28.12.2018 16:18 |

Wiener lebt in Italien

Vermisster Autist nach drei Jahren aufgetaucht

Happy End zum Jahreswechsel: Ein 25-jähriger Wiener, der seit mehr als drei Jahren als vermisst galt, lebt in einer betreuten Einrichtung in Mailand, wie sich nun herausstellte. Der junge Mann, ein Autist, war am 9. November 2015 spurlos aus einer Betreuungseinrichtung in Wien-Währing verschwunden. Wie das Bundeskriminalamt am Freitag bestätigte, wird die Mutter am Samstag nach Mailand fahren, um ihren Sohn heimzuholen.

Der 25-jährige Arian S. hat einem Betreuer erst vor wenigen Tagen seinen richtigen Namen genannt, wie die italienische Tageszeitung „La Repubblica“ berichtete. Der Direktor der Einrichtung, Riccardo Tanieli, hat diese Information am Freitag bestätigt.

Psychose diagnostiziert
Der Wiener war am 12. November 2015 in Pieve Emanuele bei Mailand in verwirrtem Zustand entdeckt und ins Krankenhaus der Stadt Sesto San Giovanni gebracht worden. Dort wurde bei dem jungen Mann, der nicht Italienisch sprach, zunächst eine Psychose diagnostiziert. 2017 wurde er von den Mailänder Sozialdiensten in einer Gemeinschaft für Autisten untergebracht. Dorthin war er gebracht worden, nachdem er wiederholt aus der offenen Einrichtung davongelaufen war, in der er zunächst gewohnt hatte. „Arian sagte zunächst, seine Eltern seien bei einem Unfall gestorben, und behauptete, er wolle nach Florenz zu seiner Familie zurück. Wir haben in Florenz nachgeforscht, dort jedoch keine Hinweise zu Arian gefunden“, berichtete Tanieli.

Fall bei „Aktenzeichen XY“ behandelt
Versuche, seine Identität herauszufinden, scheiterten, berichtete Tanieli. Der Wiener wurde unter dem Namen Antonio Gallo registriert. Im Mai 2017 wurde sein Fall in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ thematisiert. In der Spezialausgabe ging es um verschwundene Menschen. Auch in „Chi l‘ha visto?“ („Wer hat ihn gesehen?“), einer Sendung im italienischen Fernsehen, wurde sein Fall aufgerollt.

In der Mailänder Gemeinschaft lernte er einige Worte Italienisch. Deutsch sprach der zweisprachige Mann dort offenbar nicht, möglicherweise aber Persisch - eine Sprache, die seine Betreuter in Mailand nicht zuordnen konnten. Mehrmals versuchte er, sich abzusetzen, wurde jedoch wieder in die Einrichtung zurückgebracht.

„Arian war sehr nervös“
Zu einer überraschenden Wende kam es am Mittwoch. „Arian war sehr nervös, weil der Bursch, mit dem er das Zimmer teilte, zu Weihnachten nach Hause gefahren war. Plötzlich sagte er, er wolle die Polizei rufen“, sagte Giuseppe Tamburrino, der den Wiener betreut, der Zeitung „Repubblica“.

„Ich habe Arian gesagt, ich würde die Polizei rufen, doch er müsste mir dafür seinen richtigen Namen sagen“, wurde Tamburrino von der „Repubblica“ zitiert. Arian nannte den Namen seines persischen Vaters. „Ich habe im Internet gesucht und die richtige Identität Arians entdeckt“, erklärte Tamburrino. Der Betreuer verständigte die Polizei, die dem Wiener die Fingerabdrücke abnahm und die Behörden in Wien benachrichtigte. Der Wiener warte jetzt darauf, dass Angehörige ihn abholen, sagte Tanieli.

„Eltern sind überglücklich“
Die Mutter des Wieners wird am Samstag nach Mailand fahren, um ihren Sohn heimzuholen, wie das Bundeskriminalamt (BK) am Freitag bekannt gab. „Sohn und Eltern haben am Nachmittag über Videotelefon miteinander gesprochen“, sagte Gerhard Lang vom BK. Die Freude über das Wiedersehen sei auf beiden Seiten riesengroß gewesen. „Die Eltern sind nicht nur glücklich, weil sie nun wissen, wo sich ihr Sohn befindet und sie ihn bald sehen, sondern auch darüber, dass es ihm in den drei Jahren gut gegangen ist“, sagte Lang.

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