Do, 21. Februar 2019
22.01.2019 07:00

Debütwerk „Believe Us“

At Pavillon: Heimische Pop-Wundertüte mit Haltung

In einem von Pop-Highlights wahrlich nicht armen Land wie Österreich sprießen die Talente immer noch wie Pilze aus dem Boden. Nun etwa das multinationale, in Wien ansässige Indie-Pop-Quartett At Pavillon, das auf seinem Debütalbum „Believe Us“ mit nonchalanter Leichtigkeit ungezwungene Melodien mit Inhaltsschwere verknüpft, ohne dabei zu verkopft zu wirken.

Totgesagte leben länger, das gilt vor allem für musikalische Trends. In den Kokslinien-verschnupften 80ern lachte die Popwelt noch über die langhaarigen Progger und Plateauschuhträger des Vorjahrzehnts, Anfang der 90er setzte der Grunge dem Hedonismus der 80er seine Grenzen, nur um dann von Bauchtascherl-tragenden Indie-Liebhabern abgelöst zu werden. All diese Musikstile haben gemein, dass sie nach einer gewissen Zeit eine fröhliche Reanimation feierten und die Totengräber Lügen straften. Das gilt freilich auch für den Indie-Rock der Nuller-Jahre. Den Franz Ferdinands, Bloc Partys und Two Door Cinema Clubs, den ehemaligen Festivalkönigen der Nacht, deren Slots über die Jahre immer weiter gen Nachmittag zurückrutschten. Doch auch hier ist längst Besserung eingetreten - auch wenn das bedeutet, dass man es von außerhalb des Brexits richten muss.

Die Mischung macht‘s
Das Wiener Quartett At Pavillon dient als ein solches Rettungskommando und ist auf dem besten Weg dazu, sich in Rekordgeschwindigkeit einen Namen im europäischen Kontext zu machen. Mit den Singles „All Eyes On You“ und „Stop This War“ bringen sie ausgewählte Tanzflächen schon länger zum Kochen, das längst fällige Debütalbum „Believe Us“ kommt dieser Tage endlich in den Handel. Angetrieben von der charismatischen Stimme des Frontmanns Mwita Mataro entfacht das Quartett einen Funk-Indie-Pop-Sturm, der den Vergleich vor den Großen des Genres nicht zu scheuen braucht. Die Wiener schrecken auf ihrem Erstwerk nicht davor zurück, die Stärken verschiedener Jahrzehnte mit dem persönlichen Geschmack und einer gewissen Portion Frechheit zu vermengen, um als Endergebnis unverschämt eingängige Melodien mit Ohrwurmfaktor zu kredenzen.

So unbeschwert und leicht die Musik erklingt, so wichtig und tiefgehend sind teilweise die Texte geraten. Etwa jener zum famosen Song „Lions“, der sich direkt mit dem in Salzburg geborenen Sänger mit tansanischen Wurzeln vermengen lässt. Schon mehrmals wurde er mit Rassismus konfrontiert, der Song ist seine Art und Weise, sich nicht unterdrücken zu lassen und sich klar gegen ewiggestrige Verhaltensweisen zu positionieren. Allgemein sieht sich die multinationale Band als Sprachrohr für die Ausgesetzten, Unterdrückten und unfair Behandelten. „Believe Us“ wirkt allgemein wie ein Kampfschrei gegen sexuelle Repressionen und Ungerechtigkeiten alle Art. Ein musikalisches Statement für Inklusion und Gemeinschaft, gegossen in unwiderstehliche Melodik mit hervorragend rhythmischer Akzentuierung. Besonders beeindruckend: der gnadenlos in die Gliedmaßen fließende Funk in der „Disco Demolition Night“ und die balladeske, western-sakrale Hassliebeserklärung an „Vienna“.

Pop mit Botschaft
Mit Vorliebe in bunte Blumenhemden gewandet ist es At Pavillon dennoch wichtig, das Leben von seiner positiven Seite zu sehen. All die aufgeworfenen Sorgen, Ängste und inneren Konflikte erfahren durch die Musik eine Wandlung zum Positiven und so ist die Band versucht, lieber Lösungen zu finden als Probleme zu diskutieren. Die professionelle Produktion und perfekte Instrumentierung tun das Ihre, um „Believe Us“ positiv aus dem Wulst inflationär verschriener Hypes herausstechen zu lassen. Selbst die orientalischen Einflüsse auf einem Song wie „Mama“ passen perfekt in das kongruente Soundgebräu, das nicht zu cool dafür ist, einfach mal richtig gute Laune zu versprühen, ohne dabei an Haltung einzubüßen. Österreich ist nicht umsonst schon seit Jahren eines der spannendsten Länder, wenn es um Popmusik mit dem gewissen Etwas geht. Wer sich von den Qualitäten dieser Senkrechtstarter selbst überzeugen will, hat am 26. Jänner die Chance dazu bei einem Akustikset im Wiener Recordbag-Store. Eintritt frei! Weitere Österreich-Termine folgen mit Sicherheit.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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