So, 20. Jänner 2019

Erfolgreicher Protest

13.01.2019 19:08

Bangladesch hebt Löhne für Textilarbeiter an

Nach mehreren Tagen mit Protesten Tausender Textilarbeiter in Bangladesch hat die Regierung des südasiatischen Landes höhere Löhne angekündigt. Sie sollen rückwirkend von Dezember an gezahlt werden, wie Handelsminister Tipu Munshi am Sonntag nach einem Treffen mit Vertretern der Gewerkschaften und Fabrikbesitzern sagte. Die Arbeiter hatten unter anderem mit Blockaden von Straßen gefordert, dass ein bereits 2018 beschlossenes Schema zur Bezahlung der Textilarbeiter auch umgesetzt werde. Wenige Stunden zuvor hatte die Polizei eine Demonstration Tausender Arbeiter im Nordwesten der Hauptstadt Dhaka zerschlagen. Dabei kamen Wasserwerfer und Tränengas zum Einsatz.

„Die Arbeiter haben die Straße verbarrikadiert, wir mussten sie vertreiben, um die Verkehrssituation zu entspannen“, sagte der Leiter der Industriepolizei, Sana Shaminur Rahman, der Nachrichtenagentur AFP. Mit den Demonstrationen vom Sonntag gingen die Streiks im Textilsektor in ihre zweite Woche. Nach Polizeiangaben mussten wegen der Streiks bereits 52 Fabriken geschlossen werden. Am Dienstag wurde ein Textilarbeiter durch ein Gummigeschoss der Polizei tödlich verletzt.

Intervention der Regierung beschert Arbeitern höhere Löhne
Zuletzt drohten die Arbeitgeber, die Fabriken für unbestimmte Zeit ohne Weiterbezahlung zu schließen, falls die Arbeiter nicht an ihre Arbeitsplätze zurückkehrten. Nun griff aber die Regierung ein und teilte mit, dass Arbeiter mit einschlägiger Berufserfahrung auf 18.257 Taka (rund 182 Euro) pro Monat statt der bisher geltenden 17.510 Taka bekommen würden. Die Löhne in den dazwischen liegenden vier Stufen würden entsprechend angepasst. Das gesetzliche Mindestgehalt für Berufseinsteiger bleibt monatlich 8000 Taka (knapp 83 Euro), dieses war bereits im Dezember um gut 50 Prozent erhöht worden.

Bangladesch erzielt rund 80 Prozent seiner Exporteinnahmen mit Kleidungsverkäufen ins Ausland. Im vergangenen Jahr wurde Bekleidung im Wert von 30 Milliarden Dollar (26 Milliarden Euro) verschifft. Zu den zahlreichen Kunden gehören globale Konzerne wie H&M, Primark, Aldi, Walmart und Tesco. Brände sowie der Einsturz einer Textilfabrik 2013 in der Hauptstadt Dhaka mit vielen Toten hatten auch international den Blick auf die dortigen Arbeitsbedingungen gelenkt.

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