27.12.2009 10:06 |

"Krone"-Interview

Haiders Mutter: "Bin von den Scheuchs tief enttäuscht"

Jörg Haiders Mutter Dorothea liest gemeinsam mit ihrer Tochter Ursula Haubner den BZÖ-Abtrünnigen die Leviten. Im ausführlichen "Krone"-Interview schildern die beiden Frauen ihre Meinung zum Putsch.

"Krone": Frau Haider, in den vergangenen Tagen ist erneut eine Debatte über das politische Erbe Ihres Sohnes entbrannt. Wen sehen Sie als seinen Nachfolger?
Dorothea Haider: In Kärnten gibt es derzeit keinen Nachfolger, der Jörg fehlt einfach überall, das höre ich auch immer, wenn ich dort bin. Eines weiß ich genau, und es macht mich traurig: Das Kärnten, wie es jetzt dasteht, ist nicht das Erbe meines Sohnes. Ich war ja jetzt in Klagenfurt und hab das überall mitbekommen, wie die Leute dort nicht mehr zufrieden sind. Der Jörg ist einfach in den Herzen der Kärntner, da können die Brüder Scheuch auch nichts dagegen machen, sie werden sein Erbe nicht zerstören.

"Krone": Wie stehen Sie zu Uwe und Kurt Scheuch?
Haider:
Wir kennen sie freilich schon lange. Ich war tief enttäuscht, wie sie sich da jetzt vom BZÖ losgesagt und den (BZÖ-Chef) Seppi Bucher nur eine halbe Stunde vorher informiert haben. Wer einen guten Zugang zu den Menschen hat, der würde so etwas nie machen, weil er weiß, dass solche Handlungen von der Bevölkerung nicht mitgetragen werden. Die Menschen lassen sich nicht einfach so zu einem Spielball der Machtgelüste von zwei Brüdern machen.

"Krone": Es wird immer wieder postuliert, dass Jörg Haider sehr wohl die Aussöhnung und die Zusammenarbeit mit der FPÖ gesucht hat?
Haider: Das ist doch gar nicht wahr! Ach, dass sie alle so lügen, diese Unwahrheiten... Vor seinem Tod ist doch alles wunderbar gelaufen, er hat sich endlich als Politiker gezeigt und nicht als jemand, der die Stimmung mit Reden schüren kann. Obwohl er damit natürlich großen Erfolg hatte, mehr als der H.-C. Strache, der ja nur gegen die Asylanten schreien kann, was ihm vielleicht was bringen wird. Aber meine Tochter weiß politisch besser Bescheid, ich bin eigentlich nur traurig und hoffe, dass Seppi Bucher alles zusammenhält. Das ist ein kompetenter Mann, der ohne Hetze auskommt.

"Krone": Frau Haubner, plante Ihr Bruder eine Wiedervereinigung des Dritten Lagers?
Ursula Haubner: Mit diesen Legenden muss endlich aufgeräumt werden. Jörg Haider hat immer ganz klar gesagt, dass es gut ist, wenn FPÖ und BZÖ getrennt marschieren, einfach weil sie ein anderes Wählerklientel ansprechen. Wenn man in Sachfragen wie mit anderen Parteien auch zusammenarbeiten kann, dann ist das möglich, aber von einem Zusammenschluss war nie die Rede.

"Krone": Was hat Ihr Bruder mittelfristig angestrebt? Endlich Regierungsmitglied werden?
Haubner: Sein Ziel war es, nach den nächsten Nationalratswahlen bundesweit Verantwortung zu übernehmen und zwar persönlich, denn er hatte aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt.

"Krone": Wie ist Ihr Verhältnis zu FPÖ-Chef H.-C. Strache?
Haubner: Ich habe immer das Verbindende gesucht, vor der Gründung des BZÖ hatte ich ihn ja zu meinen Stellvertreter als FPÖ-Bundespateiobfrau gemacht.
Haider: Na ja, er wollte ja von Anfang an den Jörg nachmachen, er hat ihn in allem kopiert, aber das geht halt nicht so einfach! Überhaupt wenn er davon spricht, Bürgermeister von Wien zu werden, das sind doch Illusionen! Trotzdem, ich will jetzt nicht bösartig sein und niemanden kränken, nur bei den Brüdern Scheuch muss ich sagen, das war zuviel.
Haubner: Ganz allgemein muss ich sagen, dass ich jeden FPÖler, der eine Haltung hat, respektiere, auch wenn ich diese nicht teile. Und ein Freiheitlicher mit Haltung kann mit dem Gebaren der Gebrüder Scheuch nicht einverstanden sein.
Haider: Das geht doch nicht, einfach so mir nichts dir nichts sagen, wir sind jetzt zusammen, obwohl man vor Kurzem kein gutes Haar aneinander gelassen hat. Der Strache und der Scheuch schauen ja aus wie frisch verliebt, grad dass sie sich nicht küssen.

"Krone": Würden sie den Scheuchs empfehlen, wieder zum BZÖ zurückzukehren?
Haider: Denen will ich gar nichts empfehlen.
Haubner: Ich bin überzeugt, dass die beiden bereits gescheitert sind und Josef Bucher dem BZÖ in kürzester Zeit wieder die Stabilität gibt, um weiterhin unsere Wählerinnen und Wähler zu vertreten.

"Krone": Was ist mit dem Kärntner Landeshauptmann Gerhard Dörfler? Wie schätzen Sie ihn ein?
Haider: Der ist vielleicht ganz lieb, aber der Verantwortung oft nicht gewachsen. Er kann wahrscheinlich gar nicht abschätzen, wo ihn die Brüder Scheuch da hineingetrieben haben.

"Krone": Frau Haubner, in diesem Zusammenhang muss das Desaster um die Hypo Alpe Adria angesprochen werden.
Haubner: Wir vom BZÖ fordern lückenlose Aufklärung bezüglich der Verantwortung und beantragen daher im Parlament einen Untersuchungsausschuss. Aber ich muss schon sagen, wie sich die Kärntner Landesregierung in den Verhandlungen dargestellt hat, war nicht gerade, um es diplomatisch zu sagen, gute Kommunikationsarbeit. Unterm Jörg hätte es das nicht gegeben.

"Krone": Warum haben Sie sich nach dem Tod Ihres Bruders nicht an die Spitze des BZÖ gestellt, so wie viele es erwartet haben?
Haubner: Ich weiß immer sehr gut, was ich will und was nicht, und diese Position war es sicher nicht. Die Erbfolge muss ja nicht immer innerhalb der Familie bleiben.
Haider: Mein verstorbener Ehemann hat damals, als die Uschi nach Wien in die Regierung gekommen ist, gesagt, hoffentlich verheizen sie das Madl nicht.

"Krone": Um Ihren Sohn haben Sie sich weniger Sorgen gemacht?
Haider: Natürlich hat man sich immer wieder Sorgen gemacht. Mir kommt es wie gestern vor, dass ich in der Nacht meines Geburtstages im Bärental gehört hab, dass er verunglückt ist…

Interview: Nadia Weiss

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