23.07.2019 18:00 |

Prozess in Wien

Vorwurf des Vierfachmords: Iraker freigesprochen

Ein Wiener Schwurgericht hat am Dienstagnachmittag einen Iraker (23) vom Vorwurf freigesprochen, im April 2013 als damals 17-Jähriger in seiner Heimat einen Vierfachmord begangen zu haben. Die Geschworenen waren mehrheitlich der Ansicht, dass die irakische Polizei von dem Mann durch Folter ein falsches Geständnis erzwungen hatte. Der Staatsanwalt erbat sich eine Bedenkzeit, der Freispruch ist noch nicht rechtskräftig.

Der Angeklagte soll vor sechs Jahren seine Großmutter, die Frau seines Onkels und zwei Cousinen erstochen haben. Der 23-Jährige erschien zu seiner Verhandlung allerdings als freier Mann. Mehrere Freunde eskortierten ihn in den Gerichtssaal und schirmten ihn vor Medienvertretern ab. Indem er sich sein Sakko über den Kopf legte, machte er sein Gesicht unkenntlich.

Im Irak als vermeintlicher Mörder festgenommen
Anschließend versicherte er dem Schwurgericht in erstklassigem Deutsch - er befindet sich seit 2016 in Österreich -, er habe die Bluttat nicht begangen. Er sei seinerzeit als vermeintlicher Mörder in seiner Heimat festgenommen worden. Die irakische Polizei habe ihn aber schwer gefoltert und zu einem Geständnis vor einem Richter gezwungen.

Fest steht, dass die vier weiblichen Familienmitglieder des Mannes - die Cousinen waren fünf und zwölf Jahre alt - im April 2013 in ihrem Haus in der Nähe von Mossul getötet wurden und dass sich der damals 17-Jährige zum Tatzeitpunkt im Haus befand. Er hatte die Großmutter besucht. Er behauptet, er könne sich nur noch erinnern, wie er am Küchentisch saß und seine Großmutter in den Nebenraum zum Beten ging. Dann setze seine Erinnerung aus - möglicherweise, weil er einen Schlag auf den Kopf bekommen habe. Seine Erinnerung setze wieder in einem Spital in Mossul ein, wo er mit Verletzungen und Schmerzen am ganzen Körper zu sich gekommen sei.

Detaillierte Schilderung der Foltermethoden
Wenig später sei er von der Polizei im Krankenhaus festgenommen worden. Bereits auf der Fahrt zur Polizeistation habe man ihn geschlagen, danach schwerer Folter unterzogen. „Sie haben das alles gesehen, in Hollywood-Filmen. Es ist anders, wenn man das erlebt“, sprach der 23-Jährige die Geschworenen direkt an. Im Anschluss schilderte er detailliert, wenn auch stockend die Folter-Methoden, denen er ausgesetzt war. Unter anderem erzählte er, wie Zigaretten an ihm ausgedämpft wurden. Nachher habe sich der betreffende Polizist die Zigarette immer wieder angezündet und „Deine Haut schmeckt gut“ gesagt.

Um weiteren Misshandlungen zu entgehen, habe er schließlich das ihm vorgegebene Geständnis auswendig gelernt und später vor dem Richter wiederholt. Diesem Geständnis zufolge soll der damals 17-Jährige den Vierfachmord begangen haben, weil er auf den Familienschmuck aus war und unter Lernstress stand - der Bursch stand kurz vor der Matura.

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