Di, 23. Oktober 2018

Rekord-Inflation

05.10.2018 06:00

Studie zeigt, was Erdogan falsch macht

Der Verfall der Landeswährung Lira treibt die Inflationsrate in der Türkei auf den höchsten Stand seit 15 Jahren. Allein von August auf September erhöhten sich die Lebenshaltungskosten der Türken um 6,3 Prozent, die türkische Industrie verliert so viel Schwung wie seit neuneinhalb Jahren nicht. Während Präsident Recep Tayyip Erdogan von einer „Verschwörung des Westens“ spricht, zieht eine Studie ganz andere Schlüsse. Erdogan kommt dabei gar nicht gut weg.

Die türkische Lira ist nicht zuletzt infolge des Streits zwischen Erdogan und US-Präsident Donald Trump auf einem Rekordtief angelangt. Doch ist der Wirtschaftskrieg wirklich der alleinige Grund für den drastischen Verfall der Landeswährung? Laut der neuesten IWF-Studie stimmt das nicht ganz.

Externe Faktoren haben keinen so großen Einfluss
Die wichtigste Lehre, die die Analysten aus dem Datenpool von 20 Jahren Inflationsforschung ziehen: Externe Faktoren wie etwa Preisschwankungen bei Rohstoffen haben keinen so großen Einfluss auf die Inflation eines Landes wie gedacht. Auch andere Schocks, also etwa globale Wirtschaftskrisen, erschüttern die Teuerung in Schwellenländern nicht stärker als anderswo. Eine viel größere Rolle, die den Weg der Inflation bestimme, sei die eigene Finanz- und Geldpolitik eines Landes.

Teufelskreis der Inflation
Dabei spielen die langfristigen Erwartungen der eigenen Bevölkerung eine große Rolle: Gehen die Geschäftsleute im Land davon aus, dass die Preise in den kommenden Jahren stark steigen werden, versuchen sie sich davor zu schützen - indem sie selbst die Preise erhöhen. So wird die Inflation zu einem „Teufelskreis“ - eine sich selbst erfüllenden Prophezeiung.

Krisenpolitik ist unzureichend
Wie diese Erwartungen aussehen, kann auch die Zentralbank beeinflussen. Um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen, hob sie den Leitzins zuletzt - gegen den Willen des Präsidenten - von 17,75 auf 24 Prozent an. Daraufhin wütete Erdogan, man werde die „Folgen dieser Unabhängigkeit“ bald sehen, seine Geduld mit der Bank „habe Grenzen“. Nicht ohne Grund wird seine Krisenpolitik von Investoren als unzureichend kritisiert.

Ohne die Türkei namentlich zu nennen, rügt der IWF ein solches Vorgehen: „Es ist wichtig, dass eine Regierung die Glaubwürdigkeit der Zentralbank stärkt“, schreiben die Analysten, „indem sie ihre Unabhängigkeit gewährleisten und Transparenz, offene Kommunikation und Klarheit der Entscheidungen erhöhen.“

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