28.03.2019 17:44 |

„Massiv der Namen“

Kurz weihte in Weißrussland Holocaust-Mahnmal ein

Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat am Donnerstag an der NS-Vernichtungsstätte Maly Trostinez in Weißrussland im Beisein von Präsident Alexander Lukaschenko ein Mahnmal für die dort ermordeten österreichischen Juden eingeweiht. „Maly Trostinez ist der Name eines Ortes, den wir nicht vergessen dürfen“, sagte Kurz bei der Gedenkfeier nahe der Hauptstadt Minsk. Er erinnerte daran, dass hier Menschen „in namenlosen Massengräbern bestattet wurden, um selbst die Erinnerung an sie auszulöschen“. Das Denkmal „Massiv der Namen“ solle dies verhindern.

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Laut Lukaschenko sei Maly Trostinez „eine der größten Todesfabriken“ des NS-Regimes gewesen. „Die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus ist heilig für unser Volk“, meinte der Präsident. An der NS-Vernichtungsstätte bei Minsk waren von 1942 bis 1944 mehr als 10.000 österreichische Juden ermordet worden. Hierher gingen die meisten Vernichtungstransporte, die direkt aus Wien abfuhren. Weiters starben hier Juden aus Polen, Tschechien, Deutschland und aus dem Minsker Ghetto, zudem nichtjüdische sowjetische Zivilisten, Partisanen und Kriegsgefangene.

„Ein berührendes Mahnmal“
Das Denkmal „Massiv der Namen“ besteht aus einem Betonblock, der sich in zehn Säulen gliedert, die die insgesamt zehn Transporte aus Wien symbolisieren. Darauf stehen die Vornamen der in Maly Trostinez getöteten Österreicher. „Es ist ein berührendes Mahnmal“, sagte Hannah Lessing, Generalsekretärin des Nationalfonds der Republik Österreich für die Opfer des Nationalsozialismus. „Diese Menschen haben kein Grab. Deswegen ist es eine schöne Geste, dass man ihnen ihre Namen zurückgibt.“

Gedenktafel an Baum befestigt
Kurz stattete auch dem nahe gelegenen Wäldchen Blagowschtschina einen Besuch ab, wo der Großteil der österreichischen Opfer getötet worden war. Hier hat der Verein IM-MER (Initiative Malvine - Maly Trostinec Erinnern), der sich seit Jahren für ein würdiges Gedenken der jüdischen Ermordeten an diesem Ort einsetzt, an den Bäumen gelbe Gedenktafeln für die einzelnen Ermordeten angebracht. Der Kanzler befestigte selbst eine Plakette für den Wiener Lehrling Arthur Loschitz an einem Baum. Loschitz wurde als 13-Jähriger in Maly Trostinez getötet. Er wäre am Donnerstag 90 Jahre alt geworden.

Opfer direkt nach Ankunft ermordet
Maly Trostinez sei kein Vernichtungslager wie etwa Auschwitz gewesen, erklärte IM-MER-Obfrau Waltraud Barton. „Hier wurden Menschen nur deswegen hergebracht, um ermordet zu werden.“ Die Deportierten mussten sich laut ihrer Schilderung direkt nach ihrer Ankunft ihrer Wertsachen und Kleidung entledigen und wurden anschließend sofort getötet: entweder durch Erschießung oder in Gaswagen. In Maly Trostinez befand sich weiters eine ehemalige Kolchose, die als landwirtschaftliches Gut von örtlichen Zwangsarbeitern für die SS bewirtschaftet wurde.

Gespräch mit „letztem Diktator Europas“
Danach nahm Kurz noch an einem „Abend der Erinnerung“ im Palast der Republik in Minsk teil, bei dem auch Ministerpräsident Sergej Rumas anwesend war. Für Freitag ist ein bilaterales Gespräch des Kanzlers mit Lukaschenko vorgesehen. Der oft als „letzte Diktator Europas“ bezeichnete Präsident regiert das Land, das formell einem lockeren Staatenbund mit Russland angehört, autoritär. In jüngster Zeit versucht er, seine Beziehungen mit der Europäischen Union zu verbessern.

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