12.12.2018 00:42 |

Überraschungsauftritt

Wanda: Amore bis in den hintersten Winkel

Vor einer vollgefüllten Wiener Arena spielten Wanda Dienstagabend ihren „FM4-Überraschungsgig“. Für das hedonistische Quintett und seine treue Fanschar ein besonders intimer Abend für die Ewigkeit. Die magische Sogwrirkung der unnachahmlichen Popsongs bleibt ungebrochen intensiv.

Spontan muss man sein - und möglichst in der Nähe von Wien wohnen, dann sind die in unregelmäßigen Abständen ausgetragenen FM4-Überraschungskonzerte meist auch wirkliche Highlights. Ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk gab es Dienstagabend für die Wanda-Anhänger in der Wiener Arena. Einen Tag zuvor wurde der „Überraschungsgig“ bekanntgegeben, via Auslosungsverfahren wurden die ca. 1000 Glücklichen schlussendlich ausgewählt, die dem definitiv letzten urbanen Konzert der Wiener in dieser Saison beiwohnen durften. Für die Stadthallen- und Outdoor-gestählten Chartstürmer war der intime Gig auch ein Heimkommen an die alte Wirkungsstätte - das letzte Mal konzertierten sie an gleicher Stelle im Oktober 2015, danach folgte der kometenhafte und bis heute ungebrochene Aufstieg.

Längst bei den Großen
War vor drei Jahren noch von einem kurzlebigen Hype die Rede, sind Wanda längst schon in der Champions League des deutschsprachigen Pop angekommen. Das liegt einerseits am unglaublich akkuraten Songwriting, andererseits am untrüglichen Gespür für Melodien und Hooks, die sich einzigartig in den Gehörgängen festzukleben wissen. Aus drei Erfolgsalben rekrutieren sich die Songs mittlerweile, die Wanda heute in der schweißnassen Halle ihrem ungemein begeisterungsfähigen und ständig tanzenden Publikum kredenzen. Und jeder dieser Songs hat sich schon so in den Köpfen und Herzen der Besucher eingeprägt, dass er lauthals mitgesungen werden kann. Ein untrügliches Merkmal für eine große Band. „Luzia“ gleich zu Beginn, eine herzhafte Version von „Bologna“ direkt im Anschluss und das in wohliger Melancholie dröhnende „Auseinandergehen ist schwer“ sind schon im ersten Showdrittel markante Höhepunkte.

In zeitloser Jeansjacke und mit der obligatorischen Tschick in der Hand regiert Frontmann Marco Michael Wanda seine Jünger mit fast schon biblischer Souveränität. Wenn er über die Freiheit der Kunst referiert und sich zu immer ekstatischeren Hüftschwüngen motivieren lässt, sitzt ihm der Rockstar-Schalk schon mal grenzwertig intensiv im Nacken. Doch an Selbstvertrauen hat es Wanda noch nie gemangelt und ohne ebenjenes würde man sich nicht - medial aufgebauscht - mit Bilderbuch um den heimischen Pop-Thron duellieren. Während Maurice Ernst und Co. sich auf dem neuen Werk „mea culpa“ fast etwas zu sehr im Künstlerisch-Diffizilen vergaloppiert haben, stehen bei Wanda alle Zeichen auf feierliche Inklusion. Band, Musik, Publikum, Konzertlocation - alles eins, alle gemeinsam. Amore bis in die hintersten Konzertwinkel und auf den Shirts der brandneuen Merchandise-Palette. Ein Wort, das Wanda über die Jahre zur Marke und zum Lebensinhalt gedeihen ließen und ungebrochen intensiv zelebrieren.

Ode an den Humanismus
Zwischen „Lascia Mi Fare“, „Ich will Schnaps“ und der Nummer-eins-Single „Columbo“ stecken so viel Wiener Lokalkolorit und österreichische Wesenszüge wie bei keiner anderen Band. Mit der Unterstützung eines glasklaren Sounds zelebrieren Wanda tanzend, exaltierend und stets lächelnd ihre Form des Humanismus und teilen diese bessere, friedliche Welt mit einer begeisterten Halle. Marco hält sich mit Sprüchen und Botschaften dezent im Hintergrund, die Musik steht eindeutig im Mittelpunkt. Da dürfen die Gitarren schon einmal härter braten und es bleibt auch genug Zeit für kleine Jam-Einlagen und Soundexperimente. Als das Konzert mit einer Extended Version von „1, 2, 3, 4“ nach kurzen 80 Minuten viel zu schnell zu Ende geht, sind zwei Sachen gewiss: Die Hoffnung auf einen brandneuen Song wurde nicht erfüllt, doch Wanda sind live nach wie vor in einer eigenen Liga unterwegs. Auf das anstehende Studioalbum darf man gespannt sein - der Hype geht derweil weiter.

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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