Sa, 17. November 2018

Eklat bei Baubeginn

08.03.2010 14:54

Aktivisten klettern auf Bäume im Augartenspitz

Auch nach dem Start der Bauarbeiten für den Konzertsaal der Wiener Sängerknaben wollen die Augarten-Aktivisten nicht aufgeben. "Es herrscht Alarmstufe Rot", betonte Eva Hottenroth von der Initiative "Freunde des Augartens" am Montag. Bereits kurz nach der ersten Räumung des Augartenspitzes kletterten Demonstranten auf Bäume, um deren Rodung zu verhindern.

Gegen Montagmittag saßen noch mehrere Personen in den Bäumen, darunter auch Raja Schwahn-Reichmann vom "Josefinischen Erlustigungskomitee". Zu einem Zwischenfall kam es, als die Polizei einschritt, um Demonstranten vom abgesperrten Areal zu entfernen. Diese hatten sich über Bauzäune Zutritt verschafft. Eine ältere Frau klagte über Schmerzen und Herzprobleme, nachdem Beamte sie vom Grundstück getragen hatten. Sie wurde mit der Rettung ins Krankenhaus gebracht.

Gegen die Baumbesetzer ging die Polizei nicht vor. Es sei nicht notwendig, diese mit Gewalt von den Bäumen zu holen. "Das ist der falsche Weg", betonte eine Sprecherin.

Die Arbeiter nahmen trotz der Vorfälle nach mehrstündiger Unterbrechung die Rodungsarbeiten wieder auf. Sie ließen sich weder von den Aktivisten im Geäst noch von den "Aufhören"-Rufen beeindrucken. Filmarchiv-Chef Ernst Kieninger, der ebenfalls vor Ort war, sprach von Behinderungen und Einschränkungen des Betriebs. Er ärgerte sich aber nicht über die Besetzer: "Die Aktivisten machen von ihrem Demonstrationsrecht Gebrauch."

"Hoffen auf Vernunft und Einsicht"
Seitens der Sängerknaben wurde betont, man werde vorerst nichts gegen die Aktivisten auf den Bäumen unternehmen, um niemanden zu gefährden. "Wir hoffen weiterhin auf Vernunft und die Einsicht der Gegner, sich mit ihren Argumenten und Forderungen nicht durchgesetzt zu haben", so ein Sprecher. Nach der Einrichtung der Baustelle erfolge nun als nächster Schritt die Untersuchung des Bodens etwa auf eventuelle Altlasten.

Grüne empört wegen "harter Vorgangsweise"
Scharfe Kritik an der "harten Vorgangsweise" übten die Wiener Grünen. Mit Motorsägen gegen die Augarten-Schützer aufzufahren, zeuge nicht vom Willen, den Konflikt friedlich und gemeinsam mit den Anwohnern lösen zu wollen, empörte sich die Planungssprecherin Sabine Gretner. "Wir werden nicht zulassen, dass viele Grünflächen in Wien sukzessive verkleinert werden. Dieser Bau ist Zeugnis der Beton-Politik von (SPÖ-Bürgermeister Michael, Anm.) Häupl, (Sängerknaben-Präsident Walter, Anm.) Nettig und Co.", ergänzte Umweltsprecher Rüdiger Maresch.

"Erfreut über das konsequente Vorgehen gegen die grünen Fußtruppen am Augartenspitz" zeigten sich die Freiheitlichen. "Auch linke Gutmenschen mit Tagesfreizeit sollten irgendwann einsehen, dass sie sich nicht über Recht und Ordnung hinweg setzen können", so Wolfgang Seidl, Obmann der FPÖ Leopoldstadt. Falls die "grünengesteuerten Berufsdemonstranten" die Bauarbeiten in ihrer penetranten Selbstgerechtigkeit trotzdem weiter verzögerten, sollten sie mit Schadenersatzklagen eingedeckt werden.

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