30.06.2019 06:00 |

Temperatur steigt

Unsere Donau als Zeugin der Klimakrise

Ob Donau, Inn oder Rhein: Die Temperatur unserer Fließgewässer stieg in den vergangenen Jahren um zwei Grad Celsius - Tendenz steigend!

Kommt er oder kommt er nicht? Gemeint ist der Klimawandel, doch der dürfte auch ohne Einstimmigkeit innerhalb der Bevölkerung bereits angekommen sein. Denn die globale Erderwärmung zeigt auch im „Land der Ströme“ bereits seine Auswirkungen. Zwischen Rhein im Westen und March im Osten des Landes stieg die Gewässertemperatur in den vergangenen Jahrzehnten um bis zu zwei Grad Celsius an.

„Die Donau wird nicht austrocknen, aber sich verändern“
Was vielleicht vereinzelt die Wasserratten freut, ist für das Ökosystem eine herbe Belastung. Lebensräume von Fischarten verschieben sich, längere Trockenperioden sorgen für Ausfälle bei der kommerziellen Schifffahrt und abrupte Niederschläge zeigen sich mit häufiger werdenden Hochwasserszenarien. Gab es schon immer, meinen viele Donaubewohner, doch Experten sehen darin bereits den akuten Wandel. „Die Donau wird sicher nicht austrocknen, aber sie und die anderen Flüsse werden sich verändern“, erklärt Helmut Habersack, Leiter des Instituts für Wasserbau, Hydraulik und Fließgewässerforschung an der Universität für Bodenkultur Wien (siehe Interview unten).

Die Abflüsse verschieben sich von den Sommermonaten in die Zeit von November bis Februar. Dabei spielen auch das Abschmelzen der Gletscher und die Veränderung des Niederschlags eine Rolle. Gerade die Donau, mit Abstand die wichtigste Lebensader für Mensch und Industrie, dürfte unter diesen Veränderungen leiden.

Güterverkehr auf tiefstem Stand seit 25 Jahren
Wegen des heißen Sommers 2018 und des damit verbundenen Niedrigwassers ist der Güterverkehr auf dem österreichischen Teil der Donau im vergangenen Jahr auf den tiefsten Stand seit 25 Jahren gesunken. So wurden zuletzt rund 7,2 Millionen Tonnen Güter befördert, das waren 2,4 Millionen Tonnen oder rund ein Viertel weniger als im Jahr zuvor, geht aus Zahlen der Statistik Austria hervor. Damit ist das Transportaufkommen auf den tiefsten Stand seit 1993 gefallen, schreibt das Forschungsinstitut in seinem Bericht.

Da der Inn die Durchflussstärke der Donau dominiert, wird sich ohne Gletscher die Verteilung der Abflüsse, aber auch der Sedimente ändern. „Wir bemerken schon jetzt, dass sich die Flüsse stellenweise immer mehr eingraben und auch ihre Küsten und Sandstrände erodiert werden“, so die Langzeitforscher der BOKU Wien.

Temperaturanstieg von bis zu fünf Grad bis 2100?
Doch nicht nur in Deutschland oder Österreich wird sich der zweitgrößte Fluss Europas dramatisch wandeln, gerade in Ungarn und Serbien der Mittelteil sowie das Donaudelta in Rumänien und Bulgarien sind gefährdet - und damit zahlreiche Regionen, deren Lebensgrundlage der Strom bildet. Ohne ein baldiges Erreichen der Klimaziele könnte der Temperaturanstieg sogar plus fünf Grad bis zum Jahr 2100 betragen. Die Folgen davon könnten dramatisch sein.

„Anpassungsstrategien existenziell“
Im Gespräch mit der „Krone“ gibt BOKU-Forscher Helmut Habersack einen Einblick in die wohl radikale Veränderung der Flusslandschaft.

„Krone“: Herr Professor Habersack, trocknet unsere Donau bald aus?
Helmut Habersack:
Das wird vermutlich nie passieren, aber der Wasserpegel wird wohl in den Sommermonaten in längeren Trockenperioden sinken. Andere kleine Flüsse in gletscherbeeinflussten Regionen sind betroffen.

Wie wirkt sich der Klimawandel bei uns aus?
Wir bemerken schon jetzt, dass die Gletscher verschwinden und damit mehr Sedimente in die Flüsse eingetragen werden. Der Schotter bleibt in den Stauräumen der Wasserkraftwerke hängen, das Ausbaggern kostet Millionen an Euros. Die Wassertemperatur steigt weiter.

Gibt es Strategien gegen den Donau-Klimawandel?
Die Internationale Kommission zum Schutz der Donau, kurz ICPDR, hat schon eine Vorlage zur Anpassung an die Erderwärmung herausgegeben. Verhindern werden wir diese aber nicht mehr zur Gänze.

Warum geht das nicht?
Es ist schon zu viel CO2 in die Atmosphäre gelangt, eine Erderwärmung eingetreten und die Weltbevölkerung angestiegen. Der Kampf gegen weiteres CO2 ist zwar existenziell, Anpassungsstrategien sind es aber auch.

Josef Poyer, Kronen Zeitung

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