21.10.2018 13:43 |

Stromversorgung

Siemens vor Milliardenauftrag im Irak

Trotz massiver Interventionen von US-Präsident Donald Trump dürfte sich der deutsche Technologiekonzern Siemens im Ringen um einen Milliarden-Auftrag im Irak gegen den US-Konkurrenten General Electric bewährt haben. Die Münchner haben nämlich am Sonntag eine Absichtserklärung mit der Regierung in Bagdad für den Ausbau der Stromkapazitäten in dem Golfstaat unterzeichnet. Obwohl der Irak eines der ölreichsten Länder der Welt ist, leidet die Bevölkerung unter der schlechten Versorgung mit Elektrizität. Vor allem, wenn die Iraker in den heißen Sommermonaten mit Temperaturen von bis zu 50 Grad ihre Klimaanlagen einschalten, fällt ständig der Strom aus. Dies soll sich nun mir deutscher Hilfe ändern. Allerdings wurde eine solche - rechtlich nicht bindende - Absichtserklärung auch mit General Electric unterzeichnet. Es sieht also ganz nach einer Teilung des Auftrags aus.

Der Erfolg für Siemens war vor allem in den Tagen zuvor auf der Kippe gestanden. Die „Financial Times“ hatte von erhöhtem Druck der USA auf die Regierung in Bagdad berichtet. Unter anderem seien Waffenlieferungen versprochen worden. Im Finanzdienst Bloomberg hieß es, ranghohe Vertreter der US-Regierung hätten Iraks Ministerpräsident Haider al-Abadi gewarnt, die Beziehungen zwischen den Ländern zu riskieren, falls der Auftrag an Siemens gehen sollte.

Siemens verspricht auch Hilfe beim Kampf gegen Korruption
Doch auch die deutsche Seite hatte sich ins Zeug gelegt. Erst vor wenigen Wochen war Konzernchef Joe Kaeser gemeinsam mit dem parlamentarischen Staatssekretär im deutschen Wirtschaftsministerium in den Irak gereist, um dort persönlich für das Vorhaben zu werben. Neben der Schaffung Tausender Arbeitsplätze versprach Siemens auch Unterstützung beim Kampf gegen Korruption sowie bei der Ausbildung von Irakern und dem Aufbau von Schulen und Krankenhäusern. Zuletzt hat sich laut dem „Handelsblatt“ auch Bundeskanzlerin Angela Merkel in die Verhandlungen eingeschaltet. Dies alles seien Schlüsselelemente, um beim Aufbau eines neuen Irak zu helfen, sagte Kaeser bei der Unterzeichnung der Absichtserklärung.

Zweites Megaprojekt innerhalb von zwei Jahren
Es ist innerhalb von nur etwas mehr als zwei Jahren schon das zweite Großprojekt, das Siemens im Nahen Osten für seine Kraftwerksparte an Land gezogen hat. Vor wenigen Monaten schloss der Konzern in Ägypten den Bau von drei neuen Gas- und Dampfturbinen mit einer Stromerzeugungs-Kapazität von 14,4 Gigawatt ab - nur rund zwei Jahre nachdem man den Zuschlag mit einem Volumen von acht Milliarden Euro erhalten hatte. Das war eine gute Werbung für das aktuelle Vorhaben.

Die kriselnde Kraftwerkssparte der Münchner soll davon profitieren. Überkapazitäten bei Großturbinen und der generelle Strukturwandel der Energieversorgung hin zu erneuerbaren Quellen machen dem Geschäftsfeld zu schaffen. Um Kosten zu sparen, vereinbarte die Konzernspitze mit dem Gesamtbetriebsrat und der IG Metall den Abbau von rund 6900 Stellen weltweit, etwa 2900 davon in Deutschland. Ob der Irak-Deal - in Kreisen ist von einem hohen einstelligen Milliarden-Betrag die Rede - daran etwas ändert, ist indes fraglich. Im Vorstand ist man darum bemüht, zwischen den Themen Jobabbau und Großauftrag zu trennen.

General Electric im freien Fall
Für General Electric dürfte die Niederlage im Irak die Probleme verschärfen. Als einstiger Innovationsführer und langjähriges Aushängeschild der US-Wirtschaft ist der Konzern wegen dieser und anderer Schwierigkeiten schon seit Jahren im freien Fall. Jüngst erst setzte die über mehr als 125 Jahre alte US-Industrie-Ikone ihren erfolglosen Spitzenmanager John Flannery vor die Tür - es war der zweite Chefwechsel innerhalb von nur 14 Monaten.

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