04.02.2010 10:32 |

LASK greift durch

Spieler-Saufgelage als Auslöser für Hamanns Rauswurf

Der LASK hat am Mittwochabend Matthias Hamann vor die Tür gesetzt und damit für den dritten Trainerwechsel in der laufenden Saison der tipp3-Bundesliga gesorgt. Ausschlaggebend für den Rauswurf des 41-jährigen Deutschen waren ein eskalierender Streit um die Transferpolitik des Linzer Klubs und nicht zuletzt ein Saufgelage am letzten Tag des Trainingslagers in der Türkei.

Die Ereignisse in Belek waren der Auslöser für die sich ohnehin abzeichnende Trennung von Hamann. Laut LASK-Präsident Peter-Michael Reichel soll das Saufgelage mit Beteiligung oder zumindest mit Erlaubnis des Trainerteams stattgefunden haben. Als Flaschen und Gläser zu Bruch gingen, mussten sogar Security-Männer einschreiten. "Es wurden Dinge zerstört, das Hotel hat von uns Schadenersatz verlangt. So etwas kann ich nicht tolerieren", so Reichel weiter.

Schon am Dienstag hatte Hamann heftige Kritik an der Transferpolitik des Tabellenachten, der für den nach Salzburg abgegeben Stürmer Roman Wallner keinen adäquaten Ersatz geholt hat, heftig kritisiert. Es gab eine Liste von Dingen, die nicht gepasst haben", sagte Reichel dazu. "Mit Bedauern möchten wir festhalten, dass ein Cheftrainer die Qualität der eigenen Spieler öffentlich in Frage stellt und nach sieben Monaten noch immer nicht die Möglichkeiten des österreichischen Fußball und des LASK erkannt hat und sich zu vereinsschädigenden Äußerungen hinreißen lässt", hieß es außerdem in einer Aussendung des LASK.

Schläge unter die Gürtellinie
Von gegenseitigem Respekt war in der Meldung nur mehr sehr wenig zu spüren: "Natürlich muss sich der LASK zurechnen lassen, einen deutschen Viertligatrainer verpflichtet zu haben, welcher für sich in Anspruch nimmt, über den österreichischen Fußball mehr als vier Experten, die seit Jahren in und um die Bundesliga tätig sind, zu wissen."

Der Haussegen in Linz hing ohnehin schon länger schief. Reichel hatte Hamann zwei Tage vor Weihnachten seiner Funktion als Sportdirektor enthoben, am 19. Jänner war es zudem zu einer Krisensitzung ("um Missverständnisse oder Kommunikationsprobleme auszuräumen") gekommen, nach der anscheinend nur nach außen hin Einigkeit signalisiert wurde. Etwas mehr als zwei Wochen später ging nun die kurze Amtszeit des Ex-Kaiserslautern- sowie 1860-München-Spielers unrühmlich zu Ende. "Er hat seine dritte Chance nicht genutzt, er hat keine Konsequenzen aus den Aussprachen gezogen", sagte Reichel.

"Hamann hat sich gut verkauft"
Der Klubpräsident wollte sich persönlich keine Fehler bei der Trainerwahl im vergangenen Juni eingestehen. "Er hat sehr gut begonnen und sich auch sehr gut verkauft", rief Reichel den ungewöhnlich guten Saisonstart der Linzer in Erinnerung. Dann sei allerdings die katastrophale Defensivleistung, die in dem Auswärts-2:7-Debakel gegen den Kapfenberger SV am 1. November 2009 gegipfelt hat, immer augenscheinlicher geworden. Dazu kam die immense Auswärtsschwäche der Oberösterreicher, Stürmer-Routinier Christian Mayrleb und Co. haben aus zehn Spielen in der Fremde nur zwei Punkte geholt, bei einem Torverhältnis von 14:37. "Das hat schon Zweifel aufgeworfen", meinte Reichel.

Neben der Auswärtsschwäche sind die Linzer auch durch ihre schon seit elf Runden andauernde Sieglosigkeit (fünf Remis/sechs Niederlagen) immer mehr ins Hintertreffen geraten, mit nur elf Punkten Vorsprung auf das Schlusslicht Austria Kärnten ist das Thema Abstiegskampf für den Tabellenachten noch nicht zum Positiven erledigt.

Wallner-Ersatz nirgends zu finden?
Die Kritik von Hamann, die Position von Wallner nicht entsprechend nachbesetzt zu haben, konnte Reichel irgendwie verstehen. "Einen Roman Wallner kann man nicht nachbesetzen. Wir haben versucht, erfahrene Spieler zu finden, die Österreich kennen. Es war aber nicht möglich, Spieler abzuwerben, auch aus finanziellen Gründen", meinte Reichel. Nicht verstehen konnte der LASK-Präsident demgegenüber die allgemeine Kritik an der Transferpolitik. "Wir haben einen Rene Aufhauser verpflichtet, der eine echte Verstärkung für uns ist, darüber bin ich sehr glücklich", sagte Reichel über den Ex-Salzburg-Kicker.

Hamann selbst war bislang zu keiner Stellungnahme bereit.

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