17.02.2019 13:00 |

Wenig Anmeldungen

Pflege: Jeder zweite Studienplatz noch frei

Vor einem drohenden Pflegenotstand wegen fehlender Fachkräfte wird seit Jahren gewarnt. Das Land Tirol reagiert mit einer Ausbildungsoffensive. Das neue Bachelor-Studium wurde im Herbst gestürmt. Doch jetzt stocken die Anmeldungen. Für den im März beginnenden Studiengang ist noch rund die Hälfte der Plätze frei. Dabei sind die Absolventen gefragt wie nie.

Mit der Akademisierung des Pflegeberufes folgt die Politik einer jahrelangen Forderung der Praktiker nach einer Aufwertung einer Schlüsselbranche der Zukunft. In Tirol ist man mitten in diesem Prozess. Im vergangenen Herbst starteten die ersten Lehrgänge des neuen Bachelor-Studiums für Gesundheits- und Krankenpflege. Im kommenden Herbst wird das Angebot regionalisiert. Neben Innsbruck und Schwaz werden dann auch Lienz, Kufstein, Reutte und Zams das Pflegestudium anbieten.

Anmeldefrist bis Ende Februar verlängert
Doch ob es dafür auch genug Bewerber gibt – das ist die große Unbekannte. Walter Draxl, Geschäftsführer der Fachhochschule Gesundheit in Innsbruck, hat derzeit Mühe, die Plätze für den im März beginnenden Studiengang zu füllen. „102 haben wir zur Verfügung. Bis jetzt haben wir dafür rund 50 geeignete Bewerber“, beschreibt Draxl die Relationen. Jeder zweite Studienplatz ist also noch zu haben. Für Kurzentschlossene wurde nun die Anmeldefrist bis 28. Februar ausgedehnt.

„Maturanten sind noch zu wenig flexibel“
Die naheliegende Schlussfolgerung, dass das neue Pflegestudium zu wenig attraktiv ist, lässt Draxl nicht gelten: „Im Herbst hatten wir 200 Bewerber für die gleiche Zahl an Plätzen. Das Interesse ist schon da, aber die Flexibilität der Maturanten noch nicht. Die meisten wollen ohne lange Pause ins Studium einsteigen.“

Doch das allein ist es nicht! In Zeiten sinkender Geburtenzahlen, grassierendem Facharbeitermangel und rasant wachsendem Ausbildungsangebot wird das Buhlen um den Nachwuchs immer härter. Das angekratzte Image der Pflegeberufe ist da wenig hilfreich. Dabei entspreche das Bild in der Öffentlichkeit nicht mehr der Wirklichkeit, bekräftigt Waltraud Buchberger, die gemeinsam mit Draxl das Ausbildungszentrum West (AZW) für Pflegeberufe leitet, das sich am Innsbrucker Innrain unter einem Dach mit der FH Gesundheit befindet: „Die Pflegeberufe sind heute so attraktiv wie nie gestaltet. Die Ausbildung ist durchlässig bis zum Studium. Und die Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, mit denen wir zusammenarbeiten, haben die Arbeitsplätze massiv aufgewertet.“ Buchberger nennt weitere Argumente, die in der Wahrnehmung noch nicht angekommen sind: „Man muss nicht mehr ein ganzes Arbeitsleben am Kranken- oder Pflegebett stehen. Es ergeben sich viele Möglichkeiten, sich alle paar Jahre neu zu orientieren, weiterzubilden, andere Bereiche zu erschließen.“

„Wir können nicht jeden Bewerber nehmen“
Dass Pflege kein Beruf für jedermann ist, liegt für Draxl und Buchberger in der Natur der Sache. „In diesem Tätigkeitsfeld ist die richtige Eignung besonders wichtig. Wir können nicht jeden Bewerber nehmen. Und wir tun es auch nicht“, betont Buchberger – auch dann nicht, wenn die Hälfte der Studienplätze unbesetzt bleibt.

Informationen zum aktuellen Bachelor-Lehrgang und allen neuen Ausbildungsbereichen über die FH Gesundheit und das AZW: www.fhg-tirol.ac.at und www.azw.ac.at

Claudia Thurner
Claudia Thurner

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