Nach Bluttat

Tatortarbeiten abgeschlossen ++ Psychologen rätseln

Wien
15.04.2010 11:24
Im Fall der 14-Jährigen, die zugegeben hat, am Dienstag in Margareten mit einem Küchenmesser ihre Mutter erstochen zu haben, die Tötungsabsicht allerdings bestreitet, hat die Polizei die Tatortarbeit vorerst beendet. Auch die Einvernahme des Mädchens ist aus polizeilicher Sicht vorläufig abgeschlossen, die Jugendliche befindet sich in der Josefstadt in Untersuchungshaft. Psychologen rätseln unterdessen weiter über die Hintergründe der Wahnsinnstat.

"Gerichtspsychologen werden sicher noch besser herauszuarbeiten versuchen, wie es zu der Tat gekommen ist", sagte Polizei-Sprecher Roman Hahslinger am Donnerstag. Die Ermittler stellten in der Wohnung in der Sankt-Johann-Gasse mittlerweile den Tathergang entsprechend den Angaben der 14-Jährigen nach und hielten ihn auch fotografisch fest, wie Hahslinger sagte. Ob noch ein Lokalaugenschein durchgeführt werde, liege nicht im Ermessen der Polizei, sondern werde von der Staatsanwaltschaft entschieden.

Streit um Internet als Auslöser
Auslöser der Bluttat in der Wohnung der vierköpfigen Familie dürfte wiederholter Streit über das Surfen im Internet gewesen sein. Die 37-Jährige wollte der Tochter Internetverbot erteilen, woraufhin die Schülerin offenbar ausrastete, sich ein 25 Zentimeter langes Küchenmesser schnappte, die Mutter bis ins Bad verfolgte und sie dort mit mehreren Stichen niederstreckte. Erst Stunden später wurde das "sehr labil" wirkende Mädchen von der Polizei aufgegriffen, wie Oberstleutnant Gerhard Winkler erklärte.

Winkler, Chef der Verhandlungsgruppe, schilderte den Einsatz nach der Bluttat: "Die Funkstelle hat uns über die Abgängigkeit einer 14-Jährigen informiert. Da war noch nicht klar, ob es sich um eine Zeugin oder Verdächtige handelt. Wir haben dann rasch über Handy mit der Schülerin Kontakt hergestellt. Sie hat gesagt, dass sie im Wienerwald umherirrt und nicht weiß, wo sie ist. Dabei wirkte sie sehr labil, hat immer wieder geweint. Es bestand auch Suizidgefahr."

"Sie war froh, dass sie von uns gefunden worden ist"
Die Beamten versuchten daraufhin, das Mädchen zu beruhigen, wobei sie absichtlich nicht über die Tat sprachen, um die 14-Jährige nicht noch weiter zu verstören. Winkler dazu: "Sie hat dann von selbst zur Straße zurückgefunden. Als wir mit dem Auto zum vereinbarten Treffpunkt bei der Ortstafel Wien gekommen sind, ist sie gleich eingestiegen. Sie war froh, dass sie von uns gefunden worden ist. Das Mädchen hatte ja keine Jacke dabei, trug in der Dunkelheit und Kälte nur eine Hose sowie ein langärmeliges T-Shirt."

Bei Verurteilung drohen 14-Jähriger bis zu zehn Jahre Haft
Nachdem das Mädchen im Verhör die Tat, die sich in einem Wohnhaus in der Sankt-Johann-Gasse ereignet hatte, gestand, ermittelt jetzt die Polizei wegen Mordverdachts. Im Falle einer Verurteilung drohen der 14-Jährigen bis zu zehn Jahre Haft. Sie wurde nach der Einvernahme im Landeskriminalamt Wien in die Frauenabteilung der Justizanstalt Josefstadt eingeliefert. Die Kriminalisten versuchen nun, die genauen Hintergründe des Dramas zu klären.

Nachbarn geschockt: "Das Mädchen war immer höflich"
In Margareten herrscht rundum Fassungslosigkeit über das Drama. "Das Mädchen war immer höflich und wie jeder andere 14-jährige Teenager. Der Vater war ebenfalls freundlich und hilfsbereit", sagte etwa eine Nachbarin. Auch im Kaffeehaus um die Ecke gab man sich geschockt: "Der Vater war öfter mit einem Freund bei uns zu Gast, ein netter, äußerst freundlicher Mann", so der Besitzer des Lokals.

Ähnliche Fälle sorgten in der Vergangenheit für Aufsehen
Dass es ich bei der nunmehrigen Tat nicht um einen krassen Ausnahmefall handelt, zeigt ein Blick in die Polizeiakten. So kam es in den letzten Jahrzehnten mehrmals zu ähnlich gearteten Tötungsdelikten, die in ganz Österreich für Bestürzung sorgten.

Ein Aufsehen erregender Vorfall ereignete sich vor fast genau 16 Jahren, am 17. April 1994. Damals schockte eine Bluttat in der Salzburger Gemeinde Eugendorf die Öffentlichkeit. Weil es ihm "innere Stimmen" befahlen, griff ein 14-jähriger Gymnasiast zum Messer und stach so lange auf seine siebzehnjährige Schwester ein, bis sie sich nicht mehr bewegte. Der Bub wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt und in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt