11.12.2018 15:17 |

Expertin im Talk

„Schritt von Liebe zu Hass ist ein sehr geringer“

Diese Zahl ist erschreckend: Bereits 42 Frauen und Mädchen sind in diesem Jahr in Österreich bei Gewaltverbrechen getötet worden. Zuletzt schockierte der Fall rund um die 16 Jahre alte Michelle F. aus Steyr. Gerichtspsychiaterin Sigrun Roßmanith spricht im krone.tv-Talk mit Moderator Gerhard Koller über die dramatische Entwicklung in unserem Land und gibt einen Einblick in die Psyche von Gewalttätern.

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Wie die Expertin im Gespräch betonte, würde nicht die Gewalt an sich zunehmen, sondern vielmehr die Schwelle zur Gewaltbereitschaft sinken. Dass es immer öfter zu Beziehungsdelikten mit tödlichem Ausgang komme, sei „nicht ganz zufällig“.

So vermutet Roßmanith, dass die Entwicklung des Frauenbildes damit in einem Zusammenhang stehe: „Frauen haben gelernt, ganz klar zu vermitteln, was möglich ist, was nicht gewünscht wird, und auch Trennungswünsche zu artikulieren.“ Früher hätten sich Frauen öfters den Wünschen des Mannes unterworfen, das sei heutzutage „nicht mehr notwendig.“

Sehen Sie im Video oben das gesamte Interview mit Sigrun Roßmanith - die Gerichtspsychiaterin spricht unter anderem auch über die zunehmende Gewaltbereitschaft von Jugendlichen, den kaltblütigen Mord an der kleinen Hadishat in Wien sowie über die Gefühlslage von Tätern nach einem Gewaltdelikt.

Jedes Beziehungsdelikt mit tödlichem Ausgang habe jedenfalls eine lange Vorgeschichte: „So etwas passiert nicht von heute auf morgen. Da ist viel Kränkung, Demütigung und Wut aufgebaut worden, die möglicherweise im Rahmen eines banalen Auslösers eskaliert.“

„Unterträglichkeit der Situation ausgelöscht“
So sei auch erklärbar, dass der 17-jährige Afghane Saber A. noch kurz vor dem mutmaßlichen Mord an seiner Freundin Michelle F. verliebte Pärchenfotos in den sozialen Netzwerken postete: „Der Schritt von Liebe zu Hass ist ein sehr geringer. Es werden auch dieselben Taten aus Liebe wie aus Hass begangen. Das kann sehr, sehr rasch wechseln“, sagt die Gerichtspsychiaterin. So könne es durch eine „massive Kränkung“ zu einem „destruktiven Überschwappen“ kommen. Durch die Handlung werde die „Unerträglichkeit der Situation ausgelöscht“.

Noch während des Talks im krone.tv-Studio wurde Saber A. (17) am Bahnhof in Wien-Floridsdorf gefasst. Er wird demnächst einvernommen und kann dann möglicherweise einige der offenen Frage beantworten. Denn, warum seine Freundin Michelle (16) sterben musste, kann - wenn überhaupt - nur der Afghane erklären …

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