiativen versuchen, dem Negativ-Trend entgegenzuwirken. Etwa das Burgenland. Wo Landesrat Christian Illedits gemeinsam mit den Sport-Dachverbänden in allen Bezirken kostenlose Schwimmkurse für Kinder von sechs bis zwölf Jahren ins Leben gerufen hat. Im Juli wurden bereits 1610 Kinder im Pool trainiert: „Die Nachfrage ist diesmal so groß, dass wir die Aktion im August fortsetzen werden“, sagt Illedits. In Niederösterreich starten Arbeiterkammer und Wasserrettung eine gemeinsame Schwimm-Offensive. AK-Niederösterreich-Präsident Markus Wieser: „Unser Ziel ist es, Kinder von fünf bis sieben Jahren mittels Gratis-Kursen schwimmfit zu machen. Wir setzen auf Prävention, um die Unfallgefahr zu minimieren.“ Die Aktion steigt im August in fünf Bezirken, jeweils nachmittags.

Wien setzt auf Schwimmschwerpunkt
Die Stadt Wien wurde ebenfalls aktiv. So setzt Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky bei den „Summer City Camps“ heuer einen Schwimmschwerpunkt. Ein Turnus dauert zehn Tage, die Kinder haben am Vormittag ein Lernprogramm, am Nachmittag besuchen sie einen von „Easy Swim“ geleiteten Schwimmkurs - Kostenpunkt: 50 Euro/Woche.

Breiter Ausbau von Schulsport-Initiativen
Auch der Westen reagiert. In Tirol etwa setzt Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler auf einen Ausbau des Schulsportservices: „Schwimmunterricht ist derart gefragt, dass wir uns entschlossen haben, die Ausbildung von sechs auf zehn Stunden zu erhöhen. Jedes Kind soll schwimmen können“, sagt Abteilungsleiter Reinhard Eberl. 4500 Kinder sind bereits in den Genuss der Trainings gekommen. Vorarlberg startet unter anderem im Herbst an den Volksschulen den „Wasser-Sicherheits-Check“. Dabei werden rund 1000 Kindern Selbstrettungskompetenzen vermittelt. Kein Schwimmkurs, aber ein wichtiger erster Schritt, um im und am Wasser sicher zu sein.

Trainer vor Ort in Gemeinden installieren
Die Steiermark unterstützt mit „Blue Circus“ ebenfalls ein Projekt, das auf die Stärkung des Gefahrenbewusstseins bei den Allerkleinsten abzielt. In Kärnten wiederum stieg am Mittwoch ein großer Schwimm-Gipfel mit Vertretern der Referate Sport, Gesundheit und Jugend. „Wir werden mit einem Pilotprojekt starten und wollen dieses dann flächendeckend auf Kindergärten und Volksschulen ausrollen“, erklärt Landessportdirektor Arno Arthofer. Ziel ist es, Trainer vor Ort in den Gemeinden zu implementieren. Salzburg hingegen will den Bau zusätzlicher Schwimmflächen forcieren. So soll ein neues Bad im Flachgau errichtet werden, um Platz für Kurse und Trainings zu schaffen. Die Machbarkeitsstudie gibt es schon, als Standort wird Seekirchen oder Neumarkt genannt.

Den Schulen fehlen die Wasserflächen
Denn klar ist: Für die Durchführung von Schwimmkursen braucht es die Bäder. Die Dramatik ist noch nicht so groß wie bei unseren Nachbarn in Deutschland, wo Bädersterben ein großes kommunalpolitisches Thema ist. Doch auch in Österreich hat sich die Anzahl der Schwimmbäder in den letzten zehn Jahren um rund zehn Prozent reduziert. Gemeinden und Betreiber kämpfen mit den hohen Betriebskosten, insbesondere von Hallenbädern. Weshalb den Schwimmschulen immer weniger Wasserflächen für lebensrettende Kurse zur Verfügung stehen. In Wien etwa droht dem Dianabad in der Leopoldstadt, einem Standort mit 200 Jahre alter Geschichte, das Aus. Die private Betreibergesellschaft hat die Schließung für Oktober 2020 angekündigt.

„Die Entwicklung war schleichend“
Mit 124 (!) Staatsmeistertiteln hält Ex-Lagenspezialistin Jördis Steinegger den nationalen Rekord im Schwimmen. Jetzt gibt die Steirerin ihr Wissen an die Jüngsten weiter. Die dreifache Olympiateilnehmerin im Interview mit der „Krone“. 

„Krone“:Sie arbeiten bei der Initiative „Blue Circus“ mit. Was steckt dahinter?
Jördis Steinegger: Wir bieten Schwimmkurse an und touren zudem mit einer Kindergarten-Sicherheitstour durch Gemeinden in Kärnten und der Steiermark. Das ist ein Trockentraining für die Jüngsten, das Impulse setzt. Die Kinder sollen Lust aufs Schwimmenlernen bekommen. Auf spielerische Art vermitteln wir ihnen dabei aber auch die Gefahren.

Warum kann beinahe jedes zweite Kind nicht mehr gut schwimmen?
Der Rückgang an Schwimmern war vermutlich ein schleichender Prozess über Jahrzehnte. Lange ist es nicht weiter aufgefallen, und jetzt ist es schon so weit, dass viele der Eltern selbst nicht mehr schwimmen können. Und deshalb auch weniger Wert darauf legen, es den eigenen Kindern beizubringen. Es braucht eine breite Offensive, um gegenzusteuern.

Anja Richter, Kronen Zeitung

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