28.04.2019 18:40 |

19-jähriger Islamfeind

Frau erschossen: Das ist der Synagogen-Attentäter

Ein halbes Jahr nach dem tödlichen Anschlag auf eine Synagoge in Pittsburgh ist in den USA erneut ein jüdisches Gotteshaus zum Ziel eines Angriffs geworden. Ein 19-jähriger Verdächtiger tötete am Samstag in einer Synagoge bei San Diego im Bundesstaat Kalifornien einen Menschen und verletzte drei weitere. Der selbst erklärte Antisemit und Islamfeind wurde festgenommen und von den Behörden wenig später als John Earnest identifiziert. Er soll seine Tat, die weltweit für Bestürzung sorgte, zuvor im Internet angekündigt haben. Er war zuvor nicht polizeilich in Erscheinung getreten.

Der Angriff auf die Chabat-Synagoge ereignete sich im Ort Poway nahe San Diego. Wie der örtliche Sheriff, Bill Gore, bei einer Pressekonferenz sagte, handelt es sich bei der Toten um eine 60 Jahre alte Frau. Unter den drei Verletzten sei auch der Rabbiner, der an den Händen verletzt worden sei.

Bei den anderen beiden Verletzten handelt es sich nach Angaben des israelischen Außenministeriums um israelische Staatsbürger. Die beiden Opfer, ein acht Jahre altes Mädchen und dessen 31-jähriger Onkel, seien „vor ein paar Jahren“ von Israel nach San Diego gezogen, sagte ein Sprecher am Sonntag. Keiner der Verletzten schwebte in Lebensgefahr.

Sturmgewehr funktionierte nicht richtig
Sheriff Gore zufolge stürmte Earnest am Vormittag (Ortszeit) die Synagoge, in der rund 100 Gläubige den letzten Tag des Pessach-Festes feiern wollten. Er habe das Feuer mit einem Sturmgewehr eröffnet, das offenbar nicht richtig funktionierte, wodurch noch Schlimmeres verhindert worden sei.

Ein früherer Grenzbeamter, der sich in der Synagoge befand, habe auf den Angreifer geschossen, als dieser die Flucht ergriff, sagte Gore. Der Ex-Beamte habe das Auto des mutmaßlichen Täters getroffen. Der 19-Jährige wurde schließlich von einem per Funk informierten Polizisten festgenommen, wie der Polizeichef San Diegos, David Nisleit, sagte.

Die Ermittler erklärten, die Einträge des mutmaßlichen Attentäters in Onlinenetzwerken zu durchforsten. Sie versuchten zudem, ein im Internet veröffentlichtes Manifest des Angreifers zu überprüfen.

Manifest ähnelt Schreiben des Christchurch-Attentäters
Das Manifest, das der Nachrichtenagentur AFP vorliegt, ähnelt einem auf derselben Plattform veröffentlichten Schreiben des australischen Rechtsextremisten Brenton Tarrant, der bei Anschlägen auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März 50 Menschen getötet hatte. Der 19-jährige Earnest zollte Tarrant in dem Manifest Anerkennung, ebenso wie dem Attentäter von Pittsburgh. Die Behörden in Los Angeles kündigten an, die Sicherheit vor Synagogen und anderen Gotteshäusern zu verstärken.

„Angriff auf das Herz des jüdischen Volkes“
Weltweit löste der Angriff Entsetzen aus. US-Präsident Donald Trump sagte bei einem Auftritt vor Anhängern in Wisconsin, das „Übel des Antisemitismus und des Hasses“ müsse besiegt werden. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu verurteilte den Vorfall als „Angriff auf das Herz des jüdischen Volkes“. Er rief die Staatengemeinschaft auf, den Antisemitismus zu bekämpfen. Auch der deutsche Außenminister Heiko Maas zeigte sich betroffen: Der Angriff „trifft uns alle. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Getöteten und bei den Verletzten“, sagter er in Berlin.

Vor sechs Monaten waren bei einem Angriff auf eine Synagoge in Pittsburgh elf Menschen getötet worden. Es war der bislang tödlichste Anschlag auf die jüdische Gemeinde in den USA.

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