Der Linzer Univ.-Prof. für Augenheilkunde, Matthias Bolz, hat im Kepler Klinikum die 38-Jährige aus Asten operieren müssen, die - wie berichtet - bei einer Faltenbehandlung mit Ultraschall in einem Beauty-Salon in Leonding ihr Augenlicht nahezu eingebüßt hatte. Gegen die Kosmetik-Pfuscher wird nun wegen Körperverletzung ermittelt. Der Primar plädiert dafür, dass nur Mediziner Ultraschall-Laser verwenden.
„Krone“:Herr Primar Bolz, Sie haben die Geschädigte nach dem Beauty-Pfusch behandelt?
Matthias Bolz: Die Dame ist ein paar Tage nach der missglückten Faltenbehandlung im Beauty-Studio zu uns ins Kepler Uniklinikum gekommen, weil ihre Sehkraft immer mehr nachgelassen hat.
„Krone“:Welche gesundheitlichen Schäden wurden festgestellt?
Bolz: Wir haben eine massive Trübung ihrer Augenlinsen festgestellt. Die Patientin hatte auf beiden Augen den Grauen Star, den man normalweise frühestens erst ab 60 Jahren bekommt.
„Krone“:Sie mussten die 38-Jährige schließlich operieren.
Bolz: Wir haben bei einem ihrer Augen die Linse zerkleinert, abgesaugt und durch eine Kunstlinse ersetzt. Beim zweiten Auge möchten wir noch etwas zuwarten.
„Krone“:Hatten Sie zuvor schon einmal mit einem ähnlichen Fall nach einer Ultraschall-Faltenbehandlung zu tun gehabt?
Bolz: Nein, ich habe davor weder so etwas gesehen noch davon gehört. Auch in der Literatur konnte ich nichts Vergleichbares finden.
„Krone“:Die „Kosmetikerin“ hat offenbar ein 3D-Multiline Ultraschall Scalpell verwendet.
Bolz: Das Ganze ist als HIFU-Behandlung - Hochintensiver fokussierter Ultraschall - angeboten worden.
„Krone“:Das Gerät dazu ist bisher nicht als Medizinprodukt eingestuft, was sagen Sie dazu?
Bolz: Das gehört unbedingt geprüft. Aus meiner Sicht besteht hier ein dringender Aufklärungsbedarf, ob das nicht geändert werden muss. Meiner Einschätzung zufolge, gehört ein derartiges Ultraschall-Gerät keinesfalls in die Hände von Kosmetikern.
Interview: Jürgen Pachner, Kronen Zeitung
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