Mo, 21. Jänner 2019

Album & Tour

12.11.2018 10:00

Michael Bublé: Wieder ins Leben zurückgefunden

Fast zwei Jahre lang ging der kanadische Entertainer Michael Bublé buchstäblich durch die Hölle. Diese harte Zeit hat er u.a. auf dem neuen Studioalbum „Love“ verarbeitet, auf dem mit „Forever Now“ eine berührende, selbstgeschriebene Liebeserklärung an seinen erkrankten Sohn und die Familie enthalten ist. Am 21. September kommt der 43-Jährige mit den neuen Songs in die Wiener Stadthalle.

Groß war die Aufregung in der Musikwelt, als vor wenigen Wochen die Meldung umherging, dass Michael Bublé seine Karriere beenden würde. Was die britische „Daily Mail Weekend“ breitenwirksam lancierte, entwickelte sich als Finte. „Das war als Witz gemeint“, erklärte der Künstler dem US-Radiosender „SiriusXM“, „der Autor wusste das auch, hat aber nicht geschrieben, dass es ein Witz war.“ Das „Stille-Post-System“ hat in dem Fall für eine globale Erschütterung gesorgt, nun ist aber wieder Ruhe eingekehrt und Bublé kann sich endlich auf die kommenden Aufgaben konzentrieren. Die bestehen aus dem brandneuen Album „Love“ und einer umfassenden Tour, die ihn am 21. September auch wieder in die Wiener Stadthalle führen wird. Ein Wiedersehen, das auf jeden Fall beidseitig Freude macht, denn Kultur und Stil der Bundeshauptstadt koalieren ideal mit der grazilen Bühnenperformance des 43-Jährigen.

Facetten der Liebe
„Love“ ist nach „Crazy Love“ (2009) und „To Be Loved“ (2013) das bereits dritte Album des Kanadiers, bei dem er schon im Titel das Wort Liebe verinnerlicht. Einen kausalen Zusammenhang zwischen den Alben gibt es aber nicht, wie er der „Krone“ im Interview in London erzählt. „Für mich ist das Album eine Kollektion von kleinen Geschichten, die sehr cinematisch das Gefühl Liebe beleuchten. Die Liebe ist so unglaublich kompliziert, dass jeder Song auf diesem Album den Hörer auf eine komplett andere Reise mitnimmt und ein gewaltiges Spektrum aufweist.“ „I Only Have Eyes For You“ etwa dreht sich um eine immens tiefe und bedingungslose Liebe, die alles rundherum förmlich absorbiert. In „My Funny Valentine“ besingt der Crooner stilvoll die dunklen Emotionen, die die Liebe mit sich bringen kann. „Liebe bedeutet auch Schmerz, Leid, Dankbarkeit, Hoffnung und Romantik. Ich habe mich voller Faszination in dieses Thema vergraben und quasi jeden Charakter in jedem Song selbst bevölkert.“

Mit strahlender Stimmkraft und dem richtigen Gespür für Melodie und Tonation überzeugt Bublé auf seinem achten Studioalbum mit Songs wie „Help Me Make It Through The Night“ oder „Unforgettable“. Besonders magisch ist der von ihm verfasste Song „Forever Now“, der sich nicht zuletzt um die tragische Geschichte seines Sohnes Noah dreht, der im Herbst 2016 an Leberkrebs erkrankte und für eine knapp zweijährige Pause des Künstlers sorgte. Glücklicherweise schlug die Therapie gut an und das Schlimmste scheint mittlerweile überstanden zu sein. Die Narben, die das tragische Ereignis bei Bublé verursachte, bleiben aber für immer. „Das Leben, wie ich es kannte, war schlagartig vorbei. Alles andere war für mich unwichtig. Ich hatte keine Ahnung, wie ich weitermachen sollte. Ich wollte nicht mehr im Rampenlicht stehen und andauernd erkannt werden. Es tut mir weh, über dieses Thema zu sprechen, aber es ist wichtig für mich, damit auch andere Menschen verstehen und alles in den richtigen Kontext setzen können.“

Familie über alles
Immer wenn es Fortschritte gab oder Bublé kurz das Gefühl hatte, nicht von dieser erdrückenden Last begraben zu werden, wurde er unbewusst wieder in den Strudel der Trauer hineingezogen. „Die Menschen bei mir zuhause waren unheimlich freundlich und unterstützend. Egal ob ich bei der Tankstelle, in einem Café oder im Einkaufszentrum war - sie gaben mir Zuspruch und fragten immer wieder, wie es meinem Sohn geht. Was sie dabei natürlich nicht wissen konnten ist, dass ich eigentlich nur nach vorne schauen und mich ablenken wollte, mich aber jedes einzelne dieser Gespräche emotional zurückwarf. Ich wollte einfach nur ein normaler Typ sein, der die Freude am Leben wiederfindet, aber das war fast unmöglich.“ Bublé war künstlerisch wie gelähmt. Auf Tour zu gehen war kein Thema, aber auch Songs aufnehmen oder proben stand nicht zur Debatte. Gemeinsam mit Ehefrau Luisana Lopilato investierte er volle Kraft, um all die Dämonen gemeinsam als Familie zu besiegen.

Die Kraft, sich wieder seiner großen Leidenschaft zu widmen, fand der Kanadier erst langsam. Als die Zeit reif war, rief er Freunde und Bandkollegen zusammen, servierte Wein, Bier und Pizza, aktivierte die Videospielkonsolen und hing mit allen ohne Druck und große Pläne drei Tage in seinem Haus in Vancouver ab. „Das hat mich schlagartig daran erinnert, wie sehr ich die Musik liebe und es war mein erster richtiger Kontakt mit ihr nach eineinhalb Jahren. Alles, was ihr auf der neuen Platte hört, entstand in diesen drei Tagen bei mir zuhause. Danach riefen wir unseren Produzenten an und die Sache kam ins Rollen und wurde professionalisiert.“ Dass Bublé in dieser Art und Weise wieder zurückkehrt, war so nicht zu erwarten. „Es gab wirklich Tage, wo ich nur aus dem Bett kam, weil mir die Botschaften und Gebete der Menschen da draußen so viel Kraft gaben. Es klingt so kitschig, aber ich meine das aus tiefstem Herzen, dass mir all die Nachrichten, die ich von Leuten bekam, den Glauben an die Menschheit zurückbrachten.“

Mit klaren Augen
Heute gibt es keine Spur von einem Karriereende, denn die Musik ist für Bublé viel zu wichtig, als sie einfach so beiseitelassen zu können. „In erster Linie zählen für mich meine Familie, meine Freunde und mein Glaube. Ich stecke Integrität in meine Arbeit und will das auch ausstrahlen. Dinge wie Interviews, Selbstpromotion oder Facebook-Liveschaltungen werde ich künftig auf ein Mindestmaß zurückfahren, denn ich habe mittlerweile erkannt, dass es egal ist, was die Leute von mir denken. Darüber machte ich mir viel zu viele Sorgen. Am Ende des Tages geht es darum, dass ich in den Spiegel schauen und mit mir selbst zufrieden sein kann. Bin ich glücklich mit den Entscheidungen, die ich getroffen habe? Respektiere ich mich? Mag ich mich? Darum geht es. Die Krebsdiagnose meines Sohnes hat mich komplett verändert und ich habe eine Abneigung gegen die Celebrity-Kultur entwickelt. Nun sehe ich das Leben endlich mit klaren Augen.“

Am 21. September kommt Michael Bublé mit seinem neuen Album „Love“, allen großen Hits und einer garantiert stilvollen Show in die Wiener Stadthalle. Der Kartenverkauf für das Konzerthighlight startet am Freitag, 16. November, 10 Uhr, unter www.ticketkrone.at.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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