Di, 23. April 2019
10.04.2019 06:00

Staatsopernskandal

Sarkissova über Ballett-Welt: „Härte gehört dazu“

Schülerinnen sollen unter anderem von einer Lehrerin getreten und blutig gekratzt worden sein. Die Kinder seien Opfer autoritärer, gewalttätiger und gefährlicher Unterrichtsmethoden geworden, wird eine Lehrerin zitiert. Die Ballettakademie der Wiener Staatsoper sieht sich wie berichtet mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Primaballerina Karina Sarkissova sprach mit der „Krone“ über die Wahrheit in der Welt des Balletts: ohne Wille, Schweiß und Blut keine Karriere.

„Krone“: Sie tanzten lange an der Staatsoper. Was sagen Sie zu den Vorwürfen?
Karina Sarkissova: Dieser Beruf ist schwer anders auszuüben. Er verlangt Selbstaufgabe, die Bereitschaft für Härte und für negative Kritik. In Europa wird diese Härte aber anders interpretiert als zum Beispiel in Russland, wo es die Regel ist.

Es heißt, Kinder wurden wie Ware behandelt.
Wenn man als Eltern sein Kind in diese Schule abgibt, wird es zum Produkt und zum Teil dessen, dass danach jeden Abend Tickets verkauft werden. Wenn Eltern danach erstaunt sind, dann haben sie sich das davor einfach nicht klargemacht, was alles abverlangt wird.

Und die Kinder?
Die Grenze liegt beim Schüler. Niemand wird eingesperrt. Ich weiß es von mir: Du schwitzt jeden Tag, du weinst und hast Blut in den Schuhen.

Hat es bei Ihnen je Übergriffe gegeben?
Ja, meine Lehrerin hat mich gekratzt. Es passiert, man muss es in Kauf nehmen. Die Frage ist immer: Willst du Ballett-Star sein? Wenn nicht, dann kannst du jeden klagen. Klar ist auch, wenn es wirklich zum Äußersten kam, ist es unentschuldbar!

Dass ihr Job wahrlich kein Honiglecken ist, weiß man spätestens seit dem Hollywood-Blockbuster „Black Swan“. Doch jetzt erhebt der „Falter“ schwere Vorwürfe gegen die Ausbildungsstätte des Wiener Staatsopernballetts. Demnach soll eine Lehrerin Kinder gequält und unter mehr als fragwürdigen Methoden gedrillt haben. Von einem autoritären, gewalttätigen und gefährlichen Stil ist die Rede. Seit Monaten sei die Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft an dem Fall dran, „im Grunde hätten wir den Laden sofort zusperren müssen“, wird ein Beamter zitiert, der anonym bleiben wollte.

Schüler berichtet von sexuellem Übergriff
Erniedrigungen und Handgreiflichkeiten sollen beim Training an der Tagesordnung gewesen sein. Im Jänner wurde die „Pädagogin“ schließlich gekündigt. „Mein Sohn hat mir erzählt, dass eine Lehrerin plötzlich in Pension geschickt wurde“, so die Mutter eines Eleven zur „Krone“. Über die Hintergründe, die jetzt ans Tageslicht kamen, wusste sie freilich nichts, „dass sie besonders streng und von der alten Schule war, ist jetzt aber nicht neu“.

Neu ist aber der Vorwurf der sexuellen Belästigung gegen einen (mittlerweile freigestellten) Lehrer, den ein ehemaliger Schüler erhob. Laut dem Medienbericht hat die Staatsoper eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft übermittelt. Die Untersuchungen laufen.

Staatsoper um rasche Aufklärung bemüht
In der Chefetage der Wiener Staatsoper schrillen die Alarmglocken, Direktor Dominique Meyer rückt höchstpersönlich als Krisenfeuerwehr aus: „Wir haben prompt und dezidiert Konsequenzen gezogen: Eine Lehrerin und ein Lehrer wurden vom Dienst freigestellt. Wir wollen in allen Bereichen eine lückenlose Aufklärung.“

Zudem sei bereits eine Reihe von Maßnahmen ergriffen worden: unter anderem die Errichtung einer Ombudsstelle für Schüler, Eltern und Lehrer sowie die Arbeit mit einer Psychologin, die den Eleven zur Verfügung steht. Lehrer sollen künftig auch verpflichtend an Fortbildungen teilnehmen.

Die schweren Vorwürfe haben mittlerweile auch politische Dimensionen erreicht. „Der Generalsekretär des Bundeskanzleramts hat sofort, als wir von den Vorwürfen erfahren haben, Christian Kircher (Geschäftsführer der Bundestheater-Holding, Anm.) mit der Einrichtung einer Sonderkommission zur restlosen Aufklärung sämtlicher Vorwürfe beauftragt“, kündigt Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) an. Die angeprangerten Vorwürfe seien vollkommen inakzeptabel.

Oliver Papacek und Norman Schenz, Kronen Zeitung

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