Fr, 19. April 2019
09.04.2019 12:15

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Schuld an Trump & Co.

Autor überzeugt: „Intelligente sind zu mächtig!“

Intelligente Menschen sind zu mächtig geworden - das verursacht gesellschaftliches Chaos sowie den Aufschwung von Populismus in der Politik. Denn jene Menschen mit ausgeprägten kognitiv-analytischen Fähigkeiten formen unsere Gesellschaft maßgeblich, und zwar vor allem ihren eigenen Interessen entsprechend. Das ist die gewagte These des britischen Journalisten und Schriftstellers David Goodhart. Derzeit ist er Gastwissenschaftler am Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) in Wien, das vollständige Interview mit ihm ist im Video zu sehen.

In weniger komplexen Gesellschaften als unsere heutige, behauptet Goodhart, wurden Eigenschaften wie Redlichkeit, Einsatzbereitschaft und Arbeitserfahrung deutlich stärker wertgeschätzt. In den letzten 20 oder 30 Jahren aber hat formelle Bildung stetig an Bedeutung zugenommen, während etwa handwerkliche oder Pflegeberufe kaum mehr gesellschaftlich anerkannt werden. Auch die meisten Politiker seien Akademiker, argumentiert Goodhart, und hätten daher die Vorurteile und Präferenzen, die mit dem entsprechenden Weltbild einhergehen: Offenheit, wenig Gebundenheit an Traditionen und eine Leichtigkeit im Umgang mit gesellschaftlichem Wandel, die der Großteil der Bevölkerung nicht teilt.

Nach diesem Weltbild und diesen Präferenzen seien also die Politik und die Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten gestaltet worden. Aber das ist nicht zum Vorteil aller geschehen, erklärt Goodhart: „Wenn die eigene Identität - und das ist für die meisten Menschen immer noch der Fall - dadurch geschaffen wird, woher man kommt, welchen Gruppen man angehört, dann machen einem rasche gesellschaftliche Veränderungen eher zu schaffen. Sehr gebildeten Menschen fällt es leichter, mit dem Strom der modernen Gesellschaft zu schwimmen, und daher befürworten sie gesellschaftlichen Wandel eher, auch sehr schnellen Wandel. Aber die Mehrheit der Bevölkerung in unseren Gesellschaften tut das nicht.“

Seine Theorie entwickelte der Autor, kurz bevor US-Präsident Donald Trump oder der Brexit große Themen der Weltpolitik wurden und der sogenannte Populismus damit in aller Munde war. „Ich wollte die wahren Gründe verstehen, warum viele ein gewisses Unbehagen vielen modernen Entwicklungen gegenüber empfinden“, sagt er. Was Abhilfe schaffen könnte? „Mehr emotionale Intelligenz und mehr Pluralismus seitens der Gebildeten. Eine verstärkte Erkenntnis, dass das eigene Weltbild eben auch nur ein Weltbild ist, und nicht die absolute Wahrheit“, empfiehlt Goodhart.

Und: eine bessere Balance zwischen „Hirn, Hand und Herz“, also eine ähnliche Wertschätzung für handwerkliche Berufe und solche, die viel emotionale Intelligenz erfordern, wie wir sie derzeit kognitiven Tätigkeiten entgegenbringen. Durch den Vormarsch künstlicher Intelligenz wird sich das Problem zum Teil von alleine lösen, schätzt Goodhart, denn: „Die mittleren Akademikerjobs, in den Rechtswissenschaften, in der Medizin, in der Buchhaltung - all diese Jobs laufen größte Gefahr, durch künstliche Intelligenz ersetzt zu werden.“

David Goodharts Buch „The Road to Somewhere“ ist 2017 erschienen und schaffte es auf die Bestsellerliste der Sunday Times. Ein weiteres Buch zum Thema ist in Arbeit.

Damita Pressl
Damita Pressl

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