Fr, 16. November 2018

Prater-Unfall

02.11.2018 16:05

Kind fiel aus Gondel: Wie konnte DAS passieren?

Nach dem beängstigenden Halloween-Unfall eines elf Jahre alten Mädchens im Prater - das Kind war wie berichtet aus dem Überkopfkarussell „Extasy“ geschleudert worden - ist jetzt eine Debatte über die Sicherheitskontrollen des berüchtigten Fahrgeschäfts entbrannt. Vor allem die Körpergröße des Mädchens und die Frage, ob es unerlaubterweise einen Rucksack dabei hatte, beschäftigt derzeit die Ermittler. „Extasy“-Betreiberin Katja Kolnhofer zufolge habe man alle Kontrollen eingehalten - sie sollen jetzt aber verschärft werden.

Kolnhofer bekam am Freitag Gelegenheit gegenüber dem ORF ihre Version des Unfallhergangs zu schildern: Demnach sei der Unfall nicht zu verhindern gewesen. Das Mädchen habe seinen Rucksack zwischen die Sitze des Fahrgeschäfts gelegt, wodurch dann der Bügel blockiert worden sei. In Folge konnte dieser angeblich nicht weit genug einrasten, weshalb das Kind durchrutschen und aus der Gondel geschleudert wurde.

Die Betreiberin des bei Adrenalinjunkies beliebten Fahrgeschäfts betont zudem, dass vor jeder Fahrt genau kontrolliert werde, ob das Rucksackverbot eingehalten wird. In diesem Fall sei das aber schwierig gewesen, so Kolnhofer gegenüber orf.at: „Es ist schwierig zu sehen, wenn der Rucksack zwischen den Sitzen unter dem Bügel ist und vielleicht auch noch die Hände darüber sind.“

Öffnen des Bügels „technisch unmöglich“
Der Bügel sei aber nicht aufgegangen, das sei technisch gar nicht möglich, ist die Betreiberin überzeugt und erklärt: „Jeder Sitz hat sechs Sensoren und wird überwacht.“ Somit habe der Kassier vor dem Start den Überblick, ob alle Bügel ordnungsgemäß eingerastet sind. Vor jeder Fahrt gebe es zudem eine „Einfahrrunde“, bei der noch einmal alle Sitze kontrolliert werden. Wenn das System einen Fehler erkennt, greift ein Not-Aus, so Kolnhofer. „In jeder anderen Position hätten wir den Rucksack gesehen.“

Widersprüchliche Angaben zur Größe des Mädchens
Die Polizei wollte am Freitagnachmittag entgegen den Berichten diverser Gratisblätter keine Details zu den Ermittlungen bekannt geben - auch nicht, wie es um die tatsächliche Größe des Mädchens bestellt ist. In den ersten Berichten zu dem Halloween-Unfall im Prater hatte es geheißen, die elfjährige Urlauberin habe mit einer Körpergröße von 1,40 Metern die Mindestanforderung für die Fahrt mit dem Überkopfkarussell erfüllt - und sei auch vor dem Einsteigen entsprechend kontrolliert worden. Diese Angaben stammten aber allesamt von der „Extasy“-Betreiberin, eine offizielle Bestätigung steht aber vorerst aus.

Am Freitag hieß es dennoch in unbestätigten Berichten, die Mutter des Mädchens habe gegenüber der Polizei angegeben, ihre Tochter sei lediglich 1,30 Meter groß - und somit eigentlich um zehn Zentimter zu klein für eine Fahrt mit dem Überkopfkarussell. Auf Anfrage von krone.at betonte Polizei-Pressesprecher Paul Eidenberger, dass diesbezüglich noch keine konkreten Ermittlungsergebnisse vorliegen. Es liege eine Anzeige wegen des Verdachts auf fahrlässige Körperverletzung vor, die Ermittlungen seien aber noch im Anfangsstadium, so Eidenberger.

Noch am Freitag sollte indessen ein Lokalaugenschein mit dem Magistrat durchgeführt werden. Die „Extasy“-Betreiberin kündigte zudem an, die Sicherheitsmaßnahmen noch weiter zu verschärfen. Auf die Gefahr loser Gegenstände weisen bereits jetzt Schilder an der Kassa hin, gibt sie zu bedenken. Man will nun aber noch mehr Hinweisschilder anbringen. Die Mindestgröße für Fahrgäste wurde übrigens nach dem Unfall um zehn Zentimeter auf 1,50 Meter angehoben.

Mann starb 2010 unter mysteriösem Umständen
Es ist nicht das erste Mal, dass das „Extasy“-Karussell in den Negativschlagzeilen ist: 2010 kam ein 34 Jahre alter Mann unter mytseriösen Umständen ums Leben, als er vor dem Kassahäuschen der Prater-Attraktion aufschlug. Damals ging man von einem tragischen Unfall aus. Allerdings meldete sich erst vor wenigen Monaten jener frühere Mitarbeiter und behauptete gegenüber der Rechercheplattform Addendum, der Mann sei aus der Gondel gefallen. Als Ursache gab der Ex-Mitarbeiter, der bis 2015 den Startknopf des Überkopfkarussells drückte, einen defekten Sicherheitsbügel an.

Harald Dragan
Harald Dragan

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